Jaja, ich weiß, manche/r hätte gern mehr Fotos aus Shanghai und von unterwegs gesehen ... insgesamt sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren ca. 45.000 Stück entstanden. Aber das hat man eben nur zum Teil meiner Faulheit zu verdanken - zu einem mindestens genau so großen Teil der chinesischen Regierung mit ihrer "great firewall". Hoch lebe das freie Internet!


Wer weiterhin meine Bemerkungen über Gott und die Welt lesen möchte, klickt bitte hier:
Das neue Jahr des Schweins

Wenn ich es schaffe, gibt es hier übrigens auch noch Updates, und zwar aus den bisher unveröffentlichten Reisetagebuchnotizen.

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Freitag, 27. November 2009

Abflug

Ich sitze bei allerschoenstem Wetter mit blauem Himmel und Sonnenschein und Blick aufs Meer im Flughafen Kansai am Ausgang 28 und warte auf den Abflug in einer guten Stunde. Die Temperaturen draussen sind so, dass mir auf der Fahrt hierher in der Flanellbluse schon zu warm geworden ist. So ein Pech, dass bei diesem Wetter keine Gelegenheit zu einer Besichtigungstour ist!

Heute Morgen waren einige der Kollegen noch etwas "knautschig" ... wie man hoeren konnte, gab es noch mindestens eine second party und vielleicht auch noch eine third party ... Die muessen es ja wissen. Ich war lieber mal halbwegs beizeiten ins Bett gegangen. - Zum Fruehstueck habe ich die Spezialitaet "takoyaki" probiert, mit Fischflocken drauf, die sich die ganze Zeit bewegen wie etwas Lebendiges. Kann man essen, ist aber kein Muss - und schon gar nicht zum Fruehstueck. - Zum Mittagessen gab es dann ein geschirrintensives Mahl mit 9 Haeppchen aus individuellen Schuesselchen, etwas Sashimi, Tempura, Reis, Suppe und Tofu - auch nicht uebel. Und das Gute: die Kollegen waren alle halbwegs zufrieden, weil die Qualitaet der Sashimi o.k. war - ich hingegen, die ich Sashimi in 1A-Qualitaet vielleicht noch nie gegessen habe, war ganz zufrieden. Manchmal ist es auch von Vorteil, wenn man nicht alles kennt.

Warum ich das alles hier blogge? Vor allem, weil Japan auch eines der Laender ist, in denen ich einfach so meinen eigenen Blog bearbeiten kann, ohne Hampelei und Einschraenkungen. Seufz!

Donnerstag, 26. November 2009

Abschiedsparty

Gestern Abend bin ich ohne besondere Vorkommnisse, Verspaetungen oder sonstwie Erwaehnenswertes nach Osaka geflogen. Als ich die Passkontrolle endlich hinter mich gebracht hatte (samt Fingerabdruck beider Zeigefinger und Grinsefoto), war mein Gepaeck nicht nur schon laengst da, sondern das Band lief schon nicht mehr und die meisten Stuecke waren schon weg. Gut, dass mein olles weitgereistes Koefferchen nicht mehr sooo attraktiv ist! - Diesmal wollte auch der Zollbeamte nicht unbedingt in meinen Sachen wuehlen, so dass ich unbehelligt zum Bussteig gehen konnte. Der Bus heisst in diesem Fall Airport Limousine (ich denke, ich berichtete schon einmal), was sicher netter klingt ... aber Bus bleibt Bus. Die Fahrt soll, je nach Verkehr, 50-90 Minuten dauern, und es war so leer gestern Abend, dass ich schon nach gut 40 Minuten am Ziel war. Umso besser! Ein paar Meter sind es nur von der Bushaltestelle zum Hilton, wo ich rasch eingecheckt habe. Gegen elf im Zimmer habe ich zuerst geprueft, ob es wohl ein Kissenmenu gebe - und ja, zu meiner grossen Freude gibt es eins! Da stand zwar, dass man Kissen und andere  Artikel zwischen 7 und 22 Uhr anfordern koenne, aber das habe ich einfach geflissentlich ueberlesen ... was soll ich machen, wenn ich doch eben erst angekommen bin?! Ein freundlicher Herr hat mir dann auch bald darauf ein hier "sobagara" genanntes Kissen gebracht, ohne mit der Wimper zu zucken. Das hat eine Buchweizenfuellung und sei ein traditionelles japanisches Kissen, Klasse! Ein bisschen wollte ich mich noch fuer heute vorbereiten, so dass ich leider erst um 0:25 Uhr schlafen gehen konnte.

Heute war dann tagsueber volles Programm. Anders als im letzten Jahr gab es keinen Simultandolmetscher fuer mich - die Japaner haben sich alle Muehe gegeben und Englisch geredet. Ich kann also immer noch als Uebungsanlass dienen ... hoffe allerdings, dass das nicht der einzige Wert meiner Reise ist.  ;-))  Und am Abend war dann Abschiedsparty angesagt, fuer zwei Kollegen, die sich langjaehrig verdient gemacht hatten und nun die Fruechte ihres wohlverdienten Ruhestands ... oder wie hiess das noch bei Herrn Lohse?! Vorher hatte es schon eine Ermahnung per Mail an alle gegeben, man moege gefaelligst bitte puenktlich sein, die Veranstaltung beginne um Punkt sieben Uhr. Auf der Tagesordnung stand im japanischen Text 120 min und im englischen 19-21 Uhr, und das wurde auch auf den Punkt genau eingehalten. Von diesem punktgenauen Zeitmanagement war ich zunaechst sehr beeindruckt, bis ich von den Kollegen erfahren habe, dass das nichts Besonderes sei. Ja dann! Da einer der beiden frischgebackenen Ruhestaendler "mein" Laendervertreter fuer Japan war, durfte ich auch eine kleine Rede reden. Ich habe ein bisschen launig ueber sein "geheimes Leben" in meinem regionalen Team berichtet und musste doch ein wenig schmunzeln, als er mir hinterher sagte, dass er ein wenig nervoes geworden sei, als er diesen Titel gehoert habe. Vom Schmunzeln mal abgesehen, frage ich mich halb-ernst aber doch, woher das offenbar schlechte Gewissen kommt - nun werd' ich's wohl nie erfahren, und das echte "secret life" bleibt ein echtes Geheimnis.

Samstag, 18. Oktober 2008

Japan-Schnitzel

Ich hatte doch noch ein paar "Japan-Schnitzel" auf dem Herzen, die ich mir (neben der KaLaOK-Geschichte) auch noch von demselben schreiben wollte! Also beherzt drauflos:

Manchmal sind sie ja ein bisschen umstaendlich, die Japaner, aber manchmal auch hemmungslos praktisch. Damit stuerzen sie eine Langnase wie mich in Wechselbaeder. Das zeigte sich schon im Hotel: Nach dem Duschen war das Badezimmer immer tuechtig eingenebelt, weil kein vernuenftiger Abzug da war. Und ergo die ganze verspiegelte Wand ueber dem breiten Waschtisch beschlagen. Aber wie durch ein Wunder war eine Flaeche ueber dem Waschbecken klar und frei. Das Wunder entpuppte sich natuerlich, wenig ueberraschend, als Spiegelbeheizung. Waehrend das sehr praktisch war, waren die Bettbezuege sehr unpraktisch, naemlich nicht am Fussende offen, sondern auf der Laengsseite. Wer denkt sich denn sowas aus?! Andererseits wieder sehr erfreulich: dies war, wenn ich mich recht erinnere, das erste Hotel hier in Asien, das sich an die selbst ausgegebene Regel haelt, Handtuecher nur zu wechseln, wenn man sie auf den Boden wirft. "Help us save the world", so stand auf der Informationskarte - ich habe mein Mikroscherflein beigetragen! Und was die platzsparende Erfindung einer Kombination aus Toilette und Bidet betrifft, so habe ich darueber ja schon vor laengerer Zeit Boudoirgeschichten erzaehlt.

Essen ist natuerlich, wie eigentlich ueberall, ganz wichtig. So wichtig, dass es nichts Verdaechtigeres gibt als chinesische Lebensmittel oder, allgemeiner, aus China importierte Lebensmittel. Quasi unberuehrbar ist das! Von essbar oder geniessbar ganz zu schweigen. Andererseits ist den Chinesen umgekehrt japanisches Essen auch nicht geheuer. Roher Fisch? Konfuzius behuete! Ueberhaupt: Japaner essen ganz komische Sachen, sagen die Chinesen. Na, die Chinesen muessen es ja wissen, sage ich ... Am Sonntagabend hatte jedenfalls ich das weltberuehmte (oder sollte ich besser sagenhafte sagen?) Kobe-Rindfleisch, als Teppanyaki zubereitet. Ganz schoen fett, aber lecker. Am Montag waren wir mittags Sushi essen in einer mickrigen Allerweltssushibar, die nicht mal voll war (schlechtes Zeichen eigentlich), aber die gebotenen Haeppchen mit Fisch waren von besserer Qualitaet als in den meisten Shanghaier Etablissements, sogar den besseren. Montagabend waren wir mit dem ganzen Team in einem ganz hoelzernen Restaurant mit umlaufenden Goldfischaquarien ueber den Sitzbaenken. Vermutlich gibt es die Aquarien, damit man in der leicht brennbaren Umgebung das Rauchen nicht verbieten muss ... Serviert wurde ein mehrgaengiges japanisches Menu, alles lecker, mit am Tisch von den Essern selbst in kleinen Pfaennchen zu bratenden Meerohren (Abalone - siehe auch Ambrosia) als Hoehepunkt. Am Dienstag gab es mittags die nicht weltberuehmten, aber unter "Insidern" doch bekannten Okonomiyaki, immerhin eine Spezialitaet in Osaka. Das Witzige an denen war, dass sie ueppig mit Bonito-Flocken bestreut waren. Diese hauchduennen Thunfischspaene bewegten sich in der heissen und vergleichsweise feuchten Umgebung des zubereiteten Okonomiyaki ganz vegetativ, ein bisschen wie Korallen, so dass das Essen ganz lebendig wirkte. Und die Bewegung hielt lange an, weit ueber den Moment des Servierens hinaus! - Vor dem Singeabend mussten wir uns im Steakhaus staerken. In Japan bestellt man offenbar ungefaehr 5 oder 6 Steaks fuer 8 Personen, und dann werden die geteilt wie sonstiges Essen. Was wirklich stoerte: Nichtraucheretablissements scheinen in Japan komischerweise nicht ueblich zu sein, und die Japaner rauchen erschreckend viel. Dementsprechend habe ich in den dreieinhalb Tagen passivgeraucht wie ein Schlot, das reicht erst einmal fuer die naechsten Jahre ...

Und ansonsten ist einfach in Japan alles anders. So gab es fuer einige der Besprechungen eine professionelle Simultanuebersetzung, eine ganz neue Erfahrung fuer mich. Man muss sich schon drauf verlassen, dass auch in einer so speziellen Materie die Uebersetzer das Richtige uebersetzen. Dass alles anders ist in Japan, wusste ich ja schon aus der Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen. Aber dass die Uhren auch anders gehen (und nicht bloss wegen der Zeitzone) war mir neu. Und da es jetzt schon 26:00 Uhr durch ist, muss ich mal so langsam zu Bett gehen!

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Leerer Hintergrund

Gestern Abend war es also so weit: die erste Karaoke-Session meines Lebens. "The Big Echo" heisst der Laden. Die ganze Veranstaltung war ja hinreichend absurd: Ich mit 7 japanischen Herren, zwar alles Kollegen, aber mir dennoch persoenlich wenig bekannt* oder fremd** oder gar wildfremd***, in einem winzigkleinen Raum, der mit einem normal grossen Tisch und einer Eckbank und ein paar Hockern drum herum zu 90% ausgefuellt ist. Die restlichen 10% sind fuer den grossen Flachbildschirm reserviert, auf dem einem der Text "fuer ze singe" in fast bildfuellender Groesse serviert wird. Der Raum selber ist eher schaebig, irgendwie mit beige und rot, aber vielleicht war das "Beige" auch nur ein von langjaehrigem Zigarettenrauch verfaerbtes Weiss, wer weiss das schon. Ueber dem Fernseher sind zwei mittelgrosse Boxen angebracht. (Dieses "ergooglete" Bild trifft die Atmosphaere einigermassen.)

In der Ecke der Eckbank liegen zwei Schellenkraenze (ziemlich genau dieses Modell) fuer das rhythmische Extra und zwei dicke "Telefonbuecher". Das ist das Singmenu, sozusagen. Auf den hinteren Seiten gibt es englische Titel. Mehrere Seiten, dreispaltig bedruckt, also schon eine reichliche Auswahl, aber nix im Vergleich zur Fuelle japanischen Liedguts. Nachdem mein karaokehassender (und deshalb nicht anwesender) deutscher Kollege mir Nenas "99 Luftballons" als heissen Tipp gegeben hatte ("das gibt's ueberall, ausserdem Dschingis Khan und manchmal noch Muss i' denn zum Staedele hinaus"), suche ich das - leider hier vergeblich.

Kaum haben wir alle einen Platz gefunden, macht der erste Kollege schon gleich den Anfang mit "Honesty" (Billy Joel). Alle anderen sind noch damit beschaeftigt, Getraenke zu bestellen. Dann soll ich schon gleich dran sein, oje, da war ja noch die Qual der Wahl. Ich nehme mal Dylans "Blowing in the wind", das ist eins der ersten in der Liste, das mir halbwegs singbar vorkommt. Aber schon wieder oje, irgendwie ist das nicht in meiner Tonlage eingestellt, ich muss mich also zwischen brummen und quietschen entscheiden ... so ungefaehr. Fuuuurch'ba'! Hinterher habe ich bemerkt, dass man an der Tonlage buchstaeblich ein bisschen drehen kann.

Wenn ein Stueck zu Ende ist, wird allerhand interessante Information angezeigt: es beginnt mit der Kalorienverbrauchsanzeige (keine Ahnung, wie das berechnet wird). Die Werte schwanken so zwischen 3,7 und 6,8 kcal, da muss man aber lange singen, bevor das Abendessen abgearbeitet ist, falls man eins hatte! Dann kommt die Auswertung. Drei Kategorien, aber ich habe nicht herausbekommen, welche das sein sollen. Eine ist wohl fuer das Singen der Silben genau dann, wenn sie dran sind - und aus allen Werten wird eine Punktzahl errechnet, die irgendwo zwischen 60 und 100 liegt. Ich lande bei 67, au weia ...

Ja, und dann wird froehlich reihum gesungen, gern Schnulzen aller Art. Ich hab' mir auch mal einen "Ohohnlyhe youwhowhooo"-Schmalztopf ausgesucht und freiheraus gejault :-D. Sehr lustig. Man darf auch mal beim Vortrag anderer mitsingen. Mein Kollege* spielt uebrigens seit 40 Jahren in einer Country-Band Banjo - der ist also musikalisch vorbelastet und war mit "Country roads" gut bedient. Einer der Kollegen aus der **-Kategorie hat einen Ruf als notorisch guter Karaokesaenger und ich war auch wirklich ein bisschen beeindruckt von seinem "New York, New York".

Zur Hoechstform bin ich dann aufgelaufen mit Doris Days "Que sera, sera" - high score des Abends: 94 Punkte! Der Ausgleich zu meinem low score des Abends, irgendwo in den unteren 60ern. Ob die daran irgendwie gedreht haben, die Steuerpultbediener? Ist mir aber auch sooo egal. Und der zweite Hoehepunkt war dann sicher das japanische Lied, in dem eine Dame meines Vornamens angeschmalzt wird. Ich hab' das erst gar nicht gemerkt, denn als jemand das Lied auswaehlte, erschien in der Vorschau auf dem Bildschirm der Titelname als "Oh! (in lateinischen Buchstaben) ... (in japanischen Buchstaben)". Alle haben gelacht, ich auch, aber aus dem falschen Grund. Das erschien naemlich in der Vorschau, als einer der Kollegen sich gerade an einer etwas schwierigen Stelle nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, so dass ich ueber die kommentierende Wirkung des "Oh!" lachen konnte. Aber der Liedtext war dann hinterher halb englisch, halb japanisch, und dann stand mein Name doch da wirklich in lateinischen Buchstaben. Oh! Can't you hear me? I love you. Oder so aehnlich.

Dann irgendwann war die Zeit um, nach Claptons "Tears in heaven" und "Cocaine", "Kokomo" von den Beach Boys, einem Beatles-Medley, Stings "Englishman in New York", "Yellow River" von Christie, Abbas "Dancing Queen", Elton Johns "Your song", "Hotel California" von den Eagles, diversen japanischen Liedern und ich weiss nicht was noch alles. Keine Ahnung, wie viele Stuecke das insgesamt waren. Bei einer durchschnittlichen Dauer von 3 Minuten und einer Zwei-Stunden-Sitzung waeren das ja an die vierzig Stuecke gewesen?! Suess war auch, dass zwei der Kollegen sich immer entschuldigt haben, wenn was Japanisches gesungen wurde.

Uebrigens: Waeren die "Filme", die als Hintergrund fuer den Liedtext dienen, Buecher (oder aehnliches), dann Groschenhefte - grauenhafter Kitsch in grottenschlechter Bildqualitaet. Ja, so war das also mit dem Ausfuellen des Vordergrunds vor dem leeren Hintergrund - so die Bedeutung des Worts Karaoke.

* einer aus meinem Team, den ich zuvor schon dreimal [in zwei Jahren] persoenlich getroffen hatte, der aber immer in den alle zwei Wochen stattfindenden Telefonkonferenzen dabei ist

** bei diesem Besuch in Japan tagsueber in einer Besprechung "kennengelernt"

*** nie zuvor gesehen, just beim vorhergehenden Abendessen getroffen

Donnerstag, 15. November 2007

Boudoirgeschichten

Das Bad im Westin-Hotel in Osaka war fuer mich anfangs zu schwierig: ein typischer Einhandmischer - aber wie Wasser herausbekommen? Ich zieh' und zieh' den Hebel hoch - nix. Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass man ihn herunterdruecken muss. Ach so. Troestlicherweise habe ich hinterher von den Kollegen gehoert, dass es ihnen genau so ergangen ist. Nach einer Woche Uebung machten mir dann aber die Wasserhaehne sowohl in Shanghai wie auch in Deutschland zuweilen Schwierigkeiten ...

Das Bad war auch mehr ein Boudoir, mit Teppichboden und Polsterhocker vor dem Waschtisch - ob das so guenstig ist, sei mal dahingestellt. Toilette, Dusche und Badewanne befanden sich aber in einem zweiten, gefliesten Raum. Im Boudoir war es auch immer irgendwie zu voll: die dreiseitige Verspiegelung macht halt aus einem Benutzer unendlich viele.

Besonders zu erwaehnen sind aber tatsaechlich die Toiletten. Fast schon Standard, zum Teil auch fuer oeffentliche Toiletten, scheinen die Modelle mit "Bidetfunktion" zu sein. Es gibt einen Wasserstrahl fuer vorn, einen fuer hinten, man kann Temperatur und Staerke des Strahls einstellen, und selbstredend ist der Sitz beheizbar. Wenn ich denke, dass Wohnraum knapp ist, ist es natuerlich sehr praktisch, wenn man kein separates Bidet benoetigt. Und ueberhaupt ist das praktisch. Und dann gab es noch ein vergleichsweise primitives Detail, das mir am allerbesten gefiel: der Toilettendeckelschliessmechanismus (schoenes Wort). Man musste den Deckel nur ein ganz kleines bisschen bewegen, dann schloss er sich langsam von selbst und fiel am Ende mit einem ganz leisen klapp zu. Ich versuche ja auch immer, den Deckel recht leise zu schliessen, aber wenn er einem mal aus der Hand faellt, gibt es gleich einen lauten Knall. Warum kann man eigentlich nicht ... diese schoene Sache auch in anderen Laendern uebernehmen? Als ob wir nicht alle laermgeplagt waeren ...

Ich hoerte spaeter, dass sich einer der ehemaligen Japan-Expats solche schoenen Toilettensitze mit nach Deutschland genommen habe. Dann aber die Super-Luxus-Variante, bei der sich der Deckel beim Betreten des Raumes oeffnet und dann auch gleich die Musik angeht ... ;-)) Bitte Platz zu nehmen!

Mittwoch, 14. November 2007

Japanese Food

Waehrend ich mich grundsaetzlich in China bekanntlich recht wohl fuehle und auch das Essen gern mag (oder jedenfalls genuegend Gerichte kenne, die ich gern mag - sicher ist nicht alles mein Fall), ist, was letzteres betrifft, Japan irgendwie die Kroenung. Vor allem waere es da vermutlich merklich leichter, sich gesund zu ernaehren - viel Fisch, kaum Fett, alles relativ leicht.

Am Sonntagabend gab es ein grosses Willkommensessen in einem traditionellen japanischen Restaurant. Als kleines Zugestaendnis an barbarische Langnasen war der Speisesaal aber mit einem Tisch und Stuehlen ausgestattet - uff. Die Schuhe musste man aber trotzdem ausziehen. Es gab Kaiseki. Die Bedienung, gar nicht mehr junge Frauen, war nicht nur blass, sondern zusaetzlich weiss geschminkt, und trug traditionelle Kimonos mit diesen Rueckenpaeckchen, deren Namen ich vergessen habe. Das koestliche Tempura wurde jeweils frisch auf faecherfoermigen Drahtgittern neben dem Platzteller serviert, die auf einem Metallbehaelter lagen - sozusagen zum Abtropfen. Aber bei so feiner Kueche tropfte da nichts.

Am Montagabend gab es im kleinen Kreis Shabu-Shabu. Das heisst angeblich gar nichts, sondern sei lautmalerisch: das soll das Geraeusch sein, das entsteht, wenn man das hauchduenn aufgeschnittene, fein marmorierte Rindfleisch in der Bruehe schwenkt. Es handelt sich naemlich um eine Art Fondue. Dazu gab es Buchweizennudeln (Soba). Diesmal hatten wir uebrigens zu sechst so einen privaten Raum fuer uns, mit gemaessigt japanischer Ausstattung: Schuhe ausziehen und auf dem Boden sitzen, aber unter dem Tisch ist der Boden etwas ausgehoehlt, so dass man praktisch normal (nur ohne Lehne) sitzen kann. P.S.: Ich habe nichts vom Schwenken gehoert - da war wohl die Unterhaltung zu laut. ;-))

Am Dienstagabend war die ganz grosse Gruppe im "Dynamic Kitchen Sun" (hier ein Link zur Seite dieses "Konzeptrestaurants" mit ein paar Bildern), einem Restaurant in luftiger Hoehe mit einem phaenomenalen Ausblick ueber das naechtliche Osaka. Sitzen konnte man hier ebenfalls an "unterhoehlten" Tischen. Hier gab es ein offenbar auch relativ traditionelles japanisches Essen, mit Wintergemuese ("Wuazeln" aller Arten, wie der Westfale sagen wuerde, darunter auch Riesenradieschen - jedenfalls schmeckten die so), Tofu, Nudeln ... viele der Kollegen und Kolleginnen waren von mehreren der Gaenge weniger angetan, aber ich fand's gar nicht so schlecht. Andererseits auch nicht sooo toll. Am allerleckersten sind eben doch Sushi, Sashimi & Co.!

Am Mittwochabend hatte ich die Teilnehmer "meines" Workshops zum Abendessen eingeladen. Das war jetzt ein echtes japanisches Restaurant mit chinesischer (jawohl) Bedienung und keiner Aushoehlung unter dem Tisch, aechz! Keine Lehne und dann irgendwie im Schneidersitz sitzen, furchtbar! Das Essen war ja ganz in Ordnung, aber der Getraenkeservice ... zuerst hatten diverse Leute Orangensaft bestellt, da hiess es "wir haben leider nur noch zwei". Dann wurden doch mehr serviert; offenbar war jemand rasch zum naechsten Laden gelaufen und hatte Nachschub eingekauft. Der haette am besten auch gleich noch Rotwein mitgebracht, von dem es auch nur noch ein Glas gab, wie sich spaeter herausstellte, als der Kollege, der welchen bestellt hatte, gern ein zweites geleert haette. Und japanischen Tee hatten sie auch keinen, nur chinesischen (jawohl!), und den bestelle ich natuerlich nicht freiwillig. So hatten wir aber wenigstens viel Spass. Nur der japanische Kollege fuehlte sich etwas unwohl und meinte, sich 1000mal entschuldigen zu muessen, der Arme.

Am Donnerstagabend gab es dann im kleineren Kreis (7 Personen) Sushi in einer nicht hervorragenden, aber guten Sushibar. Das war jetzt das erste Etablissement, in dem man die Schuhe anliess. Besonders koestlich: buri (Bernsteinmakrele soll das sein, nie gehoert) und natuerlich der fette Thunfisch toro, der aus Gruenden der Hoeflichkeit otoro genannt wird. Interessant war auch der Heringsrogen am Stueck. Zum grossen Bedauern einzelner Anwesender war der uni (Seeigel) ausgegangen - schade, der soll, wenn frisch, auch phaenomenal gut schmecken. Vielleicht habe ich beim naechsten Besuch Gelegenheit, welchen zu probieren.

Auch gut fuer die alkoholtrinkenden Kollegen: das all-you-can-drink-Angebot. Das ist in Japan immer befristet, typischerweise auf 90 Minuten ab der ersten Bestellung. Nur aufgrund besonderer Kulanz wurden die Getraenke, die schon vor der eigentlichen Bestellung geordert worden waren, in dieses Angebot mit einbezogen. Und 10 Minuten vor Ablauf der Zeit kommt noch einmal jemand, verbeugt sich artig und weist hoeflich auf das bevorstehende Ende der Frist hin. Sauft!

Dienstag, 13. November 2007

Kyoto Cultural Tour

Uff, die Konferenz und "mein" Workshop waeren jetzt erstmal geschafft (so schrieb ich am Donnerstag, als ich diesen Post begann). Noch ein Tag "mih-ting", dann Heimflug zum superkurzen Heimspiel. Aber vorher muss ich ja noch mindestens von der K~ berichten. Das war wenig Kul, viel tour. 5 volle Stunden unterwegs fuer 40 plus 50 Minuten in zwei Tempeln - aber ich will ja nicht meckern. Wenn man nicht supergut eine Individualtour fuer sich selbst vorbereitet, hat man ja gar keine Chance, ueberhaupt irgendwas zu sehen. Insofern bin ich wirklich dankbar, dass man hier sowas fuer uns organisiert hat.

Der erste Tempel war der Sanjusangendo (hier gibt's ein paar nette Bilder). San ju san schreibt sich auf Japanisch mit den chinesischen Zeichen 三十三, was, wie man fast erraten kann, Dreiunddreissig heisst, aber auf Chinesisch san shi san (mit tonlosem i, das sich wie ein unbetontes e anhoert) gesprochen wird. Ich erlaube mir, aus dem Reisefuehrer zu zitieren: "Sanjusangendo ist eine lange Halle***, die 1266 anstelle der 1132 gegruendeten und vom Feuer zerstoerten Halle gebaut wurde (suedlich gegenueber dem Nationalmuseum von Kyoto). Die Halle wird so genannt wegen der dreiunddreissig Zwischenraeume von je einem Klafter (1,8 m) zwischen den Saeulen des Baues, der 119 m lang ist. Die Zahl 33 ist symbolisch fuer die 33 Stufen der Menschwerdung der Kannon. Hauptbild ist eine sitzende, tausendhaendige Kannon*** (2,4 m), die der beruehmte Bildhauer Tankei im Alter von 82 Jahren mit seinen Assistenten schuf. Die 1000 anderen Kannon-Figuren (1,7 m) sind das Werk von 70 verschiedenen Bildhauern." Die drei Sterne geben die Wertung unseres Reisefuehrers wieder. Kannon ist wohl so etwas wie Guan Yin, die buddhistische Verkoerperung der Barmherzigkeit. Unsere Fuehrerin, eine Studentin, die einem studentischen Arbeitskreis "Fuehrungen veranstalten" angehoert (ja, sowas gibt's da), betont aber nicht so sehr die Besonderheit der vielen Kannons, sondern vor allem die der 28 Waechterfiguren, die alle Nationalerbe seien. Die erste, der Donner, und die letzte, der Wind (oder Sturm) seien besondere Meisterwerke. Genau erklaeren, warum das so sei, kann sie allerdings nicht.

Obwohl ich die beruehmte Terrakotta-Armee noch nicht gesehen habe, fuehle nicht nur ich mich ein wenig daran erinnert angesichts dieser "endlosen" Reihen von Buddha- bzw. Kannonfiguren. Alle haben 11 Koepfe (einen normal grossen und 10 kleine, die daraus hervorwachsen) und einen Heiligenschein mit Radialstrahlen, die die Scheine ein bisschen nach Dornenkrone aussehen lassen.

Man muss uebrigens die Schuhe ausziehen, und fotografieren ist streng verboten. Ausser tausenden von auf Socken entlangschleichenden Touristen gibt es auch genuegend Beter, oft wird wohl auch beides kombiniert. Gebetsmoeglichkeiten gibt es auch viele - Raeucherstaebchen kaufen und anzuenden, Kerzen kaufen, beschriften und stiften (selber anzuenden oder mitnehmen auch streng verboten), duennere oder dickere Holzbrettchen kaufen, beschriften und stiften ...

Auf der Rueckseite der Kannon-Reihen wird zurueckgeschlichen. Da kann man noch lernen, dass es hier alljaehrlich einen Wettbewerb im Bogenschiessen gibt, an dem angeblich jetzt nur 20jaehrige Maedchen teilnehmen duerfen, und dass die Halle erdbebensicher gebaut ist. - Fuer den Garten haben wir dann nur noch 5 Minuten Zeit - einmal ganz von aussen um die Halle herumgehen, wie ich es im Hinblick auf mein spirituelles Wohlbefinden gern getan haette, ist nicht drin. Schade.

Wir fahren mit dem Bus weiter zum Kiyomizu-Tempel, der als Weltkulturerbe beschildert ist, wobei mir nicht ganz klar ist, ob hierzulande das Nationalerbe und das Weltkulturerbe immer so genau auseinandergehalten werden. ;-)) Jedenfalls herrscht nationaler Andrang, fuer den letzten Kilometer brauchen wir eine halbe Ewigkeit und beschliessen nach einem Viertel Ewigkeit, die letzten 500 Meter zu Fuss zu gehen. Hier haben wir etwa 50 Minuten Zeit - auch arg wenig, wenn man gern etwas gruendlicher guckt wie ich. Dann geht es schon zurueck zum Bus, durch die Ladenstrasse auf dem Weg zum Tempel, ueber die es im besagten Reisefuehrer folgendes zu lesen gibt:

"Meistens werden an den direkten Zugaengen zu den Tempeln und Schreinen Souvenirs aller Art und Esswaren angeboten. Das Angebot reicht von den lokalen Spezialitaeten bis zu den Produkten einer nationalen Kitschindustrie. Eine huebsche Ladenstrasse wie diejenige am Weg zum Kiyomizu-Dera ist eher etwas Seltenes. Sie ist bekannt fuer Toepferwaren. Man raeume sich etwas Zeit ein, denn vieles, was einem hier gefaellt, ist kaum anderswo zu haben."

Das ist dann der Moment, wo ich verstehe, warum die Reisefuehrerreihe irgendwann eingestellt wurde, obwohl ich damit meist recht gut klargekommen war. Das Buch ist von 1974 (10. Auflage 1992), und wurde von zwei Autoren geschrieben, die beide offenbar sehr gelehrt waren, Jahrgang 1917 bzw. 1918 - und die dann auch meinten, dass man ausser auf "Kultur" rechts und links auf nichts anderes zu sehen braeuchte. Wobei Kultur natuerlich immer nur mit Althergebrachtem zu tun hat und eigentlich nie mit Zeitgenoessischem.

Sonntag, 4. November 2007

Warum Reisen so schoen ist

Gestern bin ich in bewaehrter Manier mit dem Maglev gefahren, um theoretisch um 18 Uhr gen Osaka zu fliegen. Vorher war's etwas hektisch, weil ich die Kalligraphiestunde nicht ausfallen lassen wollte ... Und bloederweise hatte ich bei der Buchungsklasse nicht aufgepasst - Business, obwohl der Flug doch nur zwei Stunden dauert. Eigentlich nur 1:40 h. Irgendwie funktionieren hier unsere Prozesse nicht, es kann doch nicht sein, dass der oder die Reisende selber auf die Einhaltung der Reiserichtlinien achten muss. Schliesslich muss man das Geld nicht zum Fenster hinauswerfen, auch wenn es so zugegebenermassen sehr angenehm war. Ich war auch noch die einzige da vorne, da war der Service besonders prompt ... Irgendwie habe ich in der Hektik auch meinen Zip-Beutel mit dem Augengel und dem Lippenfett verloren, mittlere Katastrophe! Ich werde mal versuchen herauszubekommen, ob ich hier die Chance habe, irgendwo Vergleichbares zu erwerben. - Warum man mir eine Einladung fuer die Lounge an Ausgang 22 gegeben hat, obwohl mein Flug von Ausgang 34 gehen sollte, erschliesst sich mir auch nicht. Immerhin liegen dazwischen etwa 8 Minuten Fussweg, den ich dann viel zu frueh angetreten habe. Nicht, dass man mal irgendeine Info bekommt - das Boarding war etwa eine Stunde verspaetet! So musste ich noch fast genau so lange am Ausgang herumhaengen, das haette ich in der Lounge doch deutlich bequemer und angenehmer tun koennen. Na ja.

In Osaka angekommen, musste ich feststellen, dass es nicht immer von Vorteil ist, wenn das eigene Gepaeck einen Anhaenger "Business Class - Priority" bekommen hat: als ich zum Gepaeckband kam, sah ich meine zwei Stuecke noch gerade wieder wegfahren, sie hatten die erste Runde schon hinter sich. Ja, zwei Stuecke, wegen des Workshopmaterials - was das Gepaeck betrifft, ist diese Reise wieder ein Alptraum. Zwei kleine Koefferchen, eine Laptoptasche, eine reisevolle Handtasche plus eine "Kuenstlerrolle" zum Transport meiner Flipcharts. Ich komme mir vor wie ein Packschwein ... oder hiess das Packesel? Schliesslich ist noch Jahr des Schweins. Der Zoellner, dem ich ganz freundlich anbot, auch mal in mein Gepaeck zu sehen (nicht ohne dass er mich bis dahin schon ausfuehrlich zum Hintergrund meiner Reise befragt hatte, versteht sich), nahm dieses Scheinangebot doch tatsaechlich an, obwohl ich das Gegenteil bezweckt hatte, suchte sich lustlos einen aus, nahm das eine oder andere Teil in die Hand - ach ja. Sah mehr nach Beschaeftigungstherapie aus als nach halbwegs zielgerichtetem Filzen. Aber nun gut. Dann habe ich lange nach einem Geldautomaten gesucht, aber keinen gefunden. Ich ging also zu so einer Wechsel"stube", so sagt man wohl auf Deutsch (keine Ahnung, warum das ausgerechnet eine Stube ist und kein Zimmer oder Raum oder Saal), nur um mir da sagen zu lassen, dass sie nur Bargeld tauschen. Wenigstens konnte man mir erklaeren, wo ich den Automaten finden wuerde. Und das ganze Hin und Her selbstredend mit Sack und Pack ... und dann mit demselben Sack und Pack zur Bushaltestelle No. 5, an der die "Airport-Limousine" (ein Bus halt, keine Ahnung, warum der Limousine genannt wird) abfaehrt. Die letzte in 3 Minuten, zu Hilfe! Ich musste ja erst noch ein Ticket am Automaten loesen - aber das hat wenigstens geklappt.

Auf dem Weg zum Bahnhof von Osaka ging es erst durch ziemlich grosse petrochemische Anlagen und dann offensichtlich am Yachthafen vorbei, denn da gab es nicht nur viele Yachten, sondern auch immer wieder grosse Wasserflaechen zu sehen, bis wir am Ende die Stadt erreichten. Die Strasse, hier auch auf "Stelzen", beginnt dann durch ein Haeusermeer zu fuehren, das bis ganz nah an sie heranbrandet. Das muss doch in den Haeusern den Eindruck erwecken, dass die Strasse fast durchs Zimmer fuehrt, schrecklich! Selbst an der Yan'an Elevated Road in Shanghai stehen, bis auf einige Ausnahmen, die Haeuser in einer gewissen "Schon-Distanz". - Nach deutlich weniger als einer Stunde (die angegebenen 60 oder 70 Minuten ziehen vermutlich das durchschnittliche Verkehrsaufkommen in Betracht) sind wir am Hotel Hankyu, oder so aehnlich, angekommen. Von dort kann man dann ein Taxi zum Hotel nehmen (also nun mit Sack und Pack ein Taxi suchen), das ist nicht mehr weit und daher nicht mehr teuer. Aber da ein Taxi vom Flughafen fast das Zehnfache der Fahrt mit Airport-Limousine plus Taxi fuers letzte Stueck kostet, nimmt man den Aufwand ja in Kauf. Fast direkt neben der Bushaltestelle ist der Taxistand, jedenfalls sah ich da Taxen in langer Reihe stehen. Statt dass ich Depp mir gleich das erste (das letzte der Schlange) nehme, denke ich natuerlich, dass an einem geordneten Taxistand jeweils das erste (das erste der Schlange) den naechsten Kunden bekommt - und gehe ewig lang an der besagten Schlange entlang, nur um festzustellen, dass das vordere Ende wegen eines Gitters gar nicht zugaenglich ist - also wieder Kommando zurueck bis zum ersten zugaenglichen. Man kann sich schon manchmal selbst im Weg stehen ...

Jedenfalls war ich dann um kurz vor elf im Hotel oder vielleicht sogar schon in meinem Zimmer fuer die naechsten 6 Naechte. Aus dem 16. Stock kann man ueber eine Betonwueste blicken, aus der auch nicht wenige hoehere Gebaeude hervorragen. (Ist ja hervorragend.) Ich war ziemlich muede und fiel daher fast sofort ins Bett. Allerdings musste ich vorher noch erst die Konferenzgeschenke auspacken, ein Buechlein ueber Japan im "Namen, Zahlen, Fakten"-Stil, das auf 160 Seiten alle (wirklich alle) Aspekte von Wissenswertem ueber Japan beleuchtet, von Geografie und Natur ueber Geschichte, Regierung und Diplomatie, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur un' dat Laaeeve an sisch (jawohl, das letzte Kapitel heisst Culture and Life). "... wir seh'n betroffen das Buechlein zu und keine Fragen offen." Aber - ganz Gallien? Nein. Es gibt ein kleines Dorf in der Bretagne - ich habe in dem besagten Buch nichts ueber Raku-Keramik gefunden. Aha! Doch eine Luecke! - Auf dass es nicht nur bildend, sondern auch erfreulich sei, bekommen wir noch einen Faecher - samt Erklaerung, dass das kein Teezeremonie- und kein Hochzeits-, sondern ein Tanzfaecher ist. Jawohl, kein Faecher (ogi) einer Kategorie waere fuer einen anderen Anlass passend. Manche sind vielleicht noch komplizierter als ich. ;-)))) Ich hoffe ja nur, dass mit dem Schenken des Faechers nicht die implizite Aufforderung verbunden ist, ihn im Rahmen der Konferenz fuer eine Tanzauffuehrung zu benutzen ...