Jaja, ich weiß, manche/r hätte gern mehr Fotos aus Shanghai und von unterwegs gesehen ... insgesamt sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren ca. 45.000 Stück entstanden. Aber das hat man eben nur zum Teil meiner Faulheit zu verdanken - zu einem mindestens genau so großen Teil der chinesischen Regierung mit ihrer "great firewall". Hoch lebe das freie Internet!


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Das neue Jahr des Schweins

Wenn ich es schaffe, gibt es hier übrigens auch noch Updates, und zwar aus den bisher unveröffentlichten Reisetagebuchnotizen.

Montag, 23. März 2009

Fei HeDe's Geotrip - Teil 2 - 7. Maerz 2009

Am nächsten Morgen verlassen wir, nach chinesischem Frühstück, mit dem gesamten Gepäck das Hotel und fahren vom Busbahnhof aus nach Xianghualing, südwestlich von Chenzhou gelegen. Nach etwa 2 Stunden Fahrt steigen wir direkt vor dem Hotel aus und beziehen nach den Formalitäten des Eincheckens unsere Zimmer. Der Geruch in meinem Zimmer erscheint mir recht befremdlich, das Bad sehr primitiv und die Wände extrem "betreten". Hm, das gefaellt mir schon weniger. Wenigstens scheint die Bettwäsche halbwegs sauber zu sein, und Ungeziefer ist zumindest nicht offensichtlich anwesend.

Das Mittagessen nehmen wir in einem winzigen Restaurant zu uns. Anschließend holt uns ein ortsansässiger Händler ab, wieder ein sehr junger Mann, und wir folgen ihm in seine Wohnung. Nach Öffnen der Wohnungstür kommt uns gleich ein bis auf den Kopf recht kurzgeschorener Bobtail entgegen. Die "Schätze" sind in einem Schlafzimmer und in einem offenbar speziell für Mineralien reservierten Raum untergebracht. Obwohl dort nichts wirklich Besonderes zu finden war, nehme ich doch zwei recht ansehnliche Kleinstufen mit. Nachdem wir die Wohnung verlassen haben, will John auf den Berg. (Anm. d. Red.: den einen, der da neben der Stadt steht.) Zu diesem Zweck gehen wir zuerst zurück zu einem Platz, wo sich auf einer breiten Treppe einige Leute herumdrücken. John spricht sie an, und nach kurzer Diskussion gehen wir mit einem Mann los, der uns den Weg zeigen will. Zuerst holt er aber noch sein Tragwerkzeug, Seile und Packtüten, um die Brocken, die John sich zu "erbeuten" erhofft, später abtransportieren zu können. Die beiden legen gleich einen ordentlichen Schritt zu; ich kann kaum folgen. Wir haben gerade die Bergarbeitersiedlung passiert, als einer eine gute Idee hat und daraufhin unser Führer unsere Rucksäcke an seinen Tragestab hängt. Der Vorteil ist, dass er so etwas langsamer wird und ich etwas schneller.

Bald darauf, nicht weit von der Stadt entfernt, überholt uns ein Geländefahrzeug auf dem steilen Feldweg in rascher Fahrt. Nur 50 Meter weiter hält er auf einem kleinen Platz an. Als wir das Fahrzeug passieren wollen, öffnen sich die Türen und heraus kommen einige Zivilisten und einige Uniformierte: Polizei. Der Fahrer, ein Zivilist, grüßt mich mit "How do you do?", hält mir einen Ausweis unter die Nase und fängt gleich an, mit John zu reden. Nach einer kurzen Unterhaltung kramt John Geld heraus und will unseren Führer auszahlen. Daraufhin nehmen zwei der Fahrzeuginsassen den Führer beiseite. Kurz darauf ist er wieder da und bekommt eine kleine Aufwandsentschädigung. Wir "dürfen" in den Geländewagen einsteigen und fahren zurück den Berg hinunter. Nach kurzer Fahrt halten wir auf dem Hof der Polizeistation, die wir vor wenigen Minuten noch zu Fuß passiert hatten. Wir steigen aus und folgen dem Zivilisten und zwei uniformierten Beamten in das Polizeigebäude. Die Gittertür am Eingang wird geöffnet, wir treten ein und das Gitter schließt sich hinter uns - uups!

Wir werden in einen Besprechungsraum mit noblen, schweren, lederbezogenen Stuhlsesseln und dunklen, schweren Tischen geführt. Davon abgesehen sieht es nicht sehr nobel aus, alles wirkt etwas unsauber, die Fenster sind teilweise zerbrochen und vergittert. Uns werden Zigaretten angeboten, dann werden unsere Ausweise verlangt. Als wir sie zurückbekommen, wird John in einen anderen Raum gebeten. Kurz darauf kommt er wieder und ich darf den Nachbarraum betreten: ein protzig ausgestattetes Büro mit einem mächtigen Schreibtisch, einer Sitzecke mit Ledersofa und Sessel. Dieser Raum hat sogar einen Vorhang! Hinter dem Schreibtisch sitzt der besagte Zivilist, der mich so locker auf Englisch angesprochen hatte. Recht schnell merkt er, dass ich ihn nicht verstehe, so dass er John holen lässt. Er lässt sich erneut meinen Pass geben, den er mehrfach vor- und rückwärts durchblättert. Dann teilt er John etwas mit, geht zu ihm und zeigt ihm eine Seite meines Passes. Fassungslos teilt mir John mit, dass meine Aufenthaltsgenehmigung vor Monaten abgelaufen sei. Er reicht mir meinen Pass und zeigt mir die Aufenthaltsgenehmigung - die alte. Ich blättere ein paar Seiten weiter und reiche dem Herrn in Zivil erneut meinen Pass, nun an der richtigen Seite aufgeschlagen. Der schaut verdutzt drein und setzt sich wieder in Bewegung, um noch einmal Kopien zu machen. Zwischenzeitlich kommt ein weiterer Offizieller gewissermaßen in "Ziviluniform" herein, der mich misstrauisch beäugt und gelegentlich Fragen an John stellt.

Als nächstes dürfen wir den Inhalt unserer Rucksäcke vorführen, und die Bilder auf meiner Kamera werden begutachtet. Ein Polizist in Uniform interessiert sich sehr für meine kleine Taschenlampe und fragt nach dem Preis. Ich reagiere sehr ausweichend - schliesslich brauche ich die selber noch! - und versuche ihm klarzumachen, dass die Akkus nichts taugen. Aber so richtig kann ich ihn nicht überzeugen. Dann werden einige Telefonate geführt, unter anderem mit dem Händler aus Chenzhou, den wir besucht hatten - so überprüft man mal rasch unsere Geschichten. Nach einigen Tassen Tee, Austausch mehrerer Zigaretten und einem Blick auf den Computer des Zivilisten, der uns die Bilder seiner Mineraliensammlung zeigt, verlassen wir die Polizeistation nach etwa 1,5 Stunden. Aber wir können nicht etwa frei unserer Wege gehen - wir sind in Begleitung eines Polizisten. John teilt mir mit, dass wir die Stadt sofort wieder zu verlassen hätten. Unser Gepäck dürfen wir aber mitnehmen, machen uns also auf den Weg zurück zum Hotel. Auf halbem Weg stelle ich fest, dass ich dummerweise meine Kappe in der Polizeistation habe liegen lassen. Während John zurückläuft, um die Kappe zu holen, kommt der Polizist wieder auf die Taschenlampe zu sprechen. Jetzt gelingt es mir doch, ihm klarzumachen, dass die Akkus wirklich gar nicht gut sind. Als John zurückkehrt, gibt er schliesslich endgültig Ruhe.

Im Hotel packen wir unsere Sachen, müssen die nicht in Anspruch genommene Übernachtung trotzdem bezahlen und besteigen dann, nicht weit vom Hotel entfernt, einen Bus nach Chenzhou. Der Polizist steigt mit in den Bus und achtet darauf, dass wir uns auch hinsetzen. Dann postiert er sich draußen und wartet, bis der Bus abgefahren ist. Nach ein paar Stunden Fahrt sind wir wieder in Chenzhou und fahren zu einem anderen Busbahnhof, zwecks Weiterfahrt nach Shaoguan in der Provinz Guangdong. Aber heute fährt kein Bus mehr dorthin. Also zum Bahnhof, aber ein Zug nach Shaoguan fährt heute auch nicht mehr. Also kauft John Fahrkarten für den nächsten Tag, und wir fahren zum Hotel unserer ursprünglichen Wahl, wo wir für weniger Geld deutlich bessere Zimmer bekommen. Ich bin eigentlich sogar recht froh, als ich mein Zimmer sehe, denke ich doch mit Schrecken an das Zimmer in Xianghualing. Diesmal werfe ich aber die Klimaanlage zum Heizen an. Wir nehmen noch ein kleines Abendessen zu uns und gehen früh zu Bett. Der Zug fährt morgen früh um kurz vor acht Uhr.

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