Wie schade, unser letzter Urlaubstag ist angebrochen ... aber ein ganz kleines bisschen freue ich mich ja auch auf zu Hause. Aber einen ganzen vollen Tag haben wir erst noch, fliegen wir doch erst heute oder genauer morgen Nacht mit dem letzten Flug nach Shanghai, der um 1:40 Uhr starten wird. Da koennen wir uns ganz in Ruhe um 22 Uhr zum Flughafen bringen lassen und haben dann dicke Zeit. Da der Abend also lang wird, lassen wir es morgens ruhig angehen. Im Nipah Coffeeshop fruehstuecken wir diesmal ohne Begleitung sonnenbebrillter Haremsherren.
Da wir heute "fuehrerlos" unterwegs sind und ein bisschen abenteuerlustig, nehmen wir nicht einfach ein teksi (einfach so aussprechen, wie's da steht, dann weiss man, was das ist) sondern fahren monorel (dito). Wir wollen gern erst noch einmal zum Unabhaengigkeitsplatz und gucken, wie der jetzt ohne die ganzen Aufbauten aussieht. Aber dazu muss man umsteigen, und bei der Gelegenheit koennen wir feststellen, dass das innerstaedtische Verkehrsnetz nicht so ganz aus einem Guss ist - fuer diese Fahrt brauchen wir zwei Tickets. Jeder, versteht sich. Und wenn man zu zweit faehrt, ist es fast genau so teuer wie ein Taxi, woraus man umgekehrt ableiten kann, dass die Taxipreise vielleicht nicht ganz gerecht (buoah, brech - wo bleibt denn da die Gerechtigkeit??) sind. Aber egal - wir landen an der Masjid Jamek, dieser huebschen kleinen alten Moschee am Zusammenfluss der zwei Fluesse unweit vom Merdeka Square, die wir schon besichtigt hatten. Aus der Bahnstation heraus hat man einen ganz netten Ueberblick von leicht erhoehter Warte.
Das Wetter ist nicht supertoll, aber ein paar Bilder vom Merdeka Dataran, also dem Independence Square, kann man schon machen. Ich will noch ein paar Postkarten schreiben (ist ja schliesslich langsam die letzte Gelegenheit ;-)) ) und denke, ich koennte im kleinen Geschichtsmuseum am Ende des Platzes welche kaufen - das kann man doch wohl in jedem ordentlichen Museum. Aber erstens sagt mir der Waechter, dass es keine Postkarten gibt, und zweitens darf ich das Gebaeude gar nicht betreten, weil ich ja meine Wasserflasche dabei habe. Na dann ... gehen wir halt zum Central Market, dieser Jugendstil-Markthalle, die heute zahlreichen Souvenir- und Kunsthandwerkslaeden und einigen Restaurants und Imbissen eine Heimat bietet. Da gibt's natuerlich Postkarten, so dass ich einige erwerbe. Ich denke, es ist eine gute Idee, einen schoenen Kaffee zu trinken und dabei schnell mal eben die Karten zu schreiben. Also gehen wir in ein Etablissement namens Old Town White Coffee und bestellen einen solchen. Da sagt uns die Bedienung doch wirklich, der Kaffee sei aus, wir koennten aber statt dessen einen Apfelsaft haben. Was denken die denn wohl?? Leicht empoert und mit Bedauern verlasse ich das Lokal. Leider laesst sich in der naeheren Umgebung kein weiteres Café ausfindig machen, so dass wir uns doch tatsaechlich ein Getraenk bei McDoof kaufen muessen. Nae, nae ...
Dann geht's zur Post, die Karten auf den Weg bringen. Von dort finden wir irgendwie einen Weg zur Nationalmoschee mit dem Faltschirmdach, und damit sind wir ja schon fast in den Lake Gardens. Wir muessen uns nur den Huegel hocharbeiten. Waehrend wir gerade oberhalb des Vogelparks sind, der aussieht, als ob eine riesige Spinne hier ihren Vorrat eingesponnen hat (den Eindruck machen die Netze der Volieren), und unterhalb eines Miniatur-Stonehenge (keine Ahnung, was das soll), beginnt es nicht zu regnen, sondern zu schuetten. Igitt! Burkhard packt ein Regencape aus, ich beschliesse, dass mir der Schirm reicht, wenn wir nicht gehen. Es haelt auch gar nicht furchtbar lange an, so dass wir kurz darauf weiter gehen koennen zum Eingang des Vogelparks. Aber hineinzugehen, dazu fehlt uns irgendwie der Elan - sind ja bloss dumme Voegel. Meinetwegen auch schlaue, aber es bleiben Voegel. Ein Schweinepark waere ja was anderes gewesen, aber so ... kaufen wir uns bloss ein Eis am Stiel und essen es schnell auf: Eis am Stiel hat in tropischen Laendern gewisse Tuecken. Eigentlich ist das ja sowieso der Wahnsinn, in diesem Klima draussen an den Verkaufsstaenden einfach solche Tiefkuehltruhen aufzustellen ... die muessen doch Strom fressen ohne Ende.
Statt dessen ueberqueren wir einfach die Strasse und befinden uns am Eingang zu den Orchideen- und Hibiskusgaerten, die man wochentags kostenlos betreten darf. Ein ganz schoener Garten mit Aussicht ueber die Stadt und auf die Tuerme ist das. Schade nur, dass der Himmel so grauweiss ist. Wir stellen auch fest, dass wirklich ein bisschen die Luft raus ist ... und dass der Garten noch schoener waere, wenn es darin ein Parkbank gaebe, denn auf einer steinernen Beeteinfassung zu sitzen ist einfach ein bisschen unbequem.
Nachdem wir genug Blumen gesehen haben, suchen wir einen Ausweg - aeh, -gang - durch den Hibiskusgarten. Sicher erwaehnte ich schon mal, dass der Hibiskus die Nationalblume Malaysias ist. Auf einer Tafel kann man dort nachlesen, dass nach seiner Unabhaengigkeit Malaysia auch das Beduerfnis nach einer Nationalblume verspuert hat - komisch, fuer Deutsche ist dergleichen offenbar fremd. Die Regierung hat dann Vorschlaege aus den Provinzen eingesammelt und hatte am Ende eine Vorschlagsliste mit 7 Elementen. Die Westkuestler gaben einer Blume, die Ostkuestler einer anderen den Vorzug - weshalb die Zentralregierung in einer weisen Entscheidung keine von beiden ausgewaehlt hat, sondern eben den Hibiskus, auch wenn Jamaica, Hawaii u.a.m. schon dieselbe Idee vorher hatten.
Wir finden schliesslich einen Ausgang aus dem jetzt am Spaetnachmittag ziemlich menschenleeren Garten, in dem nur noch ein paar Affen ihr (Un)Wesen treiben, und ueberlegen uns, nochmal zu den Petronas Towers zu fahren, um dort auch irgendwo etwas zu Abend zu essen. Wunderbarerweise kommt auch auf der fast genau so leeren Strasse ein Taxi des Wegs, das auch bereit ist, uns mitzunehmen. Der Taxifahrer traegt so ein muslimisches Kaeppi und schaltet, o Wunder, gleich das Taxameter ein. Das ist uns ja noch nie vorgekommen hier! Als wir das mal mit Mr Badrul diskutiert hatten, wusste er von der hiesigen Debatte zwischen Taxifahrern und Regierung zu berichten. Die Taxifahrer wollen, dass die Taxipreise angehoben werden (s.o. - es ist hier wirklich ziemlich verdaechtig billig), wozu sich die Regierung erst durchringen will, wenn die Taxifahrer ehrlich werden. Dabei kann man verstehen, dass es sich bei den Preisen und den Kosten fuer ein Taxi unter Umstaenden einfach nicht lohnt, Fahrgaeste durch den Feierabendverkehr 2 oder 3 km zu fahren, wenn das mindestens eine halbe Stunde dauert ... So lange dauert es auch wirklich, bis wir an den Petronas Towers ankommen, und viel mehr als 3 km sind das bestimmt nicht. Das kostet dann - ich weiss es schon gar nicht mehr, jedenfalls definitiv unter 20 Ringgit. Da wir noch relativ viel Bargeld haben, geben wir ihm 50 und lassen uns nichts zurueckgeben, als Anerkennung fuer die Ehrlichkeit. Da hat er sich auch ehrlich gefreut! Es sei ihm von Herzen gegoennt!
Wir spazieren ein bisschen durch den KLCC-Park hinter den Tuermen. Hier sind also die ganzen Leute! Man haengt herum, guckt den Wasserspielen zu, fotografiert sich und andere mit den Zwillingstuermen und wartet darauf, dass es Zeit zum Fastenbrechen wird. Wir tun dasselbe und suchen dann ein schoenes Restaurant in der schicken Shopping Mall, wo wir uns fuer ein sundanesisches (watt nich' alle jibt!) entscheiden. Wir essen Fisch - der frittierte "tanzende" Fisch ist wirklich spektakulaer. Da werden die Filets zu beiden Seiten von der Mittelgraete geloest, aber der Kopf bleibt dran. Das ganze wird in einen leichten Teig getunkt und dann frittiert, wobei sich die Filets so ein bisschen aufrollen. Der ganze goldbraune Fisch wird dann auf einer Platte angerichtet, wobei er i.W. auf der Unterseite des Kopfes steht, und so aufgetragen - diese "Darreichungsform" ist schon was Besonderes. Er scheint wirklich zu tanzen. Schmecken tut's wie gebackener Fisch, dazu gibt es eine leckere Sauce und Reis - nicht uebel. Ich gehe dann noch zum Dessertbuffet, das es anlaesslich des Ramadhan gibt. Ich probiere nur von einigen Desserts und immer nur einen Happen, aber hinterher bin ich trotzdem pappsatt ... aber noch fit genug, um in ein Buchgeschaeft zu gehen. Anders als in China kann ich hier die meisten Werke lesen - oder ich habe den grossen Bereich mit den malaysischen Werken gar nicht erst gefunden. Ich kaufe zwei Buecher aus der Abteilung Chinesische Geschichte, und dann ist es so langsam Zeit, zum Hotel Equatorial zurueckzugehen.
Wir holen unser Gepaeck aus der Aufbewahrung, und Mr Badrul, seine letzte Tat fuer uns, faehrt uns zum Flughafen. Oder seine vorletzte: er muss ja noch bei seinem naechsten Besuch bei den Orang Asli unsere Fotos ueberreichen, an denen er uebrigens auch Gefallen gefunden hatte. Ich denke, da koennen wir uns auf ihn verlassen.
Der Flug ist ziemlich leer, und der Service irgendwie bloed. Nach dem Start wird ein Essen serviert (als ob irgendwer mitten in der Nacht essen wollte), aber vor der Landung um 7 Uhr morgens gibt es dafuer kein Fruehstueck. Also krieg' ich gar nichts zu essen, was andererseits nicht weiter schlimm ist, weil ich ja ein reichliches Abendessen hatte - Fruehstueck hilft halt nur beim Frischwerden. Ich hatte ja ein bisschen geschlafen, dank meines neuen mp3-Players von der ruhigen Stimme des Sprechers eingeschlaefert, der mich zum Entspannungstraining nach Jacobson anleiten will, aber dem das nie gelingt, weil ich immer dabei einschlafe ... Nicht dass es so richtig bequem waere, aber es ging wirklich einigermassen.
Jedenfalls landen wir puenktlich, Ding Shifu ist auch da, um uns abzuholen, und ich bringe dann schon mal die Sachen hoch, waehrend Burkhard noch kurz zum Lotus faehrt, um ein bisschen was fuers Fruehstueck und die naechsten Tage einzukaufen. Schon gegen 9 Uhr koennen wir dann unser Fruehstueck nach eigenem Gusto zu uns nehmen, das ist ja auch schoen - vielleicht sogar schoener als ein zweifelhaftes Airline Economy Class Breakfast. Danach haben wir uns noch ein bisschen hingelegt ... und ab Mittag geht dann das Leben wieder seinen gewohnten Gang im home mode, dem Zuhause-Modus.
Jaja, ich weiß, manche/r hätte gern mehr Fotos aus Shanghai und von unterwegs gesehen ... insgesamt sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren ca. 45.000 Stück entstanden. Aber das hat man eben nur zum Teil meiner Faulheit zu verdanken - zu einem mindestens genau so großen Teil der chinesischen Regierung mit ihrer "great firewall". Hoch lebe das freie Internet!
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Wenn ich es schaffe, gibt es hier übrigens auch noch Updates, und zwar aus den bisher unveröffentlichten Reisetagebuchnotizen.
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Sonntag, 7. Oktober 2007
Samstag, 6. Oktober 2007
Donnerstag, 13. September 2007: Zheng He-Museum und Putrajaya
Hm, na sowas! Heute ist schon unser vorletzter Urlaubstag - aber den koennen wir wenigstens noch einmal mit einem Fruehstueck im Hof des Hotel Puri beginnen, bevor wir wieder nach "Ke-i-Ell" (lies: Kuala Lumpur fuer Coole) zurueckkehren. In dem Hof gibt's ausser Tischen, Stuehlen und dem Springbrunnen auch noch einen ueberdimensionalen Blumenkuebel aus glasierter Keramik, goldbraun, gut huefthoch und fast so dick wie hoch. Dieser Kuebel dient als Goldfischbecken und ist dementsprechend fast randvoll mit Wasser. Waehrend ich mit Appetit eine Scheibe Brot mit Eiern sunny side up verzehre (also Spiegeleier - "die hoise so!" - ich bin jedesmal angetan von diesem froehlichen Fruehstuecksausdruck), beginnt das Wasser ploetzlich wie aus sich selbst heraus ganz sachte zu schwappen, d.h. die Oberflaeche beginnt quasi entlang einer gedachten Topfdurchmesserachse auf und ab zu kippen. Und dann etwas mehr - bis das Wasser fast ueberschwappt! Zu Hiiilfe! Gespenster! Ich mutmasse, dass alle Fische in einer konzertierten Aktion "mit Schmackes" auf eine Seite geschwommen sind, vielleicht in einer selbstmoerderischen Verzweiflungstat, um dem Kuebel zu entkommen ... aber Burkhard will diese ueberaus plausible Vermutung nicht gelten lassen. Hm. Wer nicht an Gespenster glaubt, dem faellt jetzt ein Erdbeben ein - aber es ist definitiv nichts zu spueren. Seltsam. Nach zig Sekunden hoert das Schwappen wieder auf. Leicht angefressen beenden wir unser Fruehstueck. Die zahlreichen Schwalben, die in einer der Hallen des Hotels nisten, sind um diese Zeit meistenteils ausgeflogen.
Nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt und ausgecheckt haben, treffen wir Mr Badrul wieder, der uns jetzt gleich nach KL gefahren haette, haetten wir uns nicht gewuenscht, erst noch das Zheng He-Museum zu besichtigen. Wir hatten naemlich so ein Flugblatt darueber gesehen und es irrtuemlich mit der Zheng He-Galerie im Stadthuys "velwechsert". (Jaja, manche Leute meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum! Wusste schon Ernst Jandl, wie in seinem Gedicht "lichtung" belegt.) Dieses Museum ist ziemlich gross und befindet sich auf 4 Etagen (eigentlich nur 3) in einem labyrinthischen Gebaeudekomplex, der m. E. aus mehreren einzelnen Haeusern irgendwie zusammengewurstelt ist. Ich hatte naemlich gestern auf der Jonker Street den Eingang zum Zheng He-Teehaus gesehen, das zum Museumskomplex gehoert. Der eigentliche Eingang ist aber nicht auf der Jonker Street, sondern ein Stueck weiter auf der naechsten Querstrasse, wobei das Eckgebaeude selbst wohl nicht dazu gehoert. Aha!
Dieses Museum macht die Enttaeuschung, die die besagte Galerie hervorgerufen hatte, mehr als wett. Es ist natuerlich auch fuer malaysische Verhaeltnisse ganz schoen teuer: 20 Ringgit pro Nase - happig! Aber hier gibt es mehr zu sehen und zu erfahren, als man aufnehmen kann - wie sich das gehoert. Und der "Stoff" ist multimedial aufbereitet, wie sich das heutzutage fuer ein ordentliches Museum gehoert. Mit Fotos, Texttafeln, Modellen, typischen Museumsstuecken, einem Videosaal, einem Puppenspiel und eben dem besagten Teehaus. Angefangen von Fotos, auf denen die Staetten abgebildet sind, an denen dem Eunuchen und Admiral heute Achtung gezollt wird, wie z.B. sein Grab in Nanjing (dabei ist er seebestattet worden, eben standesgemaess fuer einen waschechten Seefahrer, der natuerlich unterwegs in Ausuebung seines Berufs verstorben ist), ueber Fotos von seinen zahlreichen Nachkommen in allen moeglichen Laendern, die offenbar regelmaessig Familientreffen veranstalten, ueber alte und zeitgenoessische Gegenstaende aus dem Alltagsleben, Kammern mit Vorraeten etc., wie sie auf den Schiffen haetten sein koennen, ueber Karten seiner Reisen und Modelle der Schiffe, ueber Infotafeln zum Stand der Wissenschaft und Technik, die recht weit entwickelt waren, um solche Expeditionen auszustatten und durchzufuehren (ich sage nur Wasser- und Farmschiffe), bis zu und - und - und - hier bleibt fast keine Frage offen, bis auf die, weshalb China nach Zheng He beschlossen hat, das Seefahrt Teufelszeug ist und das Heil in der Landwirtschaft liegt. Das kann und kann ich einfach nicht begreifen. Und natuerlich laesst sich trefflich spekulieren, welchen sicher voellig anderen Gang die Weltgeschichte genommen haette, waere China weiterhin auf den Weltmeeren unterwegs gewesen. Seeeehr interessant!
Als aufmerksame/r Leser/in konnte man eben ueber die Nachkommen des Eunuchen stolpern - aber dafuer gibt es eine ganz einfache Erklaerung, die besagt, dass der erfolgreiche Admiral entweder seinen aelteren Bruder oder dessen Sohn (ich habe beide Varianten gelesen) adoptiert hat - fertig. Das ist uebrigens auch sowas - in der guten alten europaeischen Kultur scheint es doch wohl eher undenkbar, dass ein "halber Mann" ein ganzer Kerl und Admiral sein kann, oder liegt das bloss an dem mir vermittelten Geschichtsbild, das die natuerliche Ueberlegenheit der Testosterongesteuerten belegen will??
Wie auch immer - nicht, dass das Museum nur doziert, es hat auch Platz fuer Kunst. In freien Raeumen koennen zeitgenoessische Kuenstler fuer wenig Geld ausstellen, so gibt es z. Zt. eine Kalligraphieausstellung (natuerlich chinesische Kalligraphie). Das Dach, das hier als vierte Etage bezeichnet wird, beschert uns Ausblicke unter teilweise blauem Himmel ueber die Daecher von Alt-Melaka, auf die gruenen Schindeln der Kampung Kling-Moschee und bis auf den roten Platz. Alles in allem finde ich das sehr gut gemacht und sein Geld wert.
Nach etwa 2,5 Stunden gucken, lesen, staunen glauben wir, genug gesehen zu haben, inklusive Videovorfuehrung und Puppenspiel. Die vollautomatisch ablaufende Puppenshow mutet etwas seltsam an, es handelt sich um Pappkameraden und -kulissen, die auf Schienen in mehreren Ebenen hin- und herbewegt werden. Ein automatischer Erzaehler erzaehlt eine Superkurzfassung des Lebens von Zheng He, wobei man merkt, dass der Texter von der Vorstellung einer Kastration nachhaltig schockiert war ... schmunzel.
Bevor wir abfahren, muessen wir uns nach der "Strapaze" noch mit chinesischem Tee staerken. Das Besondere daran, die chinesische Tee-Plemperzeremonie, wie das bei mir heisst, war fuer uns natuerlich nicht mehr so richtig spannend, aber egal ... dafuer koennen wir zwei Happen Mondkuchen probieren, denn jetzt hat ja die Mondkuchensaison begonnen. Nachdem man allenthalben lesen kann, dass an den Dingern vor allem die Verpackung zaehlt und sie gar scheusslich schmecken, war ich ja auf das Schlimmste vorbereitet - dabei kann man die gut essen, zum Tee. Nicht, dass man dafuer meilenweit gehen muesste, aber wegzurennen braucht man auch nicht. Der allerdings etwas geschmacklose Teig ist mit einer Paste (Nuss/Bohnen?) gefuellt, die leicht suess und nicht unangenehm schmeckt.
Um kurz vor 12 Uhr mittags sind wir dann soweit. Am Ausgang muessen wir noch ein bisschen mit den nicht mehr blutjungen chinesischen Museumswaerterinnen plaudern, die die falsche Frage gestellt haben, die hier jeder stellt, um einen Smalltalk zu beginnen: "Where are you from?" Mit diebischem Vergnuegen beantworten wir das regelmaessig und wahrheitsgemaess mit "From China", was besonders bei Chinesen, aber auch den meisten anderen zu Gesichtsausdruecken fuehrt, die man haette sammeln sollen. Von mildem Hab-ich-mich-verhoert? ueber haeh??!? zu leiser Empoerung à la Wollen-die-mich-verarschen? ist alles dabei. Chinesen befragen einen dann typischerweise als naechstes nach den Sprachkenntnissen, und hier steigen wir jetzt in tiefere philosophisch-linguistische Betrachtungen ueber Mandarin und Shanghainese ein ... damit koennen wir die "golden girls" immerhin ein bisschen darueber hinwegtroesten, dass wir jetzt leider keinerlei Souvenirs mehr kaufen wollen.
Dann fahren wir aber wirklich endlich ab. Zum Abschied von Melaka stehen drei Tuerme am Strassenrand fuer uns stramm, ein malayischer, ein hinduistischer und ein chinesischer. Manchmal kommen die aber auch auf komische Ideen in diesem Land ... Da hier an der Westkueste und in relativer Naehe zur Hauptstadt die Strassen zahlreicher und besser ausgebaut sind als im Rest des Landes, kommen wir schon um kurz vor zwei Uhr nachmittags in Putrajaya (Link englischsprachig) an. Das ist eine Reissbrettstadt, die angeblich "das neue Malaysia" visionaer darstellen soll. Oder so. Dahin zieht sich die Regierung aus dem ueberfuellten Kuala Lumpur zurueck, d.h. hier gibt es vor allem Ministerien, Behoerden u. dgl. m.. Und einen neuen Koenigspalast gibt es vorsichtshalber auch schon mal. Ich persoenlich finde die Vision aber "nit so doll". Sieht aus wie sowjetische Prunkarchitektur, arabisch angehaucht. Die Strassen und Plaetze sind gross und breit und genauso menschenunfreundlich wie die Kloetze. Da helfen auch die Arabesken nicht. Und wo doch in Malaysia sonst immer (s. die drei Tuerme an der Einfallstrasse nach Melaka) Multi-Kulti betont wird, finde ich es ein bisschen ueberraschend, dass die muslimischen Architekturelemente hier so dominant sind. Insbesondere am Justizpalast ... wollen die demnaechst wieder die Scharia einfuehren?? Dann ist mir doch Pudong lieber - da sind auch riesige Gebaeude und breite Strassen, aber insgesamt wirkt es sowohl visionaerer als auch menschlicher.
Aber bevor wir ueberhaupt zu den ganzen Regierungsgebaeuden kommen, erzaehlt uns Mr Badrul bei unserem Halt am Zaun des Koenigspalasts von einem ernsthaften Erdbeben, das sich gestern vor Sumatra ereignet habe. Man habe es bis nach Malaysia und Singapur spueren koennen, und Nachbeben gaebe es auch - hm, das stuetzt meine Fischverzweiflungstat-Hypothese nicht gerade ...
Wie auch immer, wir fahren noch ein paar Meter weiter und gelangen zu einem um diese Zeit menschenleeren Park mit einer Skulptur aus blankem Stahl in Form einer ueberdimensionalen malayischen Kopfbedeckung ... na ja. Ansonsten hat man von hier einen ersten Blick auf eins der riesigen Gebaeude mit einer grossen Kuppel, das sich dann als Sitz des Premierministers entpuppt, und natuerlich auf eine Moscheenkuppel. Hm. Interessanter ist da schon der kleine Megalith-Park, in dem ein kleines Megalithfeld praesentiert wird, dazu Informationen ueber Megalithen in Malaysia, die offenbar nicht so alt sind, wie man denken koennte: bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden sie hier aufgestellt! Ausserdem gibt es Repliken der batu hidup, die (mir voellig unverstaendlich) anders als im Originalzustand aufgestellt sind. Warum macht man denn so was?? Und die Repliken sind nicht mal gut gemacht. Dabei machte sonst alles nicht gerade den Eindruck, dass man haette sparen muessen ...
Als naechstes haben wir auf dem riesigen Platz vor der Moschee Halt gemacht. Wir versuchen, in die Moschee zu gehen, aber da werden irgendwelche Dinge vorbereitet: heute ist der 1. Tag des Ramadhan. Wir koennten gegen viertel vor drei wiederkommen und dann kurz hineinschauen, bevor sie dann definitiv fuer nicht-betende Besucher geschlossen wird. Wir gehen alldieweil auf die Esplanade am kuenstlichen Fluss (sic!) und suchen ein Café auf, um einen kleinen Imbiss zu uns zu nehmen. Horden von Schuelerchen (und "Schuelerinnenchen", versteht sich) beleben das Ganze ein bisschen. Und essende und trinkende Chinesen findet man auch - in streng muslimischen Landstrichen wuerde es im Ramadhan tagsueber gar nicht erst etwas geben, wo man Essbares zu sich nehmen koennte ... Leider dauert es ein bisschen zu lange, aber ich habe auch schon gar keine Lust, noch wieder als Zaungast in die Moschee zu gehen. Wir machen statt dessen noch eine kleine Stadtrundfahrt durch die oben beschriebene Klotzlandschaft. Von einer der zahlreichen Bruecken, die wohl mehr zur Illustration malaysischer Architektentraeume und Baukuenste dienen als zu praktischen Zwecken, hat man aber einen schoenen Blick auf die Moschee, ueber das Wasser hinweg. Ja, genau so stelle ich mir eine Fata Morgana vor! Ich weiss zwar nicht, warum - aber genau so isses.
Wir haben rasch genug gesehen und fahren zurueck nach KL. Nach ziemlich heftigem Stau wegen des Erster-Tag-des-Ramadhan-Feierabends landen wir wieder im Hotel Equatorial, wo wir schon die ersten Naechte verbracht hatten. Wir machen uns ein bisschen frisch und gehen dann gleich los zum Fernsehturm, dem Menara KL, um dort die Daemmerung und Nacht zu erleben. (Natuerlich die letztere nicht ganz.) Der Turm liegt auf dem Ananashuegel, dem Bukit Nenas, mitten in der Stadt. Der Huegel ist ganz schoen steil - da nehmen wir den kostenlosen Shuttle-Service doch gern in Anspruch. Wir haengen dann ganz schoen lange da oben herum, denn diese Ausblicke bei Daemmerung haben ja was. Und das Bild aendert sich staendig. Und man kann hier die Petronas Towers schoen von der Seite sehen - die fangen auch frueh mit ihrer Beleuchtung an. Um 19:10 Uhr gibt es eine Ansage, dass irgendwelche Schalter jetzt 20 Minuten wegen Fastenbrechens geschlossen haetten, wir bitten um Ihr Verstaendnis ... na ja. Insgesamt habe ich nicht soviel Verstaendnis fuer die Ramadhan-Regeln. Fasten ist ja gut, aber dann jeden Abend ein Gelage veranstalten? Und dass man tagsueber gar nichts trinken darf, auch kein Wasser, halte ich schlichtweg, insbesondere in tropischen Laendern, fuer gesundheitsschaedlich. Dass man auf Milch, Saft, Bier und andere alkoholische Getraenke verzichtet, ist ja in Ordnung. Aber auf Wasser?? Aber mir soll's recht sein, solange das keiner von mir verlangt. Mr Badrul nimmt es mehr als eine vorgeschriebene Uebung der Willensstaerke - auch gut.
Im Turm sehen wir uns noch einen Film "Making of" an. Fuer diesen Turm wurde monatelang ununterbrochen Beton gegossen, unvorstellbar! Ebenso unvorstellbar: mit Kosten von 430.000 Ringgit, also fast 100.000 Euro, wurde waehrend des Baus ein 100 Jahre alter Baum konserviert, der jetzt noch froehlich am Fusse des Turms steht und gedeiht. "To ensure ecological harmony", heisst es, um die oekologische Harmonie zu garantieren. Es scheint also Leute zu geben, die noch harmoniesuechtiger sind als ich. Aus meiner Sicht haben die echt Glueck gehabt, dass er hinterher nicht einfach sang- und klanglos eingegangen ist, der Baum ...
Nachdem wir wieder auf dem Boden des Ananashuegels angekommen sind, an dem es noch ein kleines Stueck Regenwald mitten in der Stadt gibt, lungern wir noch ein bisschen auf der Brunnenesplanade herum. Ich experimentiere mit den manuellen Einstellungen meiner Kamera. Am Ende der Esplanade steht eine riesige "Laermwand" - und ploetzlich kommt da ohne jede Vorwarnung ein unglaubliches Getoese heraus! Zu Hilfe! Da kriegt man ja fast einen Herzinfarkt vor Schreck, denn die Anlage ist offenbar nicht nur fuer die Beschallung der Esplanade ausgelegt. Da sollen vielmehr wohl auch die umliegenden Stadtgebiete noch was von haben. Heraus droehnen diese malaysischen Unabhaengigkeitsschlager - ja, sowat jibbet hier. Und dazu gibt es eine light show, die den KL Tower in bunten Farben erstrahlen laesst. Hach, ist das schoen bunt!
Danach ist es schon relativ spaet. Wir teilen uns ein Shuttle mit ein paar chinesischen Jugendlichen, die sich extra unseretwegen zu viert auf drei Plaetze quetschen: das ist aber nett. Sie stellen auch wieder die unvermeidliche Frage, und wir geben die unvermeidliche Antwort, grins ... unten angekommen, duerfen wir dafuer auch mit ihnen fuer ein Foto posieren. Oder soll ich muessen sagen? Ein bisschen genoetigt werden wir schon.
Mit den Restaurants sieht es im Viertel um das Hotel Equatorial ja nicht so toll aus, das hatten wir ja schon in den ersten Tagen unseres Urlaubs festgestellt. Hier gibt es mehr so laermige Bars, zum Teil mit Tuersteher ... o je. Die servieren wohl auch Essbares, aber wenn man sein Essen auf dem Teller nicht mal theoretisch hoeren kann ... Aber halt, da war ja noch die Sushibar. Na gut - wir essen also Sushi & Co., das ist zwar nicht besonders malaysisch, aber schmeckt ja immer gut.
Nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt und ausgecheckt haben, treffen wir Mr Badrul wieder, der uns jetzt gleich nach KL gefahren haette, haetten wir uns nicht gewuenscht, erst noch das Zheng He-Museum zu besichtigen. Wir hatten naemlich so ein Flugblatt darueber gesehen und es irrtuemlich mit der Zheng He-Galerie im Stadthuys "velwechsert". (Jaja, manche Leute meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum! Wusste schon Ernst Jandl, wie in seinem Gedicht "lichtung" belegt.) Dieses Museum ist ziemlich gross und befindet sich auf 4 Etagen (eigentlich nur 3) in einem labyrinthischen Gebaeudekomplex, der m. E. aus mehreren einzelnen Haeusern irgendwie zusammengewurstelt ist. Ich hatte naemlich gestern auf der Jonker Street den Eingang zum Zheng He-Teehaus gesehen, das zum Museumskomplex gehoert. Der eigentliche Eingang ist aber nicht auf der Jonker Street, sondern ein Stueck weiter auf der naechsten Querstrasse, wobei das Eckgebaeude selbst wohl nicht dazu gehoert. Aha!
Dieses Museum macht die Enttaeuschung, die die besagte Galerie hervorgerufen hatte, mehr als wett. Es ist natuerlich auch fuer malaysische Verhaeltnisse ganz schoen teuer: 20 Ringgit pro Nase - happig! Aber hier gibt es mehr zu sehen und zu erfahren, als man aufnehmen kann - wie sich das gehoert. Und der "Stoff" ist multimedial aufbereitet, wie sich das heutzutage fuer ein ordentliches Museum gehoert. Mit Fotos, Texttafeln, Modellen, typischen Museumsstuecken, einem Videosaal, einem Puppenspiel und eben dem besagten Teehaus. Angefangen von Fotos, auf denen die Staetten abgebildet sind, an denen dem Eunuchen und Admiral heute Achtung gezollt wird, wie z.B. sein Grab in Nanjing (dabei ist er seebestattet worden, eben standesgemaess fuer einen waschechten Seefahrer, der natuerlich unterwegs in Ausuebung seines Berufs verstorben ist), ueber Fotos von seinen zahlreichen Nachkommen in allen moeglichen Laendern, die offenbar regelmaessig Familientreffen veranstalten, ueber alte und zeitgenoessische Gegenstaende aus dem Alltagsleben, Kammern mit Vorraeten etc., wie sie auf den Schiffen haetten sein koennen, ueber Karten seiner Reisen und Modelle der Schiffe, ueber Infotafeln zum Stand der Wissenschaft und Technik, die recht weit entwickelt waren, um solche Expeditionen auszustatten und durchzufuehren (ich sage nur Wasser- und Farmschiffe), bis zu und - und - und - hier bleibt fast keine Frage offen, bis auf die, weshalb China nach Zheng He beschlossen hat, das Seefahrt Teufelszeug ist und das Heil in der Landwirtschaft liegt. Das kann und kann ich einfach nicht begreifen. Und natuerlich laesst sich trefflich spekulieren, welchen sicher voellig anderen Gang die Weltgeschichte genommen haette, waere China weiterhin auf den Weltmeeren unterwegs gewesen. Seeeehr interessant!
Als aufmerksame/r Leser/in konnte man eben ueber die Nachkommen des Eunuchen stolpern - aber dafuer gibt es eine ganz einfache Erklaerung, die besagt, dass der erfolgreiche Admiral entweder seinen aelteren Bruder oder dessen Sohn (ich habe beide Varianten gelesen) adoptiert hat - fertig. Das ist uebrigens auch sowas - in der guten alten europaeischen Kultur scheint es doch wohl eher undenkbar, dass ein "halber Mann" ein ganzer Kerl und Admiral sein kann, oder liegt das bloss an dem mir vermittelten Geschichtsbild, das die natuerliche Ueberlegenheit der Testosterongesteuerten belegen will??
Wie auch immer - nicht, dass das Museum nur doziert, es hat auch Platz fuer Kunst. In freien Raeumen koennen zeitgenoessische Kuenstler fuer wenig Geld ausstellen, so gibt es z. Zt. eine Kalligraphieausstellung (natuerlich chinesische Kalligraphie). Das Dach, das hier als vierte Etage bezeichnet wird, beschert uns Ausblicke unter teilweise blauem Himmel ueber die Daecher von Alt-Melaka, auf die gruenen Schindeln der Kampung Kling-Moschee und bis auf den roten Platz. Alles in allem finde ich das sehr gut gemacht und sein Geld wert.
Nach etwa 2,5 Stunden gucken, lesen, staunen glauben wir, genug gesehen zu haben, inklusive Videovorfuehrung und Puppenspiel. Die vollautomatisch ablaufende Puppenshow mutet etwas seltsam an, es handelt sich um Pappkameraden und -kulissen, die auf Schienen in mehreren Ebenen hin- und herbewegt werden. Ein automatischer Erzaehler erzaehlt eine Superkurzfassung des Lebens von Zheng He, wobei man merkt, dass der Texter von der Vorstellung einer Kastration nachhaltig schockiert war ... schmunzel.
Bevor wir abfahren, muessen wir uns nach der "Strapaze" noch mit chinesischem Tee staerken. Das Besondere daran, die chinesische Tee-Plemperzeremonie, wie das bei mir heisst, war fuer uns natuerlich nicht mehr so richtig spannend, aber egal ... dafuer koennen wir zwei Happen Mondkuchen probieren, denn jetzt hat ja die Mondkuchensaison begonnen. Nachdem man allenthalben lesen kann, dass an den Dingern vor allem die Verpackung zaehlt und sie gar scheusslich schmecken, war ich ja auf das Schlimmste vorbereitet - dabei kann man die gut essen, zum Tee. Nicht, dass man dafuer meilenweit gehen muesste, aber wegzurennen braucht man auch nicht. Der allerdings etwas geschmacklose Teig ist mit einer Paste (Nuss/Bohnen?) gefuellt, die leicht suess und nicht unangenehm schmeckt.
Um kurz vor 12 Uhr mittags sind wir dann soweit. Am Ausgang muessen wir noch ein bisschen mit den nicht mehr blutjungen chinesischen Museumswaerterinnen plaudern, die die falsche Frage gestellt haben, die hier jeder stellt, um einen Smalltalk zu beginnen: "Where are you from?" Mit diebischem Vergnuegen beantworten wir das regelmaessig und wahrheitsgemaess mit "From China", was besonders bei Chinesen, aber auch den meisten anderen zu Gesichtsausdruecken fuehrt, die man haette sammeln sollen. Von mildem Hab-ich-mich-verhoert? ueber haeh??!? zu leiser Empoerung à la Wollen-die-mich-verarschen? ist alles dabei. Chinesen befragen einen dann typischerweise als naechstes nach den Sprachkenntnissen, und hier steigen wir jetzt in tiefere philosophisch-linguistische Betrachtungen ueber Mandarin und Shanghainese ein ... damit koennen wir die "golden girls" immerhin ein bisschen darueber hinwegtroesten, dass wir jetzt leider keinerlei Souvenirs mehr kaufen wollen.
Dann fahren wir aber wirklich endlich ab. Zum Abschied von Melaka stehen drei Tuerme am Strassenrand fuer uns stramm, ein malayischer, ein hinduistischer und ein chinesischer. Manchmal kommen die aber auch auf komische Ideen in diesem Land ... Da hier an der Westkueste und in relativer Naehe zur Hauptstadt die Strassen zahlreicher und besser ausgebaut sind als im Rest des Landes, kommen wir schon um kurz vor zwei Uhr nachmittags in Putrajaya (Link englischsprachig) an. Das ist eine Reissbrettstadt, die angeblich "das neue Malaysia" visionaer darstellen soll. Oder so. Dahin zieht sich die Regierung aus dem ueberfuellten Kuala Lumpur zurueck, d.h. hier gibt es vor allem Ministerien, Behoerden u. dgl. m.. Und einen neuen Koenigspalast gibt es vorsichtshalber auch schon mal. Ich persoenlich finde die Vision aber "nit so doll". Sieht aus wie sowjetische Prunkarchitektur, arabisch angehaucht. Die Strassen und Plaetze sind gross und breit und genauso menschenunfreundlich wie die Kloetze. Da helfen auch die Arabesken nicht. Und wo doch in Malaysia sonst immer (s. die drei Tuerme an der Einfallstrasse nach Melaka) Multi-Kulti betont wird, finde ich es ein bisschen ueberraschend, dass die muslimischen Architekturelemente hier so dominant sind. Insbesondere am Justizpalast ... wollen die demnaechst wieder die Scharia einfuehren?? Dann ist mir doch Pudong lieber - da sind auch riesige Gebaeude und breite Strassen, aber insgesamt wirkt es sowohl visionaerer als auch menschlicher.
Aber bevor wir ueberhaupt zu den ganzen Regierungsgebaeuden kommen, erzaehlt uns Mr Badrul bei unserem Halt am Zaun des Koenigspalasts von einem ernsthaften Erdbeben, das sich gestern vor Sumatra ereignet habe. Man habe es bis nach Malaysia und Singapur spueren koennen, und Nachbeben gaebe es auch - hm, das stuetzt meine Fischverzweiflungstat-Hypothese nicht gerade ...
Wie auch immer, wir fahren noch ein paar Meter weiter und gelangen zu einem um diese Zeit menschenleeren Park mit einer Skulptur aus blankem Stahl in Form einer ueberdimensionalen malayischen Kopfbedeckung ... na ja. Ansonsten hat man von hier einen ersten Blick auf eins der riesigen Gebaeude mit einer grossen Kuppel, das sich dann als Sitz des Premierministers entpuppt, und natuerlich auf eine Moscheenkuppel. Hm. Interessanter ist da schon der kleine Megalith-Park, in dem ein kleines Megalithfeld praesentiert wird, dazu Informationen ueber Megalithen in Malaysia, die offenbar nicht so alt sind, wie man denken koennte: bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden sie hier aufgestellt! Ausserdem gibt es Repliken der batu hidup, die (mir voellig unverstaendlich) anders als im Originalzustand aufgestellt sind. Warum macht man denn so was?? Und die Repliken sind nicht mal gut gemacht. Dabei machte sonst alles nicht gerade den Eindruck, dass man haette sparen muessen ...
Als naechstes haben wir auf dem riesigen Platz vor der Moschee Halt gemacht. Wir versuchen, in die Moschee zu gehen, aber da werden irgendwelche Dinge vorbereitet: heute ist der 1. Tag des Ramadhan. Wir koennten gegen viertel vor drei wiederkommen und dann kurz hineinschauen, bevor sie dann definitiv fuer nicht-betende Besucher geschlossen wird. Wir gehen alldieweil auf die Esplanade am kuenstlichen Fluss (sic!) und suchen ein Café auf, um einen kleinen Imbiss zu uns zu nehmen. Horden von Schuelerchen (und "Schuelerinnenchen", versteht sich) beleben das Ganze ein bisschen. Und essende und trinkende Chinesen findet man auch - in streng muslimischen Landstrichen wuerde es im Ramadhan tagsueber gar nicht erst etwas geben, wo man Essbares zu sich nehmen koennte ... Leider dauert es ein bisschen zu lange, aber ich habe auch schon gar keine Lust, noch wieder als Zaungast in die Moschee zu gehen. Wir machen statt dessen noch eine kleine Stadtrundfahrt durch die oben beschriebene Klotzlandschaft. Von einer der zahlreichen Bruecken, die wohl mehr zur Illustration malaysischer Architektentraeume und Baukuenste dienen als zu praktischen Zwecken, hat man aber einen schoenen Blick auf die Moschee, ueber das Wasser hinweg. Ja, genau so stelle ich mir eine Fata Morgana vor! Ich weiss zwar nicht, warum - aber genau so isses.
Wir haben rasch genug gesehen und fahren zurueck nach KL. Nach ziemlich heftigem Stau wegen des Erster-Tag-des-Ramadhan-Feierabends landen wir wieder im Hotel Equatorial, wo wir schon die ersten Naechte verbracht hatten. Wir machen uns ein bisschen frisch und gehen dann gleich los zum Fernsehturm, dem Menara KL, um dort die Daemmerung und Nacht zu erleben. (Natuerlich die letztere nicht ganz.) Der Turm liegt auf dem Ananashuegel, dem Bukit Nenas, mitten in der Stadt. Der Huegel ist ganz schoen steil - da nehmen wir den kostenlosen Shuttle-Service doch gern in Anspruch. Wir haengen dann ganz schoen lange da oben herum, denn diese Ausblicke bei Daemmerung haben ja was. Und das Bild aendert sich staendig. Und man kann hier die Petronas Towers schoen von der Seite sehen - die fangen auch frueh mit ihrer Beleuchtung an. Um 19:10 Uhr gibt es eine Ansage, dass irgendwelche Schalter jetzt 20 Minuten wegen Fastenbrechens geschlossen haetten, wir bitten um Ihr Verstaendnis ... na ja. Insgesamt habe ich nicht soviel Verstaendnis fuer die Ramadhan-Regeln. Fasten ist ja gut, aber dann jeden Abend ein Gelage veranstalten? Und dass man tagsueber gar nichts trinken darf, auch kein Wasser, halte ich schlichtweg, insbesondere in tropischen Laendern, fuer gesundheitsschaedlich. Dass man auf Milch, Saft, Bier und andere alkoholische Getraenke verzichtet, ist ja in Ordnung. Aber auf Wasser?? Aber mir soll's recht sein, solange das keiner von mir verlangt. Mr Badrul nimmt es mehr als eine vorgeschriebene Uebung der Willensstaerke - auch gut.
Im Turm sehen wir uns noch einen Film "Making of" an. Fuer diesen Turm wurde monatelang ununterbrochen Beton gegossen, unvorstellbar! Ebenso unvorstellbar: mit Kosten von 430.000 Ringgit, also fast 100.000 Euro, wurde waehrend des Baus ein 100 Jahre alter Baum konserviert, der jetzt noch froehlich am Fusse des Turms steht und gedeiht. "To ensure ecological harmony", heisst es, um die oekologische Harmonie zu garantieren. Es scheint also Leute zu geben, die noch harmoniesuechtiger sind als ich. Aus meiner Sicht haben die echt Glueck gehabt, dass er hinterher nicht einfach sang- und klanglos eingegangen ist, der Baum ...
Nachdem wir wieder auf dem Boden des Ananashuegels angekommen sind, an dem es noch ein kleines Stueck Regenwald mitten in der Stadt gibt, lungern wir noch ein bisschen auf der Brunnenesplanade herum. Ich experimentiere mit den manuellen Einstellungen meiner Kamera. Am Ende der Esplanade steht eine riesige "Laermwand" - und ploetzlich kommt da ohne jede Vorwarnung ein unglaubliches Getoese heraus! Zu Hilfe! Da kriegt man ja fast einen Herzinfarkt vor Schreck, denn die Anlage ist offenbar nicht nur fuer die Beschallung der Esplanade ausgelegt. Da sollen vielmehr wohl auch die umliegenden Stadtgebiete noch was von haben. Heraus droehnen diese malaysischen Unabhaengigkeitsschlager - ja, sowat jibbet hier. Und dazu gibt es eine light show, die den KL Tower in bunten Farben erstrahlen laesst. Hach, ist das schoen bunt!
Danach ist es schon relativ spaet. Wir teilen uns ein Shuttle mit ein paar chinesischen Jugendlichen, die sich extra unseretwegen zu viert auf drei Plaetze quetschen: das ist aber nett. Sie stellen auch wieder die unvermeidliche Frage, und wir geben die unvermeidliche Antwort, grins ... unten angekommen, duerfen wir dafuer auch mit ihnen fuer ein Foto posieren. Oder soll ich muessen sagen? Ein bisschen genoetigt werden wir schon.
Mit den Restaurants sieht es im Viertel um das Hotel Equatorial ja nicht so toll aus, das hatten wir ja schon in den ersten Tagen unseres Urlaubs festgestellt. Hier gibt es mehr so laermige Bars, zum Teil mit Tuersteher ... o je. Die servieren wohl auch Essbares, aber wenn man sein Essen auf dem Teller nicht mal theoretisch hoeren kann ... Aber halt, da war ja noch die Sushibar. Na gut - wir essen also Sushi & Co., das ist zwar nicht besonders malaysisch, aber schmeckt ja immer gut.
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Freitag, 5. Oktober 2007
Mittwoch, 12. September 2007: Umgebung von Melaka
Diese Nacht haben wir in der zweiten Etage verbracht, und zwar ohne tropfende Klimaanlage. Geht doch! Wir fruehstuecken wieder draussen, vor dem etwas laermigen kuenstlichen Wasserfall, der hier vermutlich zur Aufwertung des Mikroklimas installiert wurde. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das gut finden soll - hier kann man sich auch zu konspirativen Sitzungen treffen: am Nebentisch kann man wegen des Rauschens wirklich nicht verstehen, was da gesprochen wird - oder doch ein bisschen laestig, weil man auch am eigenen Tisch die Stimme erheben muss, wenn man gehoert werden will.
Heute steht jedenfalls alles in und um Melaka herum auf dem Programm, was man nicht so gut zu Fuss besichtigen kann. Es beginnt mit dem China-Huegel, auf Malaysisch Bukit Cina. Den Huegel hatte seinerzeit die besagte Hang Li Poh "fuer sisch auszubre-iten" (so wuerde man das wohl im Rheinland sagen) angewiesen bekommen. Damals haben da also Chinesen gelebt, aber wie es so geht, im Verlauf langer Jahre sind sie alle gestorben und wurden dann da auch begraben, so dass der Huegel im Lauf der Zeit zur dauerhaften Heimat von ca. 12.500 Chinesen geworden ist: soviele Graeber gibt es auf diesem riesigen Friedhofsareal. Das liegt heute mitten in der Stadt und wird von den sprichwoertlichen "Immobilienhaien" mit Appetit beaeugt - aber eine Buergerinitiative konnte verhindern, dass hieraus schoenes Bauland gemacht wird. Fuer zartbesaitete, aber nicht suizidgefaehrdete Gemueter ist es ohnehin wahrscheinlich keine angenehme Vorstellung, auf einem Friedhof zu wohnen ... Ein vermutlich interessanter Unterschied zu Friedhoefen, wie ich sie aus europaeischen Laendern kenne, besteht uebrigens in der Tatsache, dass ich an keinem der chinesischen eine Umfriedung gesehen habe. Auch am Bukit Cina geht der Strassenrand einfach in Friedhofsgelaende ueber. Es gibt einige ohne besonderen Aufwand angelegte Asphaltwege (Asphalt hingeschuettet, einmal druebergewalzt, fertig - so sieht es jedenfalls aus), auf denen vor allem Jogger das Gelaende einer Zweitnutzung als Sportplatz zufuehren.
Waehrend Burkhard und ich uns noch umschauen, hat Mr Badrul wieder Leute zum Quatschen gefunden, ein paar junge Maenner in diesem Fall. Ich versuche alldieweil, einen dieser "Tropenhausvoegel" ins Visier zu bekommen. Das sind amselgrosse, im Wesentlichen quietschgelbe Voegel mit einigen schwarzen Flecken, die einen relativ lauten, durchdringenden Ton ausstossen, der so klingt, als wuerde er mit einer gerollten Zunge produziert ... ich weiss nicht, ob ich mich irgendwie verstaendlich ausdruecke ... Aber sie sind schwieriger zu fotografieren als Graeber und fliegen mir immer davon. Dann bekomme ich irgendwie mit, dass die besagten jungen Maenner einen Vogel abrichten. Aha, da sitzt so eine Art Taube. Wie? Damit kann man weitere Exemplare derselben Art fangen? Ist das denn eine Raubtaube? Jedenfalls heisst es, wir koennten uns ihr ruhig naehern. Ich schleiche mich also an, die "Raubtaube" wird nervoes, fliegt aber nicht weg. Irgendwann schickt sie sich doch an, da sehe ich, dass sie angebunden ist. Ach, wie gemein! Das tut mir einerseits wirklich leid fuer sie - soooviel Stress wollte ich ihr eigentlich nicht bereiten -, andererseits frustriert es mich auch, bin ich doch nicht sooo geschickt im Anpirschen - sie hatte einfach keine Wahl. Natuerlich ist es auch keine Taube - aber was es genau war, weiss ich nicht.
Auf der anderen Seite des Huegels liegt der Sam Poh Kong-Tempel, in dem auch Zheng He "eingekehrt" sein soll und der spaeter dann auch zu seiner Anbetung herangezogen wurde, heisst es. Neben diesem Tempel liegt ein Brunnen, der unter diversen Namen bekannt ist und in seinem Brunnendasein schon diverse Vergiftungsattentate ueber sich ergehen lassen musste, was am Ende dazu gefuehrt hat, dass er mit einer Mauer samt Zinnen und Kanonen umgeben wurde. Auf der Infotafel wird er unter dem Namen "Koenigsbrunnen" gefuehrt. Jetzt ist er nicht vergiftet, und im Tempel probieren wir sein Wasser, das uns Mr Badrul nahezu aufdraengt. Wir sind eher wegen der Becher besorgt als wegen des Wassers ... Dann fuehrt er uns noch ein Experiment vor, in dem er durch Einwerfen zahlreicher Muenzen einen vorher nicht ganz vollen Becher zum Ueberlaufen bringt - leider verstehen wir es beide nicht. Da ist nichts Uebernatuerliches dabei.
Auf der anderen Strassenseite, gegenueber vom Tempel, liegt ein muslimischer Friedhof. - Nach soviel uns fremder Religion wollen wir aber mal wieder eine Kirche sehen, da bietet sich St. Peter's Church an, angeblich die aelteste christliche Kirche von Melaka. Sie ist genauso geschlossen wie die Christuskirche am roten Platz. Vor der Tuer haelt ein Erzengel Wache und dreht die Augen (schein-??)heilig zum Herrn. Neben der Kirche befindet sich ein zartgelb gestrichenes Gebaeude, dessen spitzbogige Fenster mit zwei Gruentoenen farblich akzentuiert werden. Aha, das kenn' ich: genau so ein Fenster ist im Reisefuehrer mit der genialen Bildunterschrift "Architecture with European influence" oder so aehnlich abgebildet. Die denken sich auch immer was aus, diese Reisefuehrerschreiber ...
Die Leute von Melaka sind ein bisschen landhungrig und betreiben daher Landgewinnung im Westen, wo sie dem Meer schon eine Insel mit dem originellen Namen Pulau Melaka (= Melaka-Insel) abgetrotzt haben. Ob sie gar keine Sorgen haben, ihre beruehmte Strasse zu sehr zu schmaelern? ;-)) Im Moment ist das jedenfalls noch mehr oder weniger eine Toteninsel: sie ist schon bebaut, aber ausser - na, was wohl? - der Moschee ist noch nichts fertig. Und dementsprechend laufen ein paar verstreute Arbeiter herum, die irgendwas sauber oder instand halten, ansonsten herrscht gaehnende Leere. Die Moschee erscheint mir ein bisschen zu bunt (weiss getuencht, rote Daecher, grosse gruene Boegen an den Seiten, und war da nicht noch irgendwas Blaues?), aber dafuer ist die Lage am Meer sehr beeindruckend. Zum Freitagsgebet werden die Leute dann wohl mit Shuttle-Bussen hergekarrt. Komisch. Auf einem freien Gelaende neben der Moschee steht die Beschriftung der Strasse von Melaka, das ist auch ein bisschen kurios. Angeblich ist diese Meeresstrasse die laengste und belebteste der Welt, so steht da. The straits. Ja dann.
Von hier aus kann man auch eine Insel sehen, die den Spitznamen "Island of the Pregnant Lady" traegt, also Insel der Schwangeren. Wenn man sie gesehen hat, weiss man auch gleich, woher der Name kommt: Die Schwangere liegt auf dem Ruecken.
Danach verlassen wir die Toteninsel wieder und fahren zu einem gewissen Fort St. John's, das auf einem mittlerweile nach diesem Johann benannten Huegel liegt. Frueher hiess der Bukit Pipi - klingt ja fuer deutsche Ohren ziemlich doof, aber die (eine?) Bedeutung waere "Wangenhuegel". Hier oben gibt es Fernblick bis zur straits, jede Menge hollaendische Kanonen, die unter anderem von einem gewissen CLAES NOORDEN gemacht wurden und mit dem VOC der hollaendischen Ostindien-Kompagnie (VEREENIGDE OOSTINDISCHE COMPAGNIE) gekennzeichnet sind, und ein Fotoshooting fuer ein Tourismusmagazin. Die schoene, glueckliche Zweikindfamilie kann es vor Glueck kaum aushalten in Malaysia, so lautet wohl die im Bild einzufangende Botschaft. Gar nicht leicht einzufangen, scheint es ...
Von hier oben aus kann man auch das portugiesische Dorf sehen, ein Ueberbleibsel aus den uralten Kolonialzeiten. Angeblich wird da immer noch so ein antiquiertes Portugiesisch gesprochen, jedenfalls - wie das immer so ist - von den Aelteren. Man ist streng katholisch, weshalb an allen Haeusern, die sonst durchaus nicht viel anders sind als die malaysischen, ueber der Haustuer ein Jesus oder eine Maria prangt. Die Hautfarbe der Portugiesen sei dunkler als die der "Eingeborenen", sagt Mr Badrul. Allerdings haengen auch hier nur malaysische Fahnen, eine portugiesische ist weit und breit nicht zu sehen. Am Ufer liegt ein grosser Hotelkomplex, aber der ist noch nicht eroeffnet, und mit den "Mampfbuden", die das Hotel gern vereinnahmen moechte, gibt es insofern Probleme, als dass die sich nicht vereinnahmen lassen wollen. Vermutlich ist der Deal "Du kriegst schoene neue richtige Geschaeftsraeume fuer eine teure Miete" ... aber da deshalb vermutlich auch nicht mehr Kunden kommen, kann ich die Bedenken nachvollziehen. Auch sonst wirkt es ein bisschen tot.
Nachdem wir nun schon beim Thema Haeuser sind, sehen wir uns ein preisgekroentes (ja, hier gibt's wohl alljaehrlich einen Wettbewerb fuer das schoenste malaysische Haus) irgendwo in der Naehe des portugiesischen Dorfs an und dann das Kampung Morten, also das malaysische Dorf in Melaka-City, das wir gestern schon vom Fluss aus gesehen hatten. Hm, ja, so Haeuser. Und der Hang zu Gartenzwergen ist hier mindestens so gross wie in Deutschland, nur dass eben weniger kleine Maenner mit Knollennasen und spitzen roten Muetzen aufgestellt werden, sondern allerlei anderer Nippes, der auch nicht besser ist. Und Nationalfahnen. Hatte ich das Haus erwaehnt, dessen Dach anlaesslich der Unabhaengigkeitsfeiern mit der Flagge bemalt war und den Worten "50 Tahun Merdeka"? - Wir besehen uns die trueben Fluten, in denen trotz allem noch das schon bekannte Leben herrscht: Schlammspringer und Warane.
Dann fahren wir wieder ein Stueck und landen auf einem weiteren Friedhof, auf dem das Mausoleum von Hang Tuah zu finden ist. Ein Nationalheld und Ausbund an Loyalitaet zu seinem Sultan. Auf Tafeln rund um ein mehrere Meter langes, etwa schulterhohes Bauwerk, das das Mausoleum sein soll, sind die Abenteuer und Heldentaten in Wort und Bild dargestellt. Mir ist natuerlich am besten die Geschichte in Erinnerung geblieben, in der Hang Tuah eine schoene Braut geworben hat, die sich auf die Werbung in dem Irrglauben einliess, sie wuerde Hang Tuah, den Schoenen, Starken und Edlen ehelichen. Aber nein - der Held hatte nicht fuer sich, sondern fuer seinen geliebten Herrn, den Sultan, geworben - ob der nun ebenso schoen, stark und edel war, ist nicht ueberliefert. Vermutlich nicht - dumm gelaufen. Irgendwann jedenfalls soll Hang Tuah irgendeinen Dolch in irgendein Gewaesser geworfen haben (Excalibur, ick hoer dir trapsen), und seinen Bruedern und Schwestern dazu prophezeit zu haben, dass, solange der Dolch (ein Kris, versteht sich, so heisst die landestypische Variante) nicht auftaucht, Malaysia bestehen wird ... oder so aehnlich.
Unsere naechste Station erfordert wieder eine Ueberlandfahrt, und dann landen wir am Grab von Scheich Ahmad Majnun, neben dem ein paar Megalithen stehen, die im Volksmund lebende Steine (batu hidup - batu heisst Stein, das wissen wir ja schon seit den Batu Caves) genannt werden. Angeblich wachsen die ... sie sind jedenfalls recht ungewoehnlich geformt, und zwei von ihnen sind auch reliefiert. Sowohl Grab als auch Steine sind ordentlich eingefasst und ueberdacht. Irgendwie ein seltsamer Ort. Ich gehe auf Libellen-Fotosafari und habe auch eine schoene Trophaee davon heimgetragen. Unweit vom Grab gibt es einen Brunnen unter einem grossen fruchttragenden Mangobaum. Das sei die Sorte, die man noch leicht unreif isst und die dann eine pikante Saeure habe, weiss Mr Badrul zu berichten.
Wieder fahren, das naechste Grab. Bei Naning. Auf einem kleinen Friedhof hinter einer Moschee liegt ganz hinten in der Ecke ein halbwegs gepflegtes, vollkommen gelb angestrichenes Gebilde. Hier, mittlerweile am Waldesrand, frueher am Reisfeldrand, liegt der Held und Heilige Dato Dol Sayid begraben, auch wenn man von der Lokation eher sagen wuerde, dass hier der Hund begraben liegt. Am Reisfeldrand, weil Dol Sayid sich gegen die Besteuerung der Reisernte durch die Briten erfolgreich zur Wehr gesetzt hatte. Dass ihn das zum Helden qualifiziert, sehe ich ein - woher die Heiligkeit kommt, habe ich nicht so genau verstanden. Ein paar Schritte in den Wald hinein stehen wohl noch ein paar kleine Megalithen, aber da muss ich schon die Flucht ergreifen - Mueckenattacke! Schnell weg hier! Burkhard hatte zwar zwei auf mir erschlagen, aber Stiche hatte ich da schon einige davongetragen, wie ich bald darauf feststellen muss. :-(
Am Wegesrand gibt es noch einen relativ grossen Megalithen zu sehen, der allerdings gebrochen und auch sonst in einem schlechten Zustand ist und daher "geschient" wurde. Ein trauriger Anblick. Interessanter ist da schon die Echse, die darauf sitzt. Weiter stehen am Wegesrand mehr malaysische Haeuser mit fuer den Grossraum Melaka typischen bunt gefliesten Treppenaufgaengen. Gar nicht sehr weit von Melaka entfernt liegt irgendwo im Nichts der Hindu-Tempel Sri Sithi Vinayagar Sri Bala Subramaniar Alayam. Ich liebe solche Namen ... Der Eingang ist mit Bananenpflanzen dekoriert. Das deutet auf irgendwas feierlich zu Begehendes hin. Und so ist es auch: aus der offenen Halle schallt uns etwas entgegen, das in westlichen Ohren eher den Eindruck von rhythmischem Laerm als den von Musik hervorruft, und Gurus (oder wie die heissen) sitzen mit nacktem Oberkoerper und leichter Bemalung vor einem grossen viereckigen Drahtkorb, in dem Sachen brandgeopfert werden. In einer Art von "Kapelle" ein paar Meter von der Haupthalle entfernt sitzt ein schwarzer Ganesha, der vor lauter Blumenketten kaum als solcher erkennbar ist. Insofern unterscheidet er sich nur wenig von mit Prachtmaenteln behaengten schwarzen Madonnen, wie sie gelegentlich in Pilgerkirchen anzutreffen sind ... nur dass die Madonnen auch bei genauem Hinsehen ueblicherweise keinen Ruessel mitten im Gesicht haben.
Dann, es ist spaeter Nachmittag, kehren wir nach Melaka zurueck. Im Hof des Hotel Puri schluerfen wir einen leckeren alkoholfreien Cocktail, und ich blogge ein bisschen. Abends essen wir in einem etwas enttaeuschenden Restaurant ein schlichtes Asam Pedras oder so aehnlich, Fisch in einem Currysud, dazu Reis. Hm. Das ist nicht direkt schlecht, aber irgendwie nicht so befriedigend - da gehen wir doch lieber nochmal ins Geographér's Café, um dort je ein Dessert und einen Cocktail zu konsumieren.
Na, fehlt nur noch, dass heute ein Sonntag gewesen waere - bei so vielen Friedhoefen, Graebern, Mausoleen waere das ein ausgewachsener Totensonntag gewesen!
Heute steht jedenfalls alles in und um Melaka herum auf dem Programm, was man nicht so gut zu Fuss besichtigen kann. Es beginnt mit dem China-Huegel, auf Malaysisch Bukit Cina. Den Huegel hatte seinerzeit die besagte Hang Li Poh "fuer sisch auszubre-iten" (so wuerde man das wohl im Rheinland sagen) angewiesen bekommen. Damals haben da also Chinesen gelebt, aber wie es so geht, im Verlauf langer Jahre sind sie alle gestorben und wurden dann da auch begraben, so dass der Huegel im Lauf der Zeit zur dauerhaften Heimat von ca. 12.500 Chinesen geworden ist: soviele Graeber gibt es auf diesem riesigen Friedhofsareal. Das liegt heute mitten in der Stadt und wird von den sprichwoertlichen "Immobilienhaien" mit Appetit beaeugt - aber eine Buergerinitiative konnte verhindern, dass hieraus schoenes Bauland gemacht wird. Fuer zartbesaitete, aber nicht suizidgefaehrdete Gemueter ist es ohnehin wahrscheinlich keine angenehme Vorstellung, auf einem Friedhof zu wohnen ... Ein vermutlich interessanter Unterschied zu Friedhoefen, wie ich sie aus europaeischen Laendern kenne, besteht uebrigens in der Tatsache, dass ich an keinem der chinesischen eine Umfriedung gesehen habe. Auch am Bukit Cina geht der Strassenrand einfach in Friedhofsgelaende ueber. Es gibt einige ohne besonderen Aufwand angelegte Asphaltwege (Asphalt hingeschuettet, einmal druebergewalzt, fertig - so sieht es jedenfalls aus), auf denen vor allem Jogger das Gelaende einer Zweitnutzung als Sportplatz zufuehren.
Waehrend Burkhard und ich uns noch umschauen, hat Mr Badrul wieder Leute zum Quatschen gefunden, ein paar junge Maenner in diesem Fall. Ich versuche alldieweil, einen dieser "Tropenhausvoegel" ins Visier zu bekommen. Das sind amselgrosse, im Wesentlichen quietschgelbe Voegel mit einigen schwarzen Flecken, die einen relativ lauten, durchdringenden Ton ausstossen, der so klingt, als wuerde er mit einer gerollten Zunge produziert ... ich weiss nicht, ob ich mich irgendwie verstaendlich ausdruecke ... Aber sie sind schwieriger zu fotografieren als Graeber und fliegen mir immer davon. Dann bekomme ich irgendwie mit, dass die besagten jungen Maenner einen Vogel abrichten. Aha, da sitzt so eine Art Taube. Wie? Damit kann man weitere Exemplare derselben Art fangen? Ist das denn eine Raubtaube? Jedenfalls heisst es, wir koennten uns ihr ruhig naehern. Ich schleiche mich also an, die "Raubtaube" wird nervoes, fliegt aber nicht weg. Irgendwann schickt sie sich doch an, da sehe ich, dass sie angebunden ist. Ach, wie gemein! Das tut mir einerseits wirklich leid fuer sie - soooviel Stress wollte ich ihr eigentlich nicht bereiten -, andererseits frustriert es mich auch, bin ich doch nicht sooo geschickt im Anpirschen - sie hatte einfach keine Wahl. Natuerlich ist es auch keine Taube - aber was es genau war, weiss ich nicht.
Auf der anderen Seite des Huegels liegt der Sam Poh Kong-Tempel, in dem auch Zheng He "eingekehrt" sein soll und der spaeter dann auch zu seiner Anbetung herangezogen wurde, heisst es. Neben diesem Tempel liegt ein Brunnen, der unter diversen Namen bekannt ist und in seinem Brunnendasein schon diverse Vergiftungsattentate ueber sich ergehen lassen musste, was am Ende dazu gefuehrt hat, dass er mit einer Mauer samt Zinnen und Kanonen umgeben wurde. Auf der Infotafel wird er unter dem Namen "Koenigsbrunnen" gefuehrt. Jetzt ist er nicht vergiftet, und im Tempel probieren wir sein Wasser, das uns Mr Badrul nahezu aufdraengt. Wir sind eher wegen der Becher besorgt als wegen des Wassers ... Dann fuehrt er uns noch ein Experiment vor, in dem er durch Einwerfen zahlreicher Muenzen einen vorher nicht ganz vollen Becher zum Ueberlaufen bringt - leider verstehen wir es beide nicht. Da ist nichts Uebernatuerliches dabei.
Auf der anderen Strassenseite, gegenueber vom Tempel, liegt ein muslimischer Friedhof. - Nach soviel uns fremder Religion wollen wir aber mal wieder eine Kirche sehen, da bietet sich St. Peter's Church an, angeblich die aelteste christliche Kirche von Melaka. Sie ist genauso geschlossen wie die Christuskirche am roten Platz. Vor der Tuer haelt ein Erzengel Wache und dreht die Augen (schein-??)heilig zum Herrn. Neben der Kirche befindet sich ein zartgelb gestrichenes Gebaeude, dessen spitzbogige Fenster mit zwei Gruentoenen farblich akzentuiert werden. Aha, das kenn' ich: genau so ein Fenster ist im Reisefuehrer mit der genialen Bildunterschrift "Architecture with European influence" oder so aehnlich abgebildet. Die denken sich auch immer was aus, diese Reisefuehrerschreiber ...
Die Leute von Melaka sind ein bisschen landhungrig und betreiben daher Landgewinnung im Westen, wo sie dem Meer schon eine Insel mit dem originellen Namen Pulau Melaka (= Melaka-Insel) abgetrotzt haben. Ob sie gar keine Sorgen haben, ihre beruehmte Strasse zu sehr zu schmaelern? ;-)) Im Moment ist das jedenfalls noch mehr oder weniger eine Toteninsel: sie ist schon bebaut, aber ausser - na, was wohl? - der Moschee ist noch nichts fertig. Und dementsprechend laufen ein paar verstreute Arbeiter herum, die irgendwas sauber oder instand halten, ansonsten herrscht gaehnende Leere. Die Moschee erscheint mir ein bisschen zu bunt (weiss getuencht, rote Daecher, grosse gruene Boegen an den Seiten, und war da nicht noch irgendwas Blaues?), aber dafuer ist die Lage am Meer sehr beeindruckend. Zum Freitagsgebet werden die Leute dann wohl mit Shuttle-Bussen hergekarrt. Komisch. Auf einem freien Gelaende neben der Moschee steht die Beschriftung der Strasse von Melaka, das ist auch ein bisschen kurios. Angeblich ist diese Meeresstrasse die laengste und belebteste der Welt, so steht da. The straits. Ja dann.
Von hier aus kann man auch eine Insel sehen, die den Spitznamen "Island of the Pregnant Lady" traegt, also Insel der Schwangeren. Wenn man sie gesehen hat, weiss man auch gleich, woher der Name kommt: Die Schwangere liegt auf dem Ruecken.
Danach verlassen wir die Toteninsel wieder und fahren zu einem gewissen Fort St. John's, das auf einem mittlerweile nach diesem Johann benannten Huegel liegt. Frueher hiess der Bukit Pipi - klingt ja fuer deutsche Ohren ziemlich doof, aber die (eine?) Bedeutung waere "Wangenhuegel". Hier oben gibt es Fernblick bis zur straits, jede Menge hollaendische Kanonen, die unter anderem von einem gewissen CLAES NOORDEN gemacht wurden und mit dem VOC der hollaendischen Ostindien-Kompagnie (VEREENIGDE OOSTINDISCHE COMPAGNIE) gekennzeichnet sind, und ein Fotoshooting fuer ein Tourismusmagazin. Die schoene, glueckliche Zweikindfamilie kann es vor Glueck kaum aushalten in Malaysia, so lautet wohl die im Bild einzufangende Botschaft. Gar nicht leicht einzufangen, scheint es ...
Von hier oben aus kann man auch das portugiesische Dorf sehen, ein Ueberbleibsel aus den uralten Kolonialzeiten. Angeblich wird da immer noch so ein antiquiertes Portugiesisch gesprochen, jedenfalls - wie das immer so ist - von den Aelteren. Man ist streng katholisch, weshalb an allen Haeusern, die sonst durchaus nicht viel anders sind als die malaysischen, ueber der Haustuer ein Jesus oder eine Maria prangt. Die Hautfarbe der Portugiesen sei dunkler als die der "Eingeborenen", sagt Mr Badrul. Allerdings haengen auch hier nur malaysische Fahnen, eine portugiesische ist weit und breit nicht zu sehen. Am Ufer liegt ein grosser Hotelkomplex, aber der ist noch nicht eroeffnet, und mit den "Mampfbuden", die das Hotel gern vereinnahmen moechte, gibt es insofern Probleme, als dass die sich nicht vereinnahmen lassen wollen. Vermutlich ist der Deal "Du kriegst schoene neue richtige Geschaeftsraeume fuer eine teure Miete" ... aber da deshalb vermutlich auch nicht mehr Kunden kommen, kann ich die Bedenken nachvollziehen. Auch sonst wirkt es ein bisschen tot.
Nachdem wir nun schon beim Thema Haeuser sind, sehen wir uns ein preisgekroentes (ja, hier gibt's wohl alljaehrlich einen Wettbewerb fuer das schoenste malaysische Haus) irgendwo in der Naehe des portugiesischen Dorfs an und dann das Kampung Morten, also das malaysische Dorf in Melaka-City, das wir gestern schon vom Fluss aus gesehen hatten. Hm, ja, so Haeuser. Und der Hang zu Gartenzwergen ist hier mindestens so gross wie in Deutschland, nur dass eben weniger kleine Maenner mit Knollennasen und spitzen roten Muetzen aufgestellt werden, sondern allerlei anderer Nippes, der auch nicht besser ist. Und Nationalfahnen. Hatte ich das Haus erwaehnt, dessen Dach anlaesslich der Unabhaengigkeitsfeiern mit der Flagge bemalt war und den Worten "50 Tahun Merdeka"? - Wir besehen uns die trueben Fluten, in denen trotz allem noch das schon bekannte Leben herrscht: Schlammspringer und Warane.
Dann fahren wir wieder ein Stueck und landen auf einem weiteren Friedhof, auf dem das Mausoleum von Hang Tuah zu finden ist. Ein Nationalheld und Ausbund an Loyalitaet zu seinem Sultan. Auf Tafeln rund um ein mehrere Meter langes, etwa schulterhohes Bauwerk, das das Mausoleum sein soll, sind die Abenteuer und Heldentaten in Wort und Bild dargestellt. Mir ist natuerlich am besten die Geschichte in Erinnerung geblieben, in der Hang Tuah eine schoene Braut geworben hat, die sich auf die Werbung in dem Irrglauben einliess, sie wuerde Hang Tuah, den Schoenen, Starken und Edlen ehelichen. Aber nein - der Held hatte nicht fuer sich, sondern fuer seinen geliebten Herrn, den Sultan, geworben - ob der nun ebenso schoen, stark und edel war, ist nicht ueberliefert. Vermutlich nicht - dumm gelaufen. Irgendwann jedenfalls soll Hang Tuah irgendeinen Dolch in irgendein Gewaesser geworfen haben (Excalibur, ick hoer dir trapsen), und seinen Bruedern und Schwestern dazu prophezeit zu haben, dass, solange der Dolch (ein Kris, versteht sich, so heisst die landestypische Variante) nicht auftaucht, Malaysia bestehen wird ... oder so aehnlich.
Unsere naechste Station erfordert wieder eine Ueberlandfahrt, und dann landen wir am Grab von Scheich Ahmad Majnun, neben dem ein paar Megalithen stehen, die im Volksmund lebende Steine (batu hidup - batu heisst Stein, das wissen wir ja schon seit den Batu Caves) genannt werden. Angeblich wachsen die ... sie sind jedenfalls recht ungewoehnlich geformt, und zwei von ihnen sind auch reliefiert. Sowohl Grab als auch Steine sind ordentlich eingefasst und ueberdacht. Irgendwie ein seltsamer Ort. Ich gehe auf Libellen-Fotosafari und habe auch eine schoene Trophaee davon heimgetragen. Unweit vom Grab gibt es einen Brunnen unter einem grossen fruchttragenden Mangobaum. Das sei die Sorte, die man noch leicht unreif isst und die dann eine pikante Saeure habe, weiss Mr Badrul zu berichten.
Wieder fahren, das naechste Grab. Bei Naning. Auf einem kleinen Friedhof hinter einer Moschee liegt ganz hinten in der Ecke ein halbwegs gepflegtes, vollkommen gelb angestrichenes Gebilde. Hier, mittlerweile am Waldesrand, frueher am Reisfeldrand, liegt der Held und Heilige Dato Dol Sayid begraben, auch wenn man von der Lokation eher sagen wuerde, dass hier der Hund begraben liegt. Am Reisfeldrand, weil Dol Sayid sich gegen die Besteuerung der Reisernte durch die Briten erfolgreich zur Wehr gesetzt hatte. Dass ihn das zum Helden qualifiziert, sehe ich ein - woher die Heiligkeit kommt, habe ich nicht so genau verstanden. Ein paar Schritte in den Wald hinein stehen wohl noch ein paar kleine Megalithen, aber da muss ich schon die Flucht ergreifen - Mueckenattacke! Schnell weg hier! Burkhard hatte zwar zwei auf mir erschlagen, aber Stiche hatte ich da schon einige davongetragen, wie ich bald darauf feststellen muss. :-(
Am Wegesrand gibt es noch einen relativ grossen Megalithen zu sehen, der allerdings gebrochen und auch sonst in einem schlechten Zustand ist und daher "geschient" wurde. Ein trauriger Anblick. Interessanter ist da schon die Echse, die darauf sitzt. Weiter stehen am Wegesrand mehr malaysische Haeuser mit fuer den Grossraum Melaka typischen bunt gefliesten Treppenaufgaengen. Gar nicht sehr weit von Melaka entfernt liegt irgendwo im Nichts der Hindu-Tempel Sri Sithi Vinayagar Sri Bala Subramaniar Alayam. Ich liebe solche Namen ... Der Eingang ist mit Bananenpflanzen dekoriert. Das deutet auf irgendwas feierlich zu Begehendes hin. Und so ist es auch: aus der offenen Halle schallt uns etwas entgegen, das in westlichen Ohren eher den Eindruck von rhythmischem Laerm als den von Musik hervorruft, und Gurus (oder wie die heissen) sitzen mit nacktem Oberkoerper und leichter Bemalung vor einem grossen viereckigen Drahtkorb, in dem Sachen brandgeopfert werden. In einer Art von "Kapelle" ein paar Meter von der Haupthalle entfernt sitzt ein schwarzer Ganesha, der vor lauter Blumenketten kaum als solcher erkennbar ist. Insofern unterscheidet er sich nur wenig von mit Prachtmaenteln behaengten schwarzen Madonnen, wie sie gelegentlich in Pilgerkirchen anzutreffen sind ... nur dass die Madonnen auch bei genauem Hinsehen ueblicherweise keinen Ruessel mitten im Gesicht haben.
Dann, es ist spaeter Nachmittag, kehren wir nach Melaka zurueck. Im Hof des Hotel Puri schluerfen wir einen leckeren alkoholfreien Cocktail, und ich blogge ein bisschen. Abends essen wir in einem etwas enttaeuschenden Restaurant ein schlichtes Asam Pedras oder so aehnlich, Fisch in einem Currysud, dazu Reis. Hm. Das ist nicht direkt schlecht, aber irgendwie nicht so befriedigend - da gehen wir doch lieber nochmal ins Geographér's Café, um dort je ein Dessert und einen Cocktail zu konsumieren.
Na, fehlt nur noch, dass heute ein Sonntag gewesen waere - bei so vielen Friedhoefen, Graebern, Mausoleen waere das ein ausgewachsener Totensonntag gewesen!
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Mittwoch, 19. September 2007
Dienstag, 11. September 2007: Melaka
Wir wachen auf und finden nur eine gaaanz kleine Pfuetze unter der Klimaanlage. Hm. Fruehstuecken kann man dafuer recht schoen im Innenhof. Nach dem Fruehstueck sagt man uns an der Rezeption, dass wir jetzt wieder in das urspruengliche Zimmer koennen, die Klimaanlage sei repariert. Wir packen also wieder alles ein, tragen die Koffer dahin, schalten die Klimaanlage an - und gleich faengt es wieder an, darunter heftig zu regnen. Was soll denn nun das? Man weist uns dafuer das genau gleich geschnittene Zimmer eine Etage hoeher an - dann sollen nun aber mal die Hotelangestellten unseren Kram dahin tragen, steht ja alles fertig gepackt da. Grrr. Nicht aergern, losgehen ...
Heute hat Mr Badrul schon wieder frei! Er hatte uns ja angeboten, uns herumzufahren, aber das hat in dem "historischen" Teil von Melaka kaum Sinn - das kann man viel besser zu Fuss erkunden, und das machen wir dann auch, und zwar auf eigene Faust. Unser Hotel liegt, wie schon berichtet, auf der ehemaligen Heeren-Strasse, die, bei dem Namen wenig ueberraschend, aus hollaendischen Zeiten stammt und spaeter ein Wohngebiet fuer die Straits Chinese (Peranakan wird diese Bevoelkerungsgruppe auf malaysisch genannt) wurde. Das sind die Nachkommen der Chinesen, die Malay-Frauen geheiratet haben. Waehrend der Alltag nach malayischen Braeuchen gestaltet und auch malaysisch gesprochen wurde, haben die Baba (die Maenner) in religioesen Sachen nicht mit sich spassen lassen: da wurden die chinesischen Traditionen beibehalten. Und was liegt auf der Skala der Ernsthaftigkeit zwischen Alltag und Religion? Essen natuerlich! Und da haben die Nyonya (die Frauen) aus beiden Traditionen eine ganz neue Kueche kreiert, aber offensichtlich haben die einschlaegigen Restaurants fast alle nur mittags geoeffnet, so dass wir's irgendwie nicht hinbekommen haben, mal wenigstens ein Nyonya-Gericht zu probieren … Skandal!
Aber jetzt habe ich schon weit ausgeholt, um eigentlich bloss zu sagen, dass wenige Haeuser neben unserem Hotel das Eng Choon Association House liegt, das wir zuerst inspizieren. Mir ist, wenn ich so darueber nachdenke, nicht ganz klar, ob das sowas Aehnliches wie die Clanhaeuser oder eher wie dieser Ahnentempel in Georgetown ist, oder ob gar zwischen den genannten auch kein grosser Unterschied besteht. Jedenfalls sieht es fuer Laienaugen aus wie ein chinesischer Tempel ohne Tempelbetrieb.
Dann geht's im Gaensemarsch die Strasse entlang auf der Suche nach dem Baba Nyonya Heritage Museum. Im Gaensemarsch, weil die Strasse nicht sehr breit ist und keinen Buergersteig, sondern bloss einen dieser offenen Abflusskanaele hat. Und die Autos rauschen ganz schoen durch … Das Museum ist einfach eins der praechtigen Peranakan-Buergerhaeuser vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Haeuser waren sehr viel laenger als breit, was auf viel aeltere Steuervorschriften zurueckgeht - da wurden quasi Fensterfronten besteuert. Irgendwo habe ich gelesen, dass daraufhin manche Gebaeude sieben Mal so lang wie breit gebaut wurden! Damit nicht alles finster ist, gibt es in den zweistoeckigen Anlagen einen oder mehrere airwells, Luftbrunnen. Die Inneneinrichtung ist stark von chinesischen und europaeischen Einfluessen gepraegt und "stinkt nach Geld". Alles vom Feinsten …
Gegenueber war vielleicht auch mal alles vom Feinsten, die Waende innen zeigen noch Spuren von blauer Farbe, aber waehrend die Front nur etwas angerottet aussieht, blickt man dahinter in eine dachlose Ruine. O je, Melaka hat sich ja mit der Altstadt fuer die UNESCO-Weltkulturerbeliste beworben … denn men tau.
Wenn man ein paar Meter weiter geht, stoesst man dafuer auf ein Vorzeigeobjekt: das Heeren Street No. 8-Restaurationsprojekt. Der Aufbau unterscheidet sich grundsaetzlich nicht vom Baba-Nyonya-Haus, aber hier gibt es nichts Ziseliertes, hier ist alles ganz einfach und schmucklos. Es ist ja auch viel aelter und gehoerte sicher weniger reichen Leuten: das Gebaeude, ein traditionelles shophouse, stammt aus dem 16ten Jahrhundert. Diese Haeuser waren jedes fuer sich ein kleines Universum: Laden, Lager, Wohnung, Stall, und mit eigenem Brunnen. Ja, da gab es noch keinen "Gegensatz" zwischen Leben und Arbeiten. - Auf klaren Tafeln werden die Baustoffe und Konstruktionsprinzipien erlaeutert. Ich nehme vor allem eine Info mit: Zement gehoert (in solchen alten Haeusern) verboten, es ruiniert die Substanz. Statt dessen braucht's Kalk: der kann atmen, eine in den Tropen unabdingbare Eigenschaft. Sonst laesst die Feuchtigkeit die Ziegel einfach verrotten. - Der aeltere Herr, der das Haus huetet, hat heute uebrigens Tag der deutschen Expats: Ausser uns ist noch eine Frau da, mit der er lebhaft diskutiert. Im Gaestebuch sehe ich dann, dass das Antje aus Lissabon (originally German) war.
Dann sind wir schon fast am Melaka-Fluss, der hier kurz davor ist, in die nach ihm (oder nach der Stadt) benannte Meeresstrasse zu muenden. Auf der anderen Seite liegt die Replik eines portugiesischen Schiffs, die jetzt erst einmal fotografiert werden muss. Es beherbergt ein laut Reisefuehrerbuch enttaeuschendes maritimes Museum, weshalb wir keine Ambitionen haben hinzugehen. Wie sich spaeter herausstellt, ist es sowieso geschlossen. Waehrend Burkhard wieder auf Fotosafari ist, beobachte ich das wilde Leben der Schlammspringer. Die sind hier schon relativ gross und auf dem schmalen Schlammstreifen, der jetzt bei Niedrigwasser freiliegt, recht zahlreich vertreten und recht aktiv. Was machen denn die beiden da? Umschleichen sich gegenseitig, zeigen die "Breitseite" und stellen ihre Flossen auf, nicht nur die hochaufragende Mittelrueckenflosse, die wie (meine Vorstellung von) ein(em) Dschunkensegel geformt ist, sondern auch noch einen schillernden Flossensaum zwischen Segel und Schwanz. Kaempfen die, oder balzen die??
Dann ueberqueren wir die Bruecke und stehen schon wieder auf dem roten Platz. Nein, da kann Moskau kein Copyright drauf eintragen lassen! Und dieser Platz erscheint deutlich roter als der besagte Namensvetter, sind doch alle Gebaeude in einem leuchtenden Terracotta-Ton gestrichen. Auch wenn das ein Einfall spaeterer Zeiten ist: die hollaendischen Gebaeude, naemlich das Stadthuys und die Christuskirche, seien urspruenglich weiss gewesen (vermutlich gekalkt). Klingt plausibel - ich z.B. assoziiere hollaendisch keineswegs mit terracottafarbenem Anstrich. Natuerlich ist das jetzige Aussehen, zusaetzlich "aufgeschoent" mit praechtigen Blumenbeeten, aeusserst pittoresk, wie es sich gehoert fuer das vermutlich meistfotografierte Motiv der Stadt. Apropos fotografieren: die weissen Pavillonzelte sind weggeraeumt, jetzt koennen sich die Fotografen also richtig austoben!
Das Stadthuys und seine Satellitengebaeude beherbergen jetzt einen Museumskomplex, in dem 5 oder 6 Museen versammelt sind. Neben so Naheliegendem wie einem Geschichtsmuseum gibt es ein Literatur- und ein Demokratiemuseum und eine Zheng He-Galerie, hier in der Schreibweise Cheng Ho. Waehrend mich letztere am meisten interessiert, ist sie leider ziemlich enttaeuschend. Viel ueber Zheng He-Rezeption in spaeteren Zeiten, wenig ueber die Reisen, die Technik, die Wissenschaft - und falls doch, dann nicht auf Englisch - ich finde jedenfalls nichts.
Das Beste am Geschichtsmuseum ist die plakative Darstellung der Epochen, von denen jede der Stadt ein Erbteil mitgegeben hat. Es beginnt damit, dass ein gewisser Parameswara, trotz dieses mir indisch vorkommenden Namens angeblich ein malayischer Prinz aus Sumatra (sehr ominoes), hier um 1400 eine Stadt gruendete und sie nach dem Melaka-Baum nannte, unter dem er sass, als ihn die Idee heimsuchte. Sie (die Stadt, nicht die Idee) bluehte und gedieh unter den lokalen Herrschern und unter chinesischer Protektion (der besagte Zheng He kam hier auch oefters vorbei), die sich auch in der Heirat zwischen einem Sultan und einer gewissen chinesischen Prinzessin namens Hang Li Poh manifestierte. Alles waere so schoen gewesen … waeren nicht etwa 110 Jahre spaeter, 1511, die Portugiesen gekommen und haetten Melaka in ihre Gewalt gebracht. Aber wie gewonnen, so zerronnen - 130 Jahre spaeter, 1641, nahmen die Hollaender Melaka den Portugiesen ab, nur um es gut 180 Jahre spaeter, 1824, den Briten im Tausch gegen eine andere asiatische Laenderei zu ueberlassen. Die haben daraus zusammen mit Singapur und Penang das so genannte Straits Settlement gemacht. Die Briten wiederum konnten sich nach fast 120 Jahren der japanischen Besetzung im zweiten Weltkrieg 1941-45 nicht erwehren, haben nach Kriegsende aber doch wieder ihr Faehnchen (nicht nur in Melaka) hochgehalten, bis es schliesslich den Einheimischen zu bunt wurde und sie die schon mehrfach erwaehnte Unabhaengigkeit - Merdeka! - fuer sich mehr erdiskutierten denn erstritten, so wird jedenfalls kolportiert.
Im Geschichtsmuseum steht also jeweils eine lebensgrosse Puppe in typischer Kleidung unter einer Landesfahne mit einem Jahreszahlenschild - fertig. Das ist plakativ und eingaengig, gar nicht dumm also. Wir gehen nur halb interessiert durch die Museumsraeume (Nationalmuseum Kuala Lumpur und Penang-Staatsmuseum Georgetown hatten wir ja schliesslich schon, und so recht was Neues gibt's hier auch nicht zu sehen) und auch schnell wieder hinaus. Den St. Paul's-Huegel hinter dem Stadthuys ueberqueren wir auf halber Hoehe - in Anbetracht der Waerme sparen wir uns den Aufstieg, schliesslich waren wir ja gestern schon oben. Statt dessen inspizieren wir das, was noch vom portugiesischen Fort A Famosa uebrig ist - ein leeres Schneckenhaus, das jetzt immerhin Schatten spendet und, unvermeidlich, als Hochzeitsfotokulisse dient.
Unweit daneben steht eine Replik von so einem hoelzernen Sultanspalast, der aus der Ferne so aehnlich aussieht wie der, den wir gestern besucht haben. Daher verzichten wir auf eine eingehendere Besichtigung und entschliessen uns nach langem Hin und Her, uns mit der/dem Trishaw quer durch die alte Stadt bringen zu lassen, zum Cheng Hoon Teng-Tempel am oberen Ende der hiesigen Harmoniestrasse, die eigentlich Jalan Tokong heisst und parallel zur Heeren - und zur Jonker Street verlaeuft. Die Trishaws sind hier besonders touristisch, mit Bergen von falschen Blumen und teilweise gar Lichterschmuck und/oder Musik. Anders als in Georgetown benutzen die Einheimischen sie hier wohl gar nicht, obwohl die Insassen hier nicht die alleinige Knautschzone bilden, sitzt doch der Fahrer bei diesem Typ neben den Fahrgaesten und nicht dahinter. Zu zweit ca. 10-15 Minuten gefahren werden scheint mit 15 Ringgit immer noch erschwinglich. Ich weiss gar nicht, was der Preis in Georgetown war …
Wie auch immer - wir kommen wohlbehalten an und schreiten zur Besichtigung des "Tempels der hellen Wolken", der im spaeten 17. Jahrhundert gegruendet wurde und damit einer der aeltesten chinesischen Tempel des Landes sein soll. Auf der Infotafel draussen steht, dass er sowohl von Buddhisten als auch von Daoisten und Konfuzianern genutzt werde, wie praktisch! Und am Eingang sitzt ein Aufpasser, der einem weder mit einer Liste von Ge- und Verboten kommt noch abkassiert, sondern einem Bescheid gibt, dass man hier fotografieren darf. (Nein, ich habe kein NICHT vergessen!) Hier gibt es einen kleinen "Unteraltar" fuer den Tigergott, der hier gleich in Form mehrerer verschieden grosser Tiger repraesentiert wird und dem man auch gern ein Ei und andere ausgewaehlte Sachen mitbringt - ansonsten kann ich mich an nichts Spezielles erinnern. In einer Papierobjektwerkstatt ganz in der Naehe wird gerade ein grosses Haus gebaut - nur um bald bei einer Totenfeier verbrannt und durch den Rauch dem Toten zugefuehrt zu werden. Eigentlich ein bisschen frustrierend, wenn man an so einem Papierkunstwerk tagelang gearbeitet hat. Gegenueber auf der anderen Strassenseite befindet sich der (oder ein) Sitz der buddhistischen Gesellschaft von Malaysia. An den Strassenlaternen sind dicke Plastikkois angebracht, ich habe keine Ahnung, warum.
Ein paar Haeuser weiter steht die Kampung Kling-Moschee. Die Moscheen in Melaka haben keine Kuppeln, sondern dreistufige Pyramidendaecher (wobei die Pyramiden leicht nach aussen geschwungene Seitenkanten haben) - das sei eine von Sumatra uebernommene Bauform. Auch die Minarette sehen weniger "typisch islamisch" aus, sondern zeigen chinesische oder andere fremdlaendische Einfluesse. Aber egal, wie's aussieht - ich bin hier doppelt unwillkommen, weshalb ich nur ein bisschen im Eingangsbereich herumlungere, waehrend Burkhard, nur einfach unwillkommen, um das eigentliche Gebaeude herumgeht, um auf der anderen Seite einen Friedhof vorzufinden. Einen alten Friedhof, denn dies ist, wie es sich neben einem so alten chinesischen Tempel gehoert, eine der aeltesten Moscheen der Stadt (oder gar des Landes?). Dazu genuegt es aber, Mitte des 18. Jahrhunderts gegruendet worden zu sein. Ach, ist das hier alles jung! (Ich stamme ja aus dem aaaaalten Europa.)
Im Hindutempel nebenan sind heute wenigstens alle gleich unwillkommen - wir stehen vor verschlossenen Tueren. Dann suchen wir uns eben andere Tueren - hier soll es irgendwo in der Naehe zwei Heldenmausoleen geben. Da uns aber nur arg (unzulaessig!) vergroeberte Stadtplaene zur Verfuegung stehen, finden wir diese gar nicht erst. Statt dessen gehen wir zur Moschee Kampung Hulu, die sich von der Kampung Kling-Moschee im Wesentlichen dadurch unterscheidet, dass diese ein gruenes, jene aber ein dachziegelrotes Dach hat. Sie ist ungefaehr gleich alt, und ich verzichte lieber gleich auf eine Besichtigung.
Nun muessen wir uns aber erstmal ausruhen und staerken. Da kommt uns ein "Saftladen" auf der Jonker Street, die jetzt natuerlich offiziell auch einen anderen Namen traegt, gerade recht. Die servieren frischen Saft pur, als Milchshake mit (Speise-)Eis oder als Milchshake mit Joghurt, den sie dann Lassi nennen. Burkhard nimmt einen Shake mit roter Drachenfrucht (Pitahaya) - ganz schoen knallig! Dazu essen wir einen Pita-Imbiss (ohne haya). Allerdings ist es kein richtiges Pita, sondern das Ergebnis des Versuchs, etwas zu produzieren, das der Vorstellung einzelner Suedostasiaten von Pita nahe kommt. Egal. Schmeckt ganz akzeptabel.
Die besagte Jonker Street ist fuer ihre Antiquitaetenhaendler bekannt, heute aber weitgehend von Billigkramlaeden ueberschwemmt, auch wenn es wohl noch einige serioese "Altertuemer" zu finden gibt. Viele Laeden haben auch immer noch geschlossen, so dass wir uns, ehe wir uns versehen, schon wieder am Roten Platz wiederfinden. Warum die da wohl diese alberne Miniatur-Windmuehle (sicher nicht mehr als 4-5 m hoch) aufgebaut haben? Wahrscheinlich wussten sie das selber nicht und haben sie daher wenigstens etwas schamhaft an den Rand gestellt …
Eigentlich wuerde ich jetzt gern noch eine kleine Bootstour auf dem leider etwas dreckigen Fluss machen. Aber wie und wo? Im Reisefuehrer steht, man koenne an der Touristeninformation buchen. Davor steht aber ein Schild, das zurueck zum Platz weist. Wir finden am Ende eine ganze Reihe von Schildern mit Pfeilen, aber nichts, wo sie hindeuten. Unterwegs haben wir ein Stueck der Flussuferpromenade entdeckt und landen vor der neogotischen Kirche St. Francis Xavier, die mit ihren Tuermen und dem cremefarbenem Anstrich der "Skyline" von Melaka einen besonderen Akzent verleiht. Aber wo geht's denn nun zur "Flusskreuzfahrt"?? Wir gehen zurueck Richtung Flussmuendung und finden Schilder mit Pfeilen in die entgegengesetzte Richtung, die offenbar von einem anderen Anbieter stammen, aber genauso ins Leere fuehren. Dafuer stossen wir hinter der Touristeninformation auf ein kleines Ausgrabungsgelaende, auf dem Fundamente des portugiesischen Forts (oder war's doch erst hollaendisch?) freigelegt worden sind: das muesste der Turm an der Hafeneinfahrt gewesen sein. Frueher war halt die ganze Gegend ein befestigter Komplex, von hier bis zum Fort A Famosa, das einmal die Porta de Santiago war, oder so aehnlich. Ganz um den Huegel herum.
Dann setzen wir uns einfach gemuetlich auf eine mit vorgeblich portugiesischen Fliesen geschmueckte Bank in der Naehe des vermuteten "Kreuzfahrtschiffs", eines halben Seelenverkaeufers mit vielleicht 8 Plaetzen hinten und 6 vorn, und warten. Auf der besagten Bank finde ich einen dieser chinesischen Anhaenger; dieser ist aus Rosenquarz, und der fruehere Besitzer ist bestimmt ein bisschen traurig. Ich habe jetzt eine huebsche Kennzeichnung meiner Trinkflasche.
Irgendwann kommt dann ein bisschen mehr Leben auf, wir bezahlen (da ist nichts mit vorher "buchen") und gehen an Bord, wozu man ueber ein anderes Boot klettern und ein Stueck auf dessen Aussenplanke entlanggehen muss - aber wenn der alte Herr, der von einer Begleitung gestuetzt wird, das schafft, werde ich es ja wohl auch koennen. Auf der Bootstour werden wir beinahe "totgequatscht", waehrend es mir so vorkommt, als wuerde uns im Wesentlichen das Hinterzimmer der Stadt vorgefuehrt. Die schnieke Uferpromenade ist erst auf einigen kleinen Teilstuecken fertig und fuehrt teils im uebertragenen, teils gar im woertlichen Sinn durchs Hinterzimmer, letzteres da, wo der Weg durch teilabgerissene, frueher mal bis an den Fluss heranreichende Haeuser geht. Aber bis 2010 soll alles fertig und ganz toll sein, hoeren wir. Das ist wohl die einzige Botschaft. Ach nein, halt: es gibt noch eine Botschaft: Kommt alle nach Malaysia! Malaysia ist sicher, Malaysia unterstuetzt keine Terroristen! Sagt es allen Euren Freunden und Bekannten, dass Malaysia total prima ist und auch ganz sicher, keine Terroristen, kein nix! Sicherheit und Ordnung sind hier unser Lebensprinzip - oder so aehnlich. Hm - bislang hatte ich gar nicht an der Sicherheit gezweifelt, aber wenn man das so betonen muss, kommen bei mir ein paar Zweifel auf. Unterwegs werden wir noch auf einen ziemlich grossen Waran hingewiesen, der am Rande des Flusses schwimmt - huch, der hat ja wirklich Kleinkrokodilformat! Man goennt sich auch ein paar Mangroven, die rechts und links von einem hoelzernen Mangroven-Brueckenweg liegen (wahrscheinlich nur, damit man den so nennen kann). Fuer einen richtigen Wald reicht es also nicht.
Fuer die Rueckfahrt hat sich die Plaudertasche von Fuehrer nichts aufgehoben, alles ist schon erklaert. Aber nicht, dass wir nun still ueber den Fluss gleiten, um das Abendlicht zu geniessen - nein! Drei Viertel der Rueckfahrt werden mit der Vorfuehrung seiner beeindrueckenden Sprachkenntnisse gefuellt: "for the French: merci et au revoir! - for the Chinese: xiexie, zaijian! - for the Spanish: gracias y hasta la vista! - …" und so weiter, vermutlich in allen Sprachen der Welt, oder fast. Jaja, hasta la vista, Baby - und als er durch ist, erinnert er uns noch einmal, dass 2010 alles schoen sein wird und dass Malaysia ganz sicher ist, so dass man unbesorgt kommen kann, denn die Malaysier sind gegen Terrorismus, und dann faengt er wieder an, hasta la vista. Da ist man ja schon fast froh, wenn man aussteigen darf ...
Zum dritten Mal heute haengen wir dann am roten Platz herum, bewundern den Sonnenuntergang und die Daemmerung und warten auf die naechtliche Beleuchtung der Christuskirche. Wir warten und warten - nichts. Die lassen ihr Hauptmotiv doch einfach im Halbdunkel liegen, na sowas! Wir trollen uns also irgendwann und gehen zum Abendessen ins Geographér's Café (ja, die schreiben sich mit diesem albernen Akzent). Das ist nett gestaltet, und es gibt malaysisch-internationale Bistrotkueche. Die Nyonyas haben ja abends keine Lust mehr, fuer uns zu kochen, schade. Ich esse eine Kokossuppe in der Frucht - bisschen effektheischerisch, aber o.k..
Heute hat Mr Badrul schon wieder frei! Er hatte uns ja angeboten, uns herumzufahren, aber das hat in dem "historischen" Teil von Melaka kaum Sinn - das kann man viel besser zu Fuss erkunden, und das machen wir dann auch, und zwar auf eigene Faust. Unser Hotel liegt, wie schon berichtet, auf der ehemaligen Heeren-Strasse, die, bei dem Namen wenig ueberraschend, aus hollaendischen Zeiten stammt und spaeter ein Wohngebiet fuer die Straits Chinese (Peranakan wird diese Bevoelkerungsgruppe auf malaysisch genannt) wurde. Das sind die Nachkommen der Chinesen, die Malay-Frauen geheiratet haben. Waehrend der Alltag nach malayischen Braeuchen gestaltet und auch malaysisch gesprochen wurde, haben die Baba (die Maenner) in religioesen Sachen nicht mit sich spassen lassen: da wurden die chinesischen Traditionen beibehalten. Und was liegt auf der Skala der Ernsthaftigkeit zwischen Alltag und Religion? Essen natuerlich! Und da haben die Nyonya (die Frauen) aus beiden Traditionen eine ganz neue Kueche kreiert, aber offensichtlich haben die einschlaegigen Restaurants fast alle nur mittags geoeffnet, so dass wir's irgendwie nicht hinbekommen haben, mal wenigstens ein Nyonya-Gericht zu probieren … Skandal!
Aber jetzt habe ich schon weit ausgeholt, um eigentlich bloss zu sagen, dass wenige Haeuser neben unserem Hotel das Eng Choon Association House liegt, das wir zuerst inspizieren. Mir ist, wenn ich so darueber nachdenke, nicht ganz klar, ob das sowas Aehnliches wie die Clanhaeuser oder eher wie dieser Ahnentempel in Georgetown ist, oder ob gar zwischen den genannten auch kein grosser Unterschied besteht. Jedenfalls sieht es fuer Laienaugen aus wie ein chinesischer Tempel ohne Tempelbetrieb.
Dann geht's im Gaensemarsch die Strasse entlang auf der Suche nach dem Baba Nyonya Heritage Museum. Im Gaensemarsch, weil die Strasse nicht sehr breit ist und keinen Buergersteig, sondern bloss einen dieser offenen Abflusskanaele hat. Und die Autos rauschen ganz schoen durch … Das Museum ist einfach eins der praechtigen Peranakan-Buergerhaeuser vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Haeuser waren sehr viel laenger als breit, was auf viel aeltere Steuervorschriften zurueckgeht - da wurden quasi Fensterfronten besteuert. Irgendwo habe ich gelesen, dass daraufhin manche Gebaeude sieben Mal so lang wie breit gebaut wurden! Damit nicht alles finster ist, gibt es in den zweistoeckigen Anlagen einen oder mehrere airwells, Luftbrunnen. Die Inneneinrichtung ist stark von chinesischen und europaeischen Einfluessen gepraegt und "stinkt nach Geld". Alles vom Feinsten …
Gegenueber war vielleicht auch mal alles vom Feinsten, die Waende innen zeigen noch Spuren von blauer Farbe, aber waehrend die Front nur etwas angerottet aussieht, blickt man dahinter in eine dachlose Ruine. O je, Melaka hat sich ja mit der Altstadt fuer die UNESCO-Weltkulturerbeliste beworben … denn men tau.
Wenn man ein paar Meter weiter geht, stoesst man dafuer auf ein Vorzeigeobjekt: das Heeren Street No. 8-Restaurationsprojekt. Der Aufbau unterscheidet sich grundsaetzlich nicht vom Baba-Nyonya-Haus, aber hier gibt es nichts Ziseliertes, hier ist alles ganz einfach und schmucklos. Es ist ja auch viel aelter und gehoerte sicher weniger reichen Leuten: das Gebaeude, ein traditionelles shophouse, stammt aus dem 16ten Jahrhundert. Diese Haeuser waren jedes fuer sich ein kleines Universum: Laden, Lager, Wohnung, Stall, und mit eigenem Brunnen. Ja, da gab es noch keinen "Gegensatz" zwischen Leben und Arbeiten. - Auf klaren Tafeln werden die Baustoffe und Konstruktionsprinzipien erlaeutert. Ich nehme vor allem eine Info mit: Zement gehoert (in solchen alten Haeusern) verboten, es ruiniert die Substanz. Statt dessen braucht's Kalk: der kann atmen, eine in den Tropen unabdingbare Eigenschaft. Sonst laesst die Feuchtigkeit die Ziegel einfach verrotten. - Der aeltere Herr, der das Haus huetet, hat heute uebrigens Tag der deutschen Expats: Ausser uns ist noch eine Frau da, mit der er lebhaft diskutiert. Im Gaestebuch sehe ich dann, dass das Antje aus Lissabon (originally German) war.
Dann sind wir schon fast am Melaka-Fluss, der hier kurz davor ist, in die nach ihm (oder nach der Stadt) benannte Meeresstrasse zu muenden. Auf der anderen Seite liegt die Replik eines portugiesischen Schiffs, die jetzt erst einmal fotografiert werden muss. Es beherbergt ein laut Reisefuehrerbuch enttaeuschendes maritimes Museum, weshalb wir keine Ambitionen haben hinzugehen. Wie sich spaeter herausstellt, ist es sowieso geschlossen. Waehrend Burkhard wieder auf Fotosafari ist, beobachte ich das wilde Leben der Schlammspringer. Die sind hier schon relativ gross und auf dem schmalen Schlammstreifen, der jetzt bei Niedrigwasser freiliegt, recht zahlreich vertreten und recht aktiv. Was machen denn die beiden da? Umschleichen sich gegenseitig, zeigen die "Breitseite" und stellen ihre Flossen auf, nicht nur die hochaufragende Mittelrueckenflosse, die wie (meine Vorstellung von) ein(em) Dschunkensegel geformt ist, sondern auch noch einen schillernden Flossensaum zwischen Segel und Schwanz. Kaempfen die, oder balzen die??
Dann ueberqueren wir die Bruecke und stehen schon wieder auf dem roten Platz. Nein, da kann Moskau kein Copyright drauf eintragen lassen! Und dieser Platz erscheint deutlich roter als der besagte Namensvetter, sind doch alle Gebaeude in einem leuchtenden Terracotta-Ton gestrichen. Auch wenn das ein Einfall spaeterer Zeiten ist: die hollaendischen Gebaeude, naemlich das Stadthuys und die Christuskirche, seien urspruenglich weiss gewesen (vermutlich gekalkt). Klingt plausibel - ich z.B. assoziiere hollaendisch keineswegs mit terracottafarbenem Anstrich. Natuerlich ist das jetzige Aussehen, zusaetzlich "aufgeschoent" mit praechtigen Blumenbeeten, aeusserst pittoresk, wie es sich gehoert fuer das vermutlich meistfotografierte Motiv der Stadt. Apropos fotografieren: die weissen Pavillonzelte sind weggeraeumt, jetzt koennen sich die Fotografen also richtig austoben!
Das Stadthuys und seine Satellitengebaeude beherbergen jetzt einen Museumskomplex, in dem 5 oder 6 Museen versammelt sind. Neben so Naheliegendem wie einem Geschichtsmuseum gibt es ein Literatur- und ein Demokratiemuseum und eine Zheng He-Galerie, hier in der Schreibweise Cheng Ho. Waehrend mich letztere am meisten interessiert, ist sie leider ziemlich enttaeuschend. Viel ueber Zheng He-Rezeption in spaeteren Zeiten, wenig ueber die Reisen, die Technik, die Wissenschaft - und falls doch, dann nicht auf Englisch - ich finde jedenfalls nichts.
Das Beste am Geschichtsmuseum ist die plakative Darstellung der Epochen, von denen jede der Stadt ein Erbteil mitgegeben hat. Es beginnt damit, dass ein gewisser Parameswara, trotz dieses mir indisch vorkommenden Namens angeblich ein malayischer Prinz aus Sumatra (sehr ominoes), hier um 1400 eine Stadt gruendete und sie nach dem Melaka-Baum nannte, unter dem er sass, als ihn die Idee heimsuchte. Sie (die Stadt, nicht die Idee) bluehte und gedieh unter den lokalen Herrschern und unter chinesischer Protektion (der besagte Zheng He kam hier auch oefters vorbei), die sich auch in der Heirat zwischen einem Sultan und einer gewissen chinesischen Prinzessin namens Hang Li Poh manifestierte. Alles waere so schoen gewesen … waeren nicht etwa 110 Jahre spaeter, 1511, die Portugiesen gekommen und haetten Melaka in ihre Gewalt gebracht. Aber wie gewonnen, so zerronnen - 130 Jahre spaeter, 1641, nahmen die Hollaender Melaka den Portugiesen ab, nur um es gut 180 Jahre spaeter, 1824, den Briten im Tausch gegen eine andere asiatische Laenderei zu ueberlassen. Die haben daraus zusammen mit Singapur und Penang das so genannte Straits Settlement gemacht. Die Briten wiederum konnten sich nach fast 120 Jahren der japanischen Besetzung im zweiten Weltkrieg 1941-45 nicht erwehren, haben nach Kriegsende aber doch wieder ihr Faehnchen (nicht nur in Melaka) hochgehalten, bis es schliesslich den Einheimischen zu bunt wurde und sie die schon mehrfach erwaehnte Unabhaengigkeit - Merdeka! - fuer sich mehr erdiskutierten denn erstritten, so wird jedenfalls kolportiert.
Im Geschichtsmuseum steht also jeweils eine lebensgrosse Puppe in typischer Kleidung unter einer Landesfahne mit einem Jahreszahlenschild - fertig. Das ist plakativ und eingaengig, gar nicht dumm also. Wir gehen nur halb interessiert durch die Museumsraeume (Nationalmuseum Kuala Lumpur und Penang-Staatsmuseum Georgetown hatten wir ja schliesslich schon, und so recht was Neues gibt's hier auch nicht zu sehen) und auch schnell wieder hinaus. Den St. Paul's-Huegel hinter dem Stadthuys ueberqueren wir auf halber Hoehe - in Anbetracht der Waerme sparen wir uns den Aufstieg, schliesslich waren wir ja gestern schon oben. Statt dessen inspizieren wir das, was noch vom portugiesischen Fort A Famosa uebrig ist - ein leeres Schneckenhaus, das jetzt immerhin Schatten spendet und, unvermeidlich, als Hochzeitsfotokulisse dient.
Unweit daneben steht eine Replik von so einem hoelzernen Sultanspalast, der aus der Ferne so aehnlich aussieht wie der, den wir gestern besucht haben. Daher verzichten wir auf eine eingehendere Besichtigung und entschliessen uns nach langem Hin und Her, uns mit der/dem Trishaw quer durch die alte Stadt bringen zu lassen, zum Cheng Hoon Teng-Tempel am oberen Ende der hiesigen Harmoniestrasse, die eigentlich Jalan Tokong heisst und parallel zur Heeren - und zur Jonker Street verlaeuft. Die Trishaws sind hier besonders touristisch, mit Bergen von falschen Blumen und teilweise gar Lichterschmuck und/oder Musik. Anders als in Georgetown benutzen die Einheimischen sie hier wohl gar nicht, obwohl die Insassen hier nicht die alleinige Knautschzone bilden, sitzt doch der Fahrer bei diesem Typ neben den Fahrgaesten und nicht dahinter. Zu zweit ca. 10-15 Minuten gefahren werden scheint mit 15 Ringgit immer noch erschwinglich. Ich weiss gar nicht, was der Preis in Georgetown war …
Wie auch immer - wir kommen wohlbehalten an und schreiten zur Besichtigung des "Tempels der hellen Wolken", der im spaeten 17. Jahrhundert gegruendet wurde und damit einer der aeltesten chinesischen Tempel des Landes sein soll. Auf der Infotafel draussen steht, dass er sowohl von Buddhisten als auch von Daoisten und Konfuzianern genutzt werde, wie praktisch! Und am Eingang sitzt ein Aufpasser, der einem weder mit einer Liste von Ge- und Verboten kommt noch abkassiert, sondern einem Bescheid gibt, dass man hier fotografieren darf. (Nein, ich habe kein NICHT vergessen!) Hier gibt es einen kleinen "Unteraltar" fuer den Tigergott, der hier gleich in Form mehrerer verschieden grosser Tiger repraesentiert wird und dem man auch gern ein Ei und andere ausgewaehlte Sachen mitbringt - ansonsten kann ich mich an nichts Spezielles erinnern. In einer Papierobjektwerkstatt ganz in der Naehe wird gerade ein grosses Haus gebaut - nur um bald bei einer Totenfeier verbrannt und durch den Rauch dem Toten zugefuehrt zu werden. Eigentlich ein bisschen frustrierend, wenn man an so einem Papierkunstwerk tagelang gearbeitet hat. Gegenueber auf der anderen Strassenseite befindet sich der (oder ein) Sitz der buddhistischen Gesellschaft von Malaysia. An den Strassenlaternen sind dicke Plastikkois angebracht, ich habe keine Ahnung, warum.
Ein paar Haeuser weiter steht die Kampung Kling-Moschee. Die Moscheen in Melaka haben keine Kuppeln, sondern dreistufige Pyramidendaecher (wobei die Pyramiden leicht nach aussen geschwungene Seitenkanten haben) - das sei eine von Sumatra uebernommene Bauform. Auch die Minarette sehen weniger "typisch islamisch" aus, sondern zeigen chinesische oder andere fremdlaendische Einfluesse. Aber egal, wie's aussieht - ich bin hier doppelt unwillkommen, weshalb ich nur ein bisschen im Eingangsbereich herumlungere, waehrend Burkhard, nur einfach unwillkommen, um das eigentliche Gebaeude herumgeht, um auf der anderen Seite einen Friedhof vorzufinden. Einen alten Friedhof, denn dies ist, wie es sich neben einem so alten chinesischen Tempel gehoert, eine der aeltesten Moscheen der Stadt (oder gar des Landes?). Dazu genuegt es aber, Mitte des 18. Jahrhunderts gegruendet worden zu sein. Ach, ist das hier alles jung! (Ich stamme ja aus dem aaaaalten Europa.)
Im Hindutempel nebenan sind heute wenigstens alle gleich unwillkommen - wir stehen vor verschlossenen Tueren. Dann suchen wir uns eben andere Tueren - hier soll es irgendwo in der Naehe zwei Heldenmausoleen geben. Da uns aber nur arg (unzulaessig!) vergroeberte Stadtplaene zur Verfuegung stehen, finden wir diese gar nicht erst. Statt dessen gehen wir zur Moschee Kampung Hulu, die sich von der Kampung Kling-Moschee im Wesentlichen dadurch unterscheidet, dass diese ein gruenes, jene aber ein dachziegelrotes Dach hat. Sie ist ungefaehr gleich alt, und ich verzichte lieber gleich auf eine Besichtigung.
Nun muessen wir uns aber erstmal ausruhen und staerken. Da kommt uns ein "Saftladen" auf der Jonker Street, die jetzt natuerlich offiziell auch einen anderen Namen traegt, gerade recht. Die servieren frischen Saft pur, als Milchshake mit (Speise-)Eis oder als Milchshake mit Joghurt, den sie dann Lassi nennen. Burkhard nimmt einen Shake mit roter Drachenfrucht (Pitahaya) - ganz schoen knallig! Dazu essen wir einen Pita-Imbiss (ohne haya). Allerdings ist es kein richtiges Pita, sondern das Ergebnis des Versuchs, etwas zu produzieren, das der Vorstellung einzelner Suedostasiaten von Pita nahe kommt. Egal. Schmeckt ganz akzeptabel.
Die besagte Jonker Street ist fuer ihre Antiquitaetenhaendler bekannt, heute aber weitgehend von Billigkramlaeden ueberschwemmt, auch wenn es wohl noch einige serioese "Altertuemer" zu finden gibt. Viele Laeden haben auch immer noch geschlossen, so dass wir uns, ehe wir uns versehen, schon wieder am Roten Platz wiederfinden. Warum die da wohl diese alberne Miniatur-Windmuehle (sicher nicht mehr als 4-5 m hoch) aufgebaut haben? Wahrscheinlich wussten sie das selber nicht und haben sie daher wenigstens etwas schamhaft an den Rand gestellt …
Eigentlich wuerde ich jetzt gern noch eine kleine Bootstour auf dem leider etwas dreckigen Fluss machen. Aber wie und wo? Im Reisefuehrer steht, man koenne an der Touristeninformation buchen. Davor steht aber ein Schild, das zurueck zum Platz weist. Wir finden am Ende eine ganze Reihe von Schildern mit Pfeilen, aber nichts, wo sie hindeuten. Unterwegs haben wir ein Stueck der Flussuferpromenade entdeckt und landen vor der neogotischen Kirche St. Francis Xavier, die mit ihren Tuermen und dem cremefarbenem Anstrich der "Skyline" von Melaka einen besonderen Akzent verleiht. Aber wo geht's denn nun zur "Flusskreuzfahrt"?? Wir gehen zurueck Richtung Flussmuendung und finden Schilder mit Pfeilen in die entgegengesetzte Richtung, die offenbar von einem anderen Anbieter stammen, aber genauso ins Leere fuehren. Dafuer stossen wir hinter der Touristeninformation auf ein kleines Ausgrabungsgelaende, auf dem Fundamente des portugiesischen Forts (oder war's doch erst hollaendisch?) freigelegt worden sind: das muesste der Turm an der Hafeneinfahrt gewesen sein. Frueher war halt die ganze Gegend ein befestigter Komplex, von hier bis zum Fort A Famosa, das einmal die Porta de Santiago war, oder so aehnlich. Ganz um den Huegel herum.
Dann setzen wir uns einfach gemuetlich auf eine mit vorgeblich portugiesischen Fliesen geschmueckte Bank in der Naehe des vermuteten "Kreuzfahrtschiffs", eines halben Seelenverkaeufers mit vielleicht 8 Plaetzen hinten und 6 vorn, und warten. Auf der besagten Bank finde ich einen dieser chinesischen Anhaenger; dieser ist aus Rosenquarz, und der fruehere Besitzer ist bestimmt ein bisschen traurig. Ich habe jetzt eine huebsche Kennzeichnung meiner Trinkflasche.
Irgendwann kommt dann ein bisschen mehr Leben auf, wir bezahlen (da ist nichts mit vorher "buchen") und gehen an Bord, wozu man ueber ein anderes Boot klettern und ein Stueck auf dessen Aussenplanke entlanggehen muss - aber wenn der alte Herr, der von einer Begleitung gestuetzt wird, das schafft, werde ich es ja wohl auch koennen. Auf der Bootstour werden wir beinahe "totgequatscht", waehrend es mir so vorkommt, als wuerde uns im Wesentlichen das Hinterzimmer der Stadt vorgefuehrt. Die schnieke Uferpromenade ist erst auf einigen kleinen Teilstuecken fertig und fuehrt teils im uebertragenen, teils gar im woertlichen Sinn durchs Hinterzimmer, letzteres da, wo der Weg durch teilabgerissene, frueher mal bis an den Fluss heranreichende Haeuser geht. Aber bis 2010 soll alles fertig und ganz toll sein, hoeren wir. Das ist wohl die einzige Botschaft. Ach nein, halt: es gibt noch eine Botschaft: Kommt alle nach Malaysia! Malaysia ist sicher, Malaysia unterstuetzt keine Terroristen! Sagt es allen Euren Freunden und Bekannten, dass Malaysia total prima ist und auch ganz sicher, keine Terroristen, kein nix! Sicherheit und Ordnung sind hier unser Lebensprinzip - oder so aehnlich. Hm - bislang hatte ich gar nicht an der Sicherheit gezweifelt, aber wenn man das so betonen muss, kommen bei mir ein paar Zweifel auf. Unterwegs werden wir noch auf einen ziemlich grossen Waran hingewiesen, der am Rande des Flusses schwimmt - huch, der hat ja wirklich Kleinkrokodilformat! Man goennt sich auch ein paar Mangroven, die rechts und links von einem hoelzernen Mangroven-Brueckenweg liegen (wahrscheinlich nur, damit man den so nennen kann). Fuer einen richtigen Wald reicht es also nicht.
Fuer die Rueckfahrt hat sich die Plaudertasche von Fuehrer nichts aufgehoben, alles ist schon erklaert. Aber nicht, dass wir nun still ueber den Fluss gleiten, um das Abendlicht zu geniessen - nein! Drei Viertel der Rueckfahrt werden mit der Vorfuehrung seiner beeindrueckenden Sprachkenntnisse gefuellt: "for the French: merci et au revoir! - for the Chinese: xiexie, zaijian! - for the Spanish: gracias y hasta la vista! - …" und so weiter, vermutlich in allen Sprachen der Welt, oder fast. Jaja, hasta la vista, Baby - und als er durch ist, erinnert er uns noch einmal, dass 2010 alles schoen sein wird und dass Malaysia ganz sicher ist, so dass man unbesorgt kommen kann, denn die Malaysier sind gegen Terrorismus, und dann faengt er wieder an, hasta la vista. Da ist man ja schon fast froh, wenn man aussteigen darf ...
Zum dritten Mal heute haengen wir dann am roten Platz herum, bewundern den Sonnenuntergang und die Daemmerung und warten auf die naechtliche Beleuchtung der Christuskirche. Wir warten und warten - nichts. Die lassen ihr Hauptmotiv doch einfach im Halbdunkel liegen, na sowas! Wir trollen uns also irgendwann und gehen zum Abendessen ins Geographér's Café (ja, die schreiben sich mit diesem albernen Akzent). Das ist nett gestaltet, und es gibt malaysisch-internationale Bistrotkueche. Die Nyonyas haben ja abends keine Lust mehr, fuer uns zu kochen, schade. Ich esse eine Kokossuppe in der Frucht - bisschen effektheischerisch, aber o.k..
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Montag, 10. September 2007: Fahrt nach Melaka
Heute ist also der Tag, an dem die Egel Betriebsausflug machen und daher im Urwald nicht anzutreffen sind. Vielleicht. Gestern abend kam uns naemlich eine Gruppe "naechtlicher Waldlaeufer" entgegen, und als deren Fuehrer an mir vorbei ging, wurde er gerade von einer Dame befragt, ob es denn dann also morgen im Wald keine Egel gaebe. Ich glaube auch, sie war wirklich blond. Der so Befragte blieb mit einem abwartenden "maybe ... man kann es nicht sagen" hoeflich und unangreifbar. Ist schon komisch - mein Eindruck ist, dass diese kleinen, unscheinbaren Zeitgenossen auf Menschen geradezu traumatisierend wirken. Das waere sicher auch ein Thema fuer einen interessanten Artikel in "Psychologie heute" oder vergleichbaren Publikationen.
Auf dem Weg zum Fruehstueck ist die grosse "sechseckige" Spinne von gestern samt Netz wieder da (und auf dem Rueckweg wieder weg - ob das ein Kleinkrieg zwischen Spinne und einem Missguenstigen ist, oder ob die Spinne ihr Netz selber tagsueber wieder einholt?), aber was viel besser ist: unter dem Affen-und-Schweinlein-Baum hat sich heute Morgen die ganze Rotte versammelt! (Waehrend von der Horde nichts zu sehen ist, aber das stoert mich ueberhaupt nicht.) Die meisten suchen artgemaess nach kleinen Leckerchen, eins liegt noch gemuetlich "hingesuhlt" da und traeumt vor sich hin. Wenn das kein wunderbarer Ort ist, an dem ich an Chalet No. 88 von Schweinen begruesst und auch wieder verabschiedet werde! Damit kann dieser Tag schon gar nicht mehr schlecht werden! Ich koennte stundenlang gucken, muss mich dann aber doch verabschieden und zum Fruehstueck gehen, sonst verpassen wir am Ende unser Boot - Abfahrt ist um 9 Uhr.
Beim Fruehstueck halten wir uns dementsprechend vorsichtshalber mit den Getraenken zurueck ... nicht, dass wir auf der Fahrt zurueck nach Kuala Tembeling die "Sandbankuebung" wiederholen muessen, diesmal fuer uns. Wenigstens geht die Rueckfahrt deutlich schneller, da stromabwaerts. Fuer dieselben 65 km braucht man in dieser Richtung nur 2 Stunden statt 3. Als wir zum Anleger kommen, liegt da ein schon fast voll besetztes Langboot. Wir werden aufgefordert, gleich vorn auf den ersten beiden Plaetzen einzusteigen, tun das auch, und schon geht's los. Zwar hat man einen Haufen Gepaeck vor sich und die Plaetze sind einen Tick schmaler als weiter hinten, aber sie bieten dafuer mehr Platz fuer die Beine, die man hier fast voellig ausstrecken kann. Wie guenstig - zuletzt kommen und den besten Platz kriegen, ich sag' ja, Taman Negara ist fuer mich ein sehr glueckbringendes Oertchen.
In Kuala Tembeling, wo wir puenktlich um 11 Uhr eintrudeln, wartet Mr Badrul schon auf uns, packt uns und unser Gepaeck in den Bus, und los geht's. Wir muessen jetzt erstmal was trinken, aber wir haben ja immer Wasser dabei. Unsere mitgebrachten "Nuckelflaschen" sind uebrigens recht solide, haben bisher alle Schlaege und Stoesse gut verkraftet und erlauben wegen des "Nuckelprinzips" plemperfreies Trinken in allen Lebenslagen - eine Eigenschaft, die natuerlich weniger wertvoll ist, wenn man immer nur klares Wasser daraus trinkt wie wir. Ich weiss gar nicht, ob das Material auch kohlensaeurehaltige Fluessigkeiten aushalten wuerde ...
Unterwegs machen wir halt am Sultanspalastmuseum Seri Menanti im Bundesstaat Negeri Sembilan. Das ist eine Holzhuette auf symbolischen 99 Stelzen mit vier Etagen und ohne Naegel, wie das die traditionellen Haeuser hier so an sich haben. Man kann einen Thronsaal sehen, der fuer meinen Geschmack mehr wie eine Thronnische aussieht, mit sieben Stufen bis zum Thron, auf denen Wuerdentraeger in fein hierarchisch abgestufter Manier sitzen koennen. Es gibt auch einen fensterlosen Speisesaal, der recht europaeisch anmutet und fuer nicht wesentlich mehr als 20 Personen reicht. Auch die uebrigen Raeume sind fuer koenigliche Verhaeltnisse eher bescheiden, und die Treppen in die oberen Stockwerke gar voellig "unkoeniglich". Versteh' ich nicht: solche s-teilen S-tiegen braucht man doch nur zu bauen, wenn es einem an Platz mangelt, sonst kann man doch auch schoene bequeme Treppen machen! - Das obere Geschoss besteht aus einem einzigen Raum mit reichlich Fenstern auf allen Seiten. Am schoensten ist die Aussicht ueber den symmetrisch angelegten Palastgarten - vor allem ist es aber schoen luftig.
Zwei Dinge habe ich mir ueber die Provinz Negeri Sembilan gemerkt. Nummer 1: hier gibt es diese "Bueffelhorn"-Haeuser im Minangkabau-Stil mit geschwungenen Dachlinien zu Ehren der (irgendwann - irgendwo, das habe ich mir offensichtlich nicht gemerkt, man kann es aber im Link nachlesen) siegreichen Bueffel. Nummer 2: hier hat der Herrscher nicht so eine "unantastbare" Rolle wie der Sultan in anderen Bundesstaaten, sondern es gibt ein mir recht kompliziert erscheinendes oligarchisches System, in dem er von einer Versammlung von Bezirksherrschern gewaehlt wird ... oder so aehnlich.
Nur ein kurzes Stueck Fahrt vom Palastmuseum entfernt liegt eine megalithische Staette, die gleichzeitig ein muslimischer Friedhof ist. Rein optisch unterscheiden sich die kleinen "Mega"lithen, die nicht groesser als etwa 40-50 cm sind, auch tatsaechlich kaum von den kleinen muslimischen Grabsteinen (die flachen fuer die Frauen, die runden fuer die Maenner - was das wohl wieder bedeuten soll ...).
Am gar nicht mehr ganz fruehen Nachmittag kommen wir in Melaka an. Mr Badrul nimmt nicht den allerdirektesten Weg und laesst uns so schon mal eine angedeutete Stadtrundfahrt angedeihen, bevor wir am Hotel Puri abgeladen werden. Das befindet sich in der auch "millionaire's street" genannten frueheren Heeren-Strasse, in der mal viele reiche Leute gewohnt haben. Auch das Hotel Puri ist ein altes, traditionell strukturiertes (aber natuerlich heftig renoviertes) Gebaeude, das sich frueher in chinesischem Besitz befand. Aus diesen Zeiten bleibt der etwas labyrinthische Eindruck - und vor allem der Charme eines Hauses mit Geschichte und "Persoenlichkeit". Die Hoteliers goennen sich sogar einen Geschichtsraum, klein, aber fein, in dem die Geschichte Melakas und des Hauses erzaehlt und mit allerhand Objekten ansprechend illustriert wird. Genuegt - kein Museum mehr noetig.
Nachdem wir ein schoenes, aber natuerlich finsteres Zimmer bezogen haben, machen wir uns zu einem ersten Rundgang auf. Der Haupteindruck ist, dass die Buergersteige schon hochgeklappt sind. Ausserdem ist offenbar ein chinesisches "Papierverbrennfest", ueberall wird auf der Strasse gezuendelt, zum Teil in grossen Gittereimern, zum Teil "behaelterfrei" in kleinerem Massstab. Manche haben auch nur ein paar Raeucherstaebchen auf dem (dafuer extra heruntergeklappt belassenen) Buergersteig aufgestellt. Ob in Melaka wohl der Kalender nachgeht und der hungrige Geist heute noch gefuettert werden muss? In Penang ist das ja schon alles erledigt ...
Nachdem wir am Fluss angekommen sind und ihn ueberquert haben, stehen wir schon auf dem hollaendischen Platz mit Stadthuys und Christ Church. "Wir haben hollaendische Woche" - oder genauer gesagt: hatten. Laut Plakat war der Zauber gestern vorbei. Aber ausser den Plakaten sind auch noch bergeweise weisse Pavillonzelte uebriggeblieben, die auf dem Foto stoeren, Frechheit!
Hinter dem Stadthuys kann man den St. Paul's-Huegel erklimmen, der von der gleichnamigen Kirche bzw. dem, was davon noch uebrig ist, bekroent wird. Davor blickt ein Heiliger (St. Francis Xavier?) guetig von einem Sockel auf die mehr oder weniger mueden Wanderer herunter. Die Kirche selbst besteht mittlerweile im Wesentlichen aus Waenden, an deren Innenseiten allerhand alte Grabsteine europaeischer Tradition aufgestellt sind. Warum nur muessen die Ecken des kleineren ueberdachten Teils als Toilette missbraucht werden?? In Malaysia gibt es, wie in China, erfreulicherweise fast ueberall oeffentliche Toiletten in ausreichender Anzahl, so dass das ja nun wirklich nicht sein muss. Grrr.
Auf der "Rueckseite" der Kirche sieht man am Fuss des Huegels das Fort A Famosa liegen, aber ein Wegweiser zum hollaendischen Friedhof erscheint uns verlockender, zumal das Licht jetzt fuer ein Foto des Forts schon gaaanz schlecht ist. Auf dem Friedhof gibt es nur recht wenige Graeber (sicher nicht mehr als 40 bis 50, denke ich), das aelteste stammt etwa aus dem Jahr 1670. Die meisten gehoeren Englaendern, die namengebenden Hollaender sind in erschreckender Minderheit.
Nach diesem ersten Rundgang, es ist mittlerweile schon dunkel, gehen wir ueber den Stadthuysplatz und den Fluss zurueck in "unser Viertel", um dort eine Gelegenheit zu finden, unseren Hunger (jaja, Appetit) zu stillen. Aber die Auswahl ist klein, und aus den meisten der (wenigen) geoeffneten Etablissements gaehnt uns eine Versammlung leerer Tische an, o je! Ich dachte, es waere hier touristisch?! Ganz nah beim Hotel liegt ein Laden, in dem es Holzofenpizza gibt: das "Coconut House". Der ist sogar im Reisefuehrerbuch namentlich erwaehnt, oha! Dann gehen wir mal dahin, zumal es jetzt, wo wir auch ein bisschen muede sind, recht bequem ist. Die Vorspeise, die ich bestellen will, ist leider ausgegangen, und die, die Burkhard bestellt, wird erst zum Nachtisch serviert. Alles dauert ziemlich lange, und die Frau, die kellnert, wirkt irgendwie getrieben und gestresst. Dafuer ist die Pizza ausgesprochen lecker, was soll man nun von so einem Laden halten? Mit einem einladenden "must try" ist der Kokoskaffee auf der Speise- bzw. Getraenkekarte gekennzeichnet - aber als ich mir statt Espresso einen bestellen will, sagt mir die Frau doch wirklich, der Kaffee sei ausgegangen. Was ist los?? Ueber solche bloeden Restaurantgeschichten muss ich mich leider immer ueber Gebuehr aergern - das aergert mich ja am meisten, aber es faellt mir furchtbar schwer, diese Art von Aerger einzudaemmen. Auf diese Weise wird das jedenfalls nichts mit dem Geschaeft!
Wahrscheinlich habe ich jetzt bad vibrations - wir sitzen eine kleine Weile "auf" unserem Zimmer, wie man so schoen sagt, als mich ploetzlich das Geraeusch fallender Wassertropfen alarmiert. O je: es "schuettet" aus der Klimaanlage! Die Kissen auf dem darunter stehenden Flechtsofa sind schon in Mitleidenschaft gezogen. Ich ruecke das Sofa ab und schalte die Anlage aus, aber es tropft munter weiter. Na prima. Ich hatte mich doch gerade schon ausgezogen, um ins Bett zu gehen. So ein Mist! Burkhard kommt mit der frohen Botschaft von der Rezeption zurueck, dass wir umziehen duerfen. Also alles wieder einpacken und zwei Zimmer weiter tragen. Da ist auch nicht alles im gruenen Bereich: die Waende sind an zwei Stellen ein wenig schimmelig ... da ist die Klimaanlage wohl auch nicht ganz koscher. Davon abgesehen ist dieses Zimmer auch deutlich kleiner als das urspruengliche. Aber mir ist das jetzt schon alles egal, ich will endlich ins Bett gehen und morgen zurueck in "unser" Zimmer ziehen.
Auf dem Weg zum Fruehstueck ist die grosse "sechseckige" Spinne von gestern samt Netz wieder da (und auf dem Rueckweg wieder weg - ob das ein Kleinkrieg zwischen Spinne und einem Missguenstigen ist, oder ob die Spinne ihr Netz selber tagsueber wieder einholt?), aber was viel besser ist: unter dem Affen-und-Schweinlein-Baum hat sich heute Morgen die ganze Rotte versammelt! (Waehrend von der Horde nichts zu sehen ist, aber das stoert mich ueberhaupt nicht.) Die meisten suchen artgemaess nach kleinen Leckerchen, eins liegt noch gemuetlich "hingesuhlt" da und traeumt vor sich hin. Wenn das kein wunderbarer Ort ist, an dem ich an Chalet No. 88 von Schweinen begruesst und auch wieder verabschiedet werde! Damit kann dieser Tag schon gar nicht mehr schlecht werden! Ich koennte stundenlang gucken, muss mich dann aber doch verabschieden und zum Fruehstueck gehen, sonst verpassen wir am Ende unser Boot - Abfahrt ist um 9 Uhr.
Beim Fruehstueck halten wir uns dementsprechend vorsichtshalber mit den Getraenken zurueck ... nicht, dass wir auf der Fahrt zurueck nach Kuala Tembeling die "Sandbankuebung" wiederholen muessen, diesmal fuer uns. Wenigstens geht die Rueckfahrt deutlich schneller, da stromabwaerts. Fuer dieselben 65 km braucht man in dieser Richtung nur 2 Stunden statt 3. Als wir zum Anleger kommen, liegt da ein schon fast voll besetztes Langboot. Wir werden aufgefordert, gleich vorn auf den ersten beiden Plaetzen einzusteigen, tun das auch, und schon geht's los. Zwar hat man einen Haufen Gepaeck vor sich und die Plaetze sind einen Tick schmaler als weiter hinten, aber sie bieten dafuer mehr Platz fuer die Beine, die man hier fast voellig ausstrecken kann. Wie guenstig - zuletzt kommen und den besten Platz kriegen, ich sag' ja, Taman Negara ist fuer mich ein sehr glueckbringendes Oertchen.
In Kuala Tembeling, wo wir puenktlich um 11 Uhr eintrudeln, wartet Mr Badrul schon auf uns, packt uns und unser Gepaeck in den Bus, und los geht's. Wir muessen jetzt erstmal was trinken, aber wir haben ja immer Wasser dabei. Unsere mitgebrachten "Nuckelflaschen" sind uebrigens recht solide, haben bisher alle Schlaege und Stoesse gut verkraftet und erlauben wegen des "Nuckelprinzips" plemperfreies Trinken in allen Lebenslagen - eine Eigenschaft, die natuerlich weniger wertvoll ist, wenn man immer nur klares Wasser daraus trinkt wie wir. Ich weiss gar nicht, ob das Material auch kohlensaeurehaltige Fluessigkeiten aushalten wuerde ...
Unterwegs machen wir halt am Sultanspalastmuseum Seri Menanti im Bundesstaat Negeri Sembilan. Das ist eine Holzhuette auf symbolischen 99 Stelzen mit vier Etagen und ohne Naegel, wie das die traditionellen Haeuser hier so an sich haben. Man kann einen Thronsaal sehen, der fuer meinen Geschmack mehr wie eine Thronnische aussieht, mit sieben Stufen bis zum Thron, auf denen Wuerdentraeger in fein hierarchisch abgestufter Manier sitzen koennen. Es gibt auch einen fensterlosen Speisesaal, der recht europaeisch anmutet und fuer nicht wesentlich mehr als 20 Personen reicht. Auch die uebrigen Raeume sind fuer koenigliche Verhaeltnisse eher bescheiden, und die Treppen in die oberen Stockwerke gar voellig "unkoeniglich". Versteh' ich nicht: solche s-teilen S-tiegen braucht man doch nur zu bauen, wenn es einem an Platz mangelt, sonst kann man doch auch schoene bequeme Treppen machen! - Das obere Geschoss besteht aus einem einzigen Raum mit reichlich Fenstern auf allen Seiten. Am schoensten ist die Aussicht ueber den symmetrisch angelegten Palastgarten - vor allem ist es aber schoen luftig.
Zwei Dinge habe ich mir ueber die Provinz Negeri Sembilan gemerkt. Nummer 1: hier gibt es diese "Bueffelhorn"-Haeuser im Minangkabau-Stil mit geschwungenen Dachlinien zu Ehren der (irgendwann - irgendwo, das habe ich mir offensichtlich nicht gemerkt, man kann es aber im Link nachlesen) siegreichen Bueffel. Nummer 2: hier hat der Herrscher nicht so eine "unantastbare" Rolle wie der Sultan in anderen Bundesstaaten, sondern es gibt ein mir recht kompliziert erscheinendes oligarchisches System, in dem er von einer Versammlung von Bezirksherrschern gewaehlt wird ... oder so aehnlich.
Nur ein kurzes Stueck Fahrt vom Palastmuseum entfernt liegt eine megalithische Staette, die gleichzeitig ein muslimischer Friedhof ist. Rein optisch unterscheiden sich die kleinen "Mega"lithen, die nicht groesser als etwa 40-50 cm sind, auch tatsaechlich kaum von den kleinen muslimischen Grabsteinen (die flachen fuer die Frauen, die runden fuer die Maenner - was das wohl wieder bedeuten soll ...).
Am gar nicht mehr ganz fruehen Nachmittag kommen wir in Melaka an. Mr Badrul nimmt nicht den allerdirektesten Weg und laesst uns so schon mal eine angedeutete Stadtrundfahrt angedeihen, bevor wir am Hotel Puri abgeladen werden. Das befindet sich in der auch "millionaire's street" genannten frueheren Heeren-Strasse, in der mal viele reiche Leute gewohnt haben. Auch das Hotel Puri ist ein altes, traditionell strukturiertes (aber natuerlich heftig renoviertes) Gebaeude, das sich frueher in chinesischem Besitz befand. Aus diesen Zeiten bleibt der etwas labyrinthische Eindruck - und vor allem der Charme eines Hauses mit Geschichte und "Persoenlichkeit". Die Hoteliers goennen sich sogar einen Geschichtsraum, klein, aber fein, in dem die Geschichte Melakas und des Hauses erzaehlt und mit allerhand Objekten ansprechend illustriert wird. Genuegt - kein Museum mehr noetig.
Nachdem wir ein schoenes, aber natuerlich finsteres Zimmer bezogen haben, machen wir uns zu einem ersten Rundgang auf. Der Haupteindruck ist, dass die Buergersteige schon hochgeklappt sind. Ausserdem ist offenbar ein chinesisches "Papierverbrennfest", ueberall wird auf der Strasse gezuendelt, zum Teil in grossen Gittereimern, zum Teil "behaelterfrei" in kleinerem Massstab. Manche haben auch nur ein paar Raeucherstaebchen auf dem (dafuer extra heruntergeklappt belassenen) Buergersteig aufgestellt. Ob in Melaka wohl der Kalender nachgeht und der hungrige Geist heute noch gefuettert werden muss? In Penang ist das ja schon alles erledigt ...
Nachdem wir am Fluss angekommen sind und ihn ueberquert haben, stehen wir schon auf dem hollaendischen Platz mit Stadthuys und Christ Church. "Wir haben hollaendische Woche" - oder genauer gesagt: hatten. Laut Plakat war der Zauber gestern vorbei. Aber ausser den Plakaten sind auch noch bergeweise weisse Pavillonzelte uebriggeblieben, die auf dem Foto stoeren, Frechheit!
Hinter dem Stadthuys kann man den St. Paul's-Huegel erklimmen, der von der gleichnamigen Kirche bzw. dem, was davon noch uebrig ist, bekroent wird. Davor blickt ein Heiliger (St. Francis Xavier?) guetig von einem Sockel auf die mehr oder weniger mueden Wanderer herunter. Die Kirche selbst besteht mittlerweile im Wesentlichen aus Waenden, an deren Innenseiten allerhand alte Grabsteine europaeischer Tradition aufgestellt sind. Warum nur muessen die Ecken des kleineren ueberdachten Teils als Toilette missbraucht werden?? In Malaysia gibt es, wie in China, erfreulicherweise fast ueberall oeffentliche Toiletten in ausreichender Anzahl, so dass das ja nun wirklich nicht sein muss. Grrr.
Auf der "Rueckseite" der Kirche sieht man am Fuss des Huegels das Fort A Famosa liegen, aber ein Wegweiser zum hollaendischen Friedhof erscheint uns verlockender, zumal das Licht jetzt fuer ein Foto des Forts schon gaaanz schlecht ist. Auf dem Friedhof gibt es nur recht wenige Graeber (sicher nicht mehr als 40 bis 50, denke ich), das aelteste stammt etwa aus dem Jahr 1670. Die meisten gehoeren Englaendern, die namengebenden Hollaender sind in erschreckender Minderheit.
Nach diesem ersten Rundgang, es ist mittlerweile schon dunkel, gehen wir ueber den Stadthuysplatz und den Fluss zurueck in "unser Viertel", um dort eine Gelegenheit zu finden, unseren Hunger (jaja, Appetit) zu stillen. Aber die Auswahl ist klein, und aus den meisten der (wenigen) geoeffneten Etablissements gaehnt uns eine Versammlung leerer Tische an, o je! Ich dachte, es waere hier touristisch?! Ganz nah beim Hotel liegt ein Laden, in dem es Holzofenpizza gibt: das "Coconut House". Der ist sogar im Reisefuehrerbuch namentlich erwaehnt, oha! Dann gehen wir mal dahin, zumal es jetzt, wo wir auch ein bisschen muede sind, recht bequem ist. Die Vorspeise, die ich bestellen will, ist leider ausgegangen, und die, die Burkhard bestellt, wird erst zum Nachtisch serviert. Alles dauert ziemlich lange, und die Frau, die kellnert, wirkt irgendwie getrieben und gestresst. Dafuer ist die Pizza ausgesprochen lecker, was soll man nun von so einem Laden halten? Mit einem einladenden "must try" ist der Kokoskaffee auf der Speise- bzw. Getraenkekarte gekennzeichnet - aber als ich mir statt Espresso einen bestellen will, sagt mir die Frau doch wirklich, der Kaffee sei ausgegangen. Was ist los?? Ueber solche bloeden Restaurantgeschichten muss ich mich leider immer ueber Gebuehr aergern - das aergert mich ja am meisten, aber es faellt mir furchtbar schwer, diese Art von Aerger einzudaemmen. Auf diese Weise wird das jedenfalls nichts mit dem Geschaeft!
Wahrscheinlich habe ich jetzt bad vibrations - wir sitzen eine kleine Weile "auf" unserem Zimmer, wie man so schoen sagt, als mich ploetzlich das Geraeusch fallender Wassertropfen alarmiert. O je: es "schuettet" aus der Klimaanlage! Die Kissen auf dem darunter stehenden Flechtsofa sind schon in Mitleidenschaft gezogen. Ich ruecke das Sofa ab und schalte die Anlage aus, aber es tropft munter weiter. Na prima. Ich hatte mich doch gerade schon ausgezogen, um ins Bett zu gehen. So ein Mist! Burkhard kommt mit der frohen Botschaft von der Rezeption zurueck, dass wir umziehen duerfen. Also alles wieder einpacken und zwei Zimmer weiter tragen. Da ist auch nicht alles im gruenen Bereich: die Waende sind an zwei Stellen ein wenig schimmelig ... da ist die Klimaanlage wohl auch nicht ganz koscher. Davon abgesehen ist dieses Zimmer auch deutlich kleiner als das urspruengliche. Aber mir ist das jetzt schon alles egal, ich will endlich ins Bett gehen und morgen zurueck in "unser" Zimmer ziehen.
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Sonntag, 16. September 2007
Sonntag, 9. September 2007: Taman Negara
Heute haben wir noch einen ganzen Tag im Nationalpark. Ich hatte gestern gar nicht die Vorteile des Regens hervorgehoben: es war im Urwald so nass, dass die Egel alle schoen zu Hause geblieben sind. Keine Attacken, keine Bisse - prima! Mal sehen, wie es heute vormittag wird, denn da steht der Jungle Walk bei Tag auf dem Programm. Vorher gehen wir aber erstmal fruehstuecken. Unterwegs faellt uns ein riesiges Spinnenradnetz auf. Es ist etwas schlampig gewebt, aber hat dafuer einen Durchmesser von bestimmt einem Meter. Und die Besitzerin sitzt mittendrin: eine ganz seltsame Spinne, die ein bisschen sechseckig wirkt und so aussieht, als haette sie einen leicht angeschimmelten Panzer - so eine in dieser Richtung habe ich noch nie gesehen. Und sie ist immerhin fuenfmarkstueckgross, oder heisst das heute zweieurostueckgross? Auf dem Rueckweg vom Fruehstueck sind Netz und Spinne weg.
Um halb zehn steht Ismail vor der Tuer, es geht los. Nach den wilden Schweinen befragt berichtet er, dass mal ein Schwein einer Touristin zwei Finger abgebissen habe. Boese Sache das, aber ich denke, dass man dem Schwein keinen Vorwurf machen kann. Wie man weiss, sind die Borstentiere ja etwas gierig, wenn's ums Essen geht, und Wildtiere fressen eben nicht fein saeuberlich aus der Hand ... Wenn man sie schon fuettern will, muss man ihnen die Happen halt hinwerfen.
Dann geht es in den Wald hinein - bei Tag sieht alles ganz anders aus. Zu meiner grossen Ueberraschung ist nichts mehr uebrig von der naechtlichen Seenplatte auf dem recht ausgetretenen Pfad. (Hier sind halt wirklich richtig viele Leute unterwegs, und ich bin noch unentschieden, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Natuerlich daempft es das Naturerlebnis ein bisschen, wenn einem dauernd wer begegnet, und natuerlich sind die Pfade dann arg ausgetreten - andererseits sind sie gewartet und, wo noetig, ein wenig befestigt, damit nicht drumherum auch noch alles ausgetreten wird, so dass die Menschenstroeme kanalisiert sind. Und schliesslich sollten viele Leute in den Regenwald gehen und sich von dieser ueberbordenden Natur anruehren lassen und erkennen, dass es hier einen Schatz zu hueten gilt. [Jawohl, Frau Oberlehrerin!])
Ismail zeigt uns als erstes eine Sandpapier-Pflanze. Die heisst natuerlich so, weil sie sich so anfuehlt und auch zu denselben Zwecken von den Orang Asli verwendet wird: Holzoberflaechen polieren, Fingernaegel feilen etc. - wenn ich jetzt so davon schreibe, faellt mir auf, dass er uns allerdings nicht erzaehlt hat, was die Pflanze selbst damit bezweckt. Ausserdem weist er uns auch auf die wichtigsten Baumarten und ihre jeweilige Nutzung hin. Natuerlich sind nur ausgewaehlte Arten zum Bau von Haeusern und Booten geeignet - die meisten werden im dauernden Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit zu schnell rissig.
Ein anderer Fuehrer hat irgendwo in einem Baum eine gruene Schlange entdeckt - praktisch unmoeglich, wenn sie sich nicht gerade bewegt. Und waehrend wir sie bewundern und fotografieren, haelt sie wunderbar still.
Wir steuern als erstes den canopy walkway an - ich weiss immer noch nicht, was eine treffende Uebersetzung waere. Baumkronenspazierweg? Na ja ... Jedenfalls herrscht hier ein ziemlicher Andrang, und wir muessen erst einmal Schlange sitzen. Vielleicht ganz gut, denn es ging natuerlich schon mal ziemlich bergauf, um zum Eingang zu gelangen - es liegt in der Natur der Sache, dass die Baumkronen sich halt ganz oben befinden, teilweise geht es von der Bretterbruecke 40 Meter in die Tiefe. So koennen wir jedenfalls im Halbschatten sitzen und uns abkuehlen. Und sooo lange muessen wir ja auch wieder nicht warten, hatte Ismail uns doch Schauergeschichten von Tagen erzaehlt, an denen man dreieinhalb (!) Stunden ausharren musste, ehe man dran war. Dann heisst es zwei oder drei Etagen im Eingangsturm hochsteigen und darauf warten, dass man die Anweisung bekommt, jetzt loszugehen. Aus dem Augenwinkel sehe ich ploetzlich etwas auf meiner Hand - oha! ein Egel! So haben wir nicht gewettet, und er lernt rasch das Fliegen, bevor er noch sein Mahl beginnen kann. Wo kam der denn jetzt her?? Aber egal, ich bin jetzt dran. Immer schoen 5 m Abstand zum Vorhergehenden halten. Gut, dass jetzt keine Angsthasen dabei sind, die sich nur zentimeterweise vorwaertsbewegen - dann wuerde hier das totale Chaos ausbrechen. Man hat etwa 230 m Weg vor sich mit 4 oder 5 Plattformen, glaube ich - und es sieht nicht viel anders aus als im FRIM oder am Penang Hill, nur dass es da "privater" war und man etwas mehr Zeit hatte, sich umzusehen. Insgesamt gibt es etwa 500 m, aber davon ist wohl immer ein nennenswerter Teil zur Ueberholung geschlossen.
Danach muessen wir wieder zum Eingang des canopy walkway gehen, wo Ismail auf uns wartet. Das heisst relativ steil bergab - wie gemein, ist unser naechstes Ziel doch der Bukit Teresek, der Teresek-Huegel. Das heisst relativ steil bergauf, aechz! Fuer den Hinweg waehlen wir den Waldweg. Die flachwurzelnden Baumriesen schaffen mit ihrem Wurzelwerk fast so etwas wie Treppen, es ist also kein wirklich schwieriger Weg, zumal er ja, wie schon erwaehnt, relativ ausgetreten ist. Aber die "Stufen" sind teilweise doch recht hoch, und nicht ueberall kann man seinen Fuss gut setzen, so dass es im feucht-heissen Wald fuer so Durchtrainierte wie uns anstrengend ist. Auf jeden Fall sehen aber die "Wurzeltreppen" beeindruckend aus.
Es gibt zwei Aussichtspunkte, von denen man ueber scheinbar endlose bewaldete Huegel und Berge gucken kann. Nachdem wir hinter dem ersten Aussichtspunkt die Huegelkuppe (wahnsinnige 370 Meter, wow!) ueberwunden haben, geht es zum zweiten schon wieder 30 Meter herunter. In der Ferne liegt der Gunung Tahan, der Tahan-Berg also. Da kann man auch hinwandern - man, nicht ich. Es sind 55 km, fuer die man eine Sieben-Tage-Tour veranschlagen muss, bei der es natuerlich nicht von Hotel zu Hotel geht. Man ist also schlechter dran als eine Schnecke: die muss nur ihr Haus tragen, hier muss man sich aber zusaetzlich noch seine gesamten Lebensmittel auf den Ruecken laden. Heute koennen wir den Berg aber kaum sehen, denn es ist nicht klar - die ganze Feuchtigkeit, die der gestrige Regen gebracht hat, steigt wieder in die Wolken. So sehen wir kaum etwas ausser den naeher gelegenen Huegeln und den gelben Fluessen unten, auf denen ein paar Langboote zu sehen sind. Ausserdem gibt es hier oben kleine schwarze Bienen und ein paar einzelne Riesenameisen, gut 1 cm lang. Die findet man immer nur einzeln, obwohl sie wohl auch Staaten bilden. Wieviele Ameisenarten es wohl hier gibt? Schon als Laie sieht man ja von den ganz winzigen, die auch gern in den Hotelzimmern herumkrabbeln und weniger als 1 mm lang sind, bis hin zu den erwaehnten Riesenexemplaren ganz verschiedene, was moegen da erst die Biologen herausfinden!
Und ob die Vielfalt der Grashuepfer (sind eigentlich Grashuepfer und Heuschrecken dasselbe?) wohl groesser oder kleiner ist als die der Ameisen? Heute finde ich ein schwarz-gelb geflecktes Exemplar. Ansonsten sind weniger Insekten zu sehen. Das ist auch so eine Sache: der ganze Urwald ist voll mit Abertausenden von Tieren, und man hat Glueck, wenn man ueberhaupt eins sieht. Burkhard hat insofern noch ein bisschen mehr Glueck, als er einen Waran ausmachen kann. Die heissen auf Englisch monitor lizard, also Waechter- oder Warnechse. Keine Ahnung, wen die vor wem oder was warnen.
Aber zurueck zu unserer Huegelbesteigung. Fuer den Weg hinunter nehmen wir nicht die Baumwurzeltreppe, sondern eine von Menschen gebaute. Aus Plastikplanken, die ein bisschen wabern und bei denen Ismail (kein Waran) uns hin und wieder warnen muss, auf welche Ecken wir besser nicht treten - wer hat denn dieses Material ausgewaehlt?? Und sooo bequem ist diese Treppe auch nicht, denn viele der Stufen sind fast kniehoch - jetzt verstehe ich auch, warum er fuer den Aufstieg davon abgeraten hat. Selbst hinunter ist es nicht besonders angenehm, und gelenkschonend fuehlt es sich auf Dauer auch nicht an.
Nach etwa 3 oder 4 Stunden sind wir wieder zurueck an Nr. 88 und halten erst einmal eine kleine Siesta, bevor wir uns auf eigene Faust noch einmal aufmachen. Hier kann man das, weil die Wege gut markiert sind - ansonsten ist davon abzuraten. Gleich hinter unserer Huette geht es zum swamp loop. Unterwegs sehen wir eine neue Art "bewaffneter Ranken". Es handelt sich wohl um eine weitere Rattanart, die alle paar Zentimeter eine Zackenreihe ausklappt. Das erinnert an abstehende Bastroeckchen und sieht sehr dekorativ aus. An irgendeiner Stelle finden wir dann, dass der Weg nicht gut genug markiert ist, und gehen lieber zurueck, ohne den Rundweg zu vollenden - zumal der Grad an Feuchtigkeit jetzt den Egeln angenehm ist. Da gehen wir doch lieber noch zum Tahan Hide, einer Versteckhuette mit Blick auf den Tahan-Berg, in der die ganz Unentwegten sich fuer die Nacht einrichten koennen, um vielleicht groessere Tiere zu beobachten, die sich eventuell auf der Lichtung davor ein Stelldichein geben. Im Morgengrauen soll da mal ein schwarz-weisser malaysischer Tapir gesichtet worden sein, sagt Ismail, der schon gar nicht mehr blutjung aussieht und nach eigenen Angaben im letzten Monat zum ersten Mal in seinem Leben einen zu Gesicht bekommen hat. Och noe, da gehe ich doch lieber schlafen. Aber vorher gibt's noch einen five o'clock tea im Restaurant, um den Fluessigkeitsspiegel auf angenehme Weise zu erhoehen. Aber nur Tee und Getraenke, nix da Kuchen oder Scones oder sonstige Esswaren!
Am Himmel zeigt sich jetzt ein knatschblauer Streifen zwischen dicken weissen und grauen Wolken, der sich ziemlich lange haelt. Wir lungern ein bisschen auf dem Resortgelaende herum und finden am dicken Baum am Restauranteingang noch einen Waran, der da im wahrsten Sinne des Wortes abhaengt. Er scheint sich in die Rinde gekrallt zu haben und haengt nun wirklich wie ein nasser Sack an den vier Pfoten (oder wie heissen diese Koerperteile bei Echsen?). Es gibt eine Tafel, die zeigt, welche Tiere man ueblicherweise wann und wo auf dem Gelaende beobachten kann, und da steht "Monitor lizard - Restaurant - 7:30 am to 7:30 pm". Ach so, er hat noch nicht Feierabend, aber schon keine Lust mehr ... geht mir auch manchmal so. :-)) Wir gehen noch einmal zu unserem Chalet, ich mit der leisen Hoffnung, nochmal den Schweinen zu begegnen. Leider wird diese Hoffnung nur teilerfuellt. Unter einem Baum sitzt eine Horde Affen - und mittendrin ein einzelnes Schweinchen, so ein kleines, gestreiftes. Wie suess! Waehrend die Affen etwas nervoes sind und zwischendurch immer mal im Baum verschwinden oder lautstark ueber das Dach des angrenzenden Gebaeudes toben, wuehlt das Schweinlein in Ruhe alles durch und laesst sich durch die Scharen gutwilliger Beobachter dabei nicht im geringsten stoeren. Ein bisschen Sorgen mache ich mir aber doch: so ein einzelnes Schwein ohne die Rotte? Da ist doch was nicht ganz in Ordnung, Schweine haben doch ein ausgepraegtes Sozialleben ...
Danach gehen wir wieder ins Restaurant und goennen uns ein ausfuehrliches Drei-Gaenge-Abendessen und noch einen Cocktail. Anschliessend suchen wir den Videoraum, und das Reisefuehrerbuch hatte ganz recht: abends um viertel vor neun gibt es noch eine Vorfuehrung, die wir also besuchen, nicht ohne die 10 Minuten Wartezeit vorher mit einer Sichtung der kleinen Sammlung von Informationstafeln ueber Tiere, Pflanzen, Geschichte etc. des Nationalparks zu fuellen. Auf dem Weg dahin gibt es noch naechtliche Insekten zu bestaunen: Burkhard hat fast auf eine Zikade getreten, die offenbar leichtfertig mitten auf dem unbeleuchteten Weg sass und den vermeintlichen Angriff mit einem wuetenden Zirpen quittiert, das Burkhard schon alarmiert beiseite springen laesst. Es klapperten die Klapperschlangen ...?! Der Foto-Jagdinstinkt ist geweckt. Ich fange dann noch einen Nachtfalter, eine kleine Echse und einen dicken Kaefer (mit der Kamera ein, versteht sich), alles auf dem Weg zum Videoraum. Die Vorfuehrung ist nett und zeigt einem natuerlich auch das, was man ohne weiteres nicht zu Gesicht bekommt. Insofern eine gute Ergaenzung. Anschliessend erwerben wir in der Souvenirabteilung des Minimarkts eine Video-CD, man darf gespannt sein.
Auf dem Weg zurueck zu unserem Chalet finden wir dann noch mehr Insekten. Der grosse Nachtfalter laesst Burkhard keine Ruhe mehr: den muss er ja wohl selbst fotografieren, also rasch vorgelaufen und den Apparat geholt! Alldieweil fange ich das braun-weisse Insekt mit den 2 je handgrossen Fluegeln mit meinen Mitteln schon mal ein, bevor die grosse naechtliche Fotosafari beginnt. Hach, ist das aufregend! Wir trauen uns bis an den Rand des Dschungels, wo ich per Taschenlampe einen anderen Nachtfalter finde, weil sein grosses Auge roetlich reflektiert, und eine biolumineszente Raupe. Wirklich aufregend. Zwischendurch faengt es noch an zu regnen, wie laestig, Burkhard meint, wir brauchen einen Schirm, der uns dann hinterher die ganze Zeit im Weg ist - aber egal. Wir koennen uns kaum losreissen und kommen erst relativ spaet ins Bett.
Um halb zehn steht Ismail vor der Tuer, es geht los. Nach den wilden Schweinen befragt berichtet er, dass mal ein Schwein einer Touristin zwei Finger abgebissen habe. Boese Sache das, aber ich denke, dass man dem Schwein keinen Vorwurf machen kann. Wie man weiss, sind die Borstentiere ja etwas gierig, wenn's ums Essen geht, und Wildtiere fressen eben nicht fein saeuberlich aus der Hand ... Wenn man sie schon fuettern will, muss man ihnen die Happen halt hinwerfen.
Dann geht es in den Wald hinein - bei Tag sieht alles ganz anders aus. Zu meiner grossen Ueberraschung ist nichts mehr uebrig von der naechtlichen Seenplatte auf dem recht ausgetretenen Pfad. (Hier sind halt wirklich richtig viele Leute unterwegs, und ich bin noch unentschieden, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Natuerlich daempft es das Naturerlebnis ein bisschen, wenn einem dauernd wer begegnet, und natuerlich sind die Pfade dann arg ausgetreten - andererseits sind sie gewartet und, wo noetig, ein wenig befestigt, damit nicht drumherum auch noch alles ausgetreten wird, so dass die Menschenstroeme kanalisiert sind. Und schliesslich sollten viele Leute in den Regenwald gehen und sich von dieser ueberbordenden Natur anruehren lassen und erkennen, dass es hier einen Schatz zu hueten gilt. [Jawohl, Frau Oberlehrerin!])
Ismail zeigt uns als erstes eine Sandpapier-Pflanze. Die heisst natuerlich so, weil sie sich so anfuehlt und auch zu denselben Zwecken von den Orang Asli verwendet wird: Holzoberflaechen polieren, Fingernaegel feilen etc. - wenn ich jetzt so davon schreibe, faellt mir auf, dass er uns allerdings nicht erzaehlt hat, was die Pflanze selbst damit bezweckt. Ausserdem weist er uns auch auf die wichtigsten Baumarten und ihre jeweilige Nutzung hin. Natuerlich sind nur ausgewaehlte Arten zum Bau von Haeusern und Booten geeignet - die meisten werden im dauernden Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit zu schnell rissig.
Ein anderer Fuehrer hat irgendwo in einem Baum eine gruene Schlange entdeckt - praktisch unmoeglich, wenn sie sich nicht gerade bewegt. Und waehrend wir sie bewundern und fotografieren, haelt sie wunderbar still.
Wir steuern als erstes den canopy walkway an - ich weiss immer noch nicht, was eine treffende Uebersetzung waere. Baumkronenspazierweg? Na ja ... Jedenfalls herrscht hier ein ziemlicher Andrang, und wir muessen erst einmal Schlange sitzen. Vielleicht ganz gut, denn es ging natuerlich schon mal ziemlich bergauf, um zum Eingang zu gelangen - es liegt in der Natur der Sache, dass die Baumkronen sich halt ganz oben befinden, teilweise geht es von der Bretterbruecke 40 Meter in die Tiefe. So koennen wir jedenfalls im Halbschatten sitzen und uns abkuehlen. Und sooo lange muessen wir ja auch wieder nicht warten, hatte Ismail uns doch Schauergeschichten von Tagen erzaehlt, an denen man dreieinhalb (!) Stunden ausharren musste, ehe man dran war. Dann heisst es zwei oder drei Etagen im Eingangsturm hochsteigen und darauf warten, dass man die Anweisung bekommt, jetzt loszugehen. Aus dem Augenwinkel sehe ich ploetzlich etwas auf meiner Hand - oha! ein Egel! So haben wir nicht gewettet, und er lernt rasch das Fliegen, bevor er noch sein Mahl beginnen kann. Wo kam der denn jetzt her?? Aber egal, ich bin jetzt dran. Immer schoen 5 m Abstand zum Vorhergehenden halten. Gut, dass jetzt keine Angsthasen dabei sind, die sich nur zentimeterweise vorwaertsbewegen - dann wuerde hier das totale Chaos ausbrechen. Man hat etwa 230 m Weg vor sich mit 4 oder 5 Plattformen, glaube ich - und es sieht nicht viel anders aus als im FRIM oder am Penang Hill, nur dass es da "privater" war und man etwas mehr Zeit hatte, sich umzusehen. Insgesamt gibt es etwa 500 m, aber davon ist wohl immer ein nennenswerter Teil zur Ueberholung geschlossen.
Danach muessen wir wieder zum Eingang des canopy walkway gehen, wo Ismail auf uns wartet. Das heisst relativ steil bergab - wie gemein, ist unser naechstes Ziel doch der Bukit Teresek, der Teresek-Huegel. Das heisst relativ steil bergauf, aechz! Fuer den Hinweg waehlen wir den Waldweg. Die flachwurzelnden Baumriesen schaffen mit ihrem Wurzelwerk fast so etwas wie Treppen, es ist also kein wirklich schwieriger Weg, zumal er ja, wie schon erwaehnt, relativ ausgetreten ist. Aber die "Stufen" sind teilweise doch recht hoch, und nicht ueberall kann man seinen Fuss gut setzen, so dass es im feucht-heissen Wald fuer so Durchtrainierte wie uns anstrengend ist. Auf jeden Fall sehen aber die "Wurzeltreppen" beeindruckend aus.
Es gibt zwei Aussichtspunkte, von denen man ueber scheinbar endlose bewaldete Huegel und Berge gucken kann. Nachdem wir hinter dem ersten Aussichtspunkt die Huegelkuppe (wahnsinnige 370 Meter, wow!) ueberwunden haben, geht es zum zweiten schon wieder 30 Meter herunter. In der Ferne liegt der Gunung Tahan, der Tahan-Berg also. Da kann man auch hinwandern - man, nicht ich. Es sind 55 km, fuer die man eine Sieben-Tage-Tour veranschlagen muss, bei der es natuerlich nicht von Hotel zu Hotel geht. Man ist also schlechter dran als eine Schnecke: die muss nur ihr Haus tragen, hier muss man sich aber zusaetzlich noch seine gesamten Lebensmittel auf den Ruecken laden. Heute koennen wir den Berg aber kaum sehen, denn es ist nicht klar - die ganze Feuchtigkeit, die der gestrige Regen gebracht hat, steigt wieder in die Wolken. So sehen wir kaum etwas ausser den naeher gelegenen Huegeln und den gelben Fluessen unten, auf denen ein paar Langboote zu sehen sind. Ausserdem gibt es hier oben kleine schwarze Bienen und ein paar einzelne Riesenameisen, gut 1 cm lang. Die findet man immer nur einzeln, obwohl sie wohl auch Staaten bilden. Wieviele Ameisenarten es wohl hier gibt? Schon als Laie sieht man ja von den ganz winzigen, die auch gern in den Hotelzimmern herumkrabbeln und weniger als 1 mm lang sind, bis hin zu den erwaehnten Riesenexemplaren ganz verschiedene, was moegen da erst die Biologen herausfinden!
Und ob die Vielfalt der Grashuepfer (sind eigentlich Grashuepfer und Heuschrecken dasselbe?) wohl groesser oder kleiner ist als die der Ameisen? Heute finde ich ein schwarz-gelb geflecktes Exemplar. Ansonsten sind weniger Insekten zu sehen. Das ist auch so eine Sache: der ganze Urwald ist voll mit Abertausenden von Tieren, und man hat Glueck, wenn man ueberhaupt eins sieht. Burkhard hat insofern noch ein bisschen mehr Glueck, als er einen Waran ausmachen kann. Die heissen auf Englisch monitor lizard, also Waechter- oder Warnechse. Keine Ahnung, wen die vor wem oder was warnen.
Aber zurueck zu unserer Huegelbesteigung. Fuer den Weg hinunter nehmen wir nicht die Baumwurzeltreppe, sondern eine von Menschen gebaute. Aus Plastikplanken, die ein bisschen wabern und bei denen Ismail (kein Waran) uns hin und wieder warnen muss, auf welche Ecken wir besser nicht treten - wer hat denn dieses Material ausgewaehlt?? Und sooo bequem ist diese Treppe auch nicht, denn viele der Stufen sind fast kniehoch - jetzt verstehe ich auch, warum er fuer den Aufstieg davon abgeraten hat. Selbst hinunter ist es nicht besonders angenehm, und gelenkschonend fuehlt es sich auf Dauer auch nicht an.
Nach etwa 3 oder 4 Stunden sind wir wieder zurueck an Nr. 88 und halten erst einmal eine kleine Siesta, bevor wir uns auf eigene Faust noch einmal aufmachen. Hier kann man das, weil die Wege gut markiert sind - ansonsten ist davon abzuraten. Gleich hinter unserer Huette geht es zum swamp loop. Unterwegs sehen wir eine neue Art "bewaffneter Ranken". Es handelt sich wohl um eine weitere Rattanart, die alle paar Zentimeter eine Zackenreihe ausklappt. Das erinnert an abstehende Bastroeckchen und sieht sehr dekorativ aus. An irgendeiner Stelle finden wir dann, dass der Weg nicht gut genug markiert ist, und gehen lieber zurueck, ohne den Rundweg zu vollenden - zumal der Grad an Feuchtigkeit jetzt den Egeln angenehm ist. Da gehen wir doch lieber noch zum Tahan Hide, einer Versteckhuette mit Blick auf den Tahan-Berg, in der die ganz Unentwegten sich fuer die Nacht einrichten koennen, um vielleicht groessere Tiere zu beobachten, die sich eventuell auf der Lichtung davor ein Stelldichein geben. Im Morgengrauen soll da mal ein schwarz-weisser malaysischer Tapir gesichtet worden sein, sagt Ismail, der schon gar nicht mehr blutjung aussieht und nach eigenen Angaben im letzten Monat zum ersten Mal in seinem Leben einen zu Gesicht bekommen hat. Och noe, da gehe ich doch lieber schlafen. Aber vorher gibt's noch einen five o'clock tea im Restaurant, um den Fluessigkeitsspiegel auf angenehme Weise zu erhoehen. Aber nur Tee und Getraenke, nix da Kuchen oder Scones oder sonstige Esswaren!
Am Himmel zeigt sich jetzt ein knatschblauer Streifen zwischen dicken weissen und grauen Wolken, der sich ziemlich lange haelt. Wir lungern ein bisschen auf dem Resortgelaende herum und finden am dicken Baum am Restauranteingang noch einen Waran, der da im wahrsten Sinne des Wortes abhaengt. Er scheint sich in die Rinde gekrallt zu haben und haengt nun wirklich wie ein nasser Sack an den vier Pfoten (oder wie heissen diese Koerperteile bei Echsen?). Es gibt eine Tafel, die zeigt, welche Tiere man ueblicherweise wann und wo auf dem Gelaende beobachten kann, und da steht "Monitor lizard - Restaurant - 7:30 am to 7:30 pm". Ach so, er hat noch nicht Feierabend, aber schon keine Lust mehr ... geht mir auch manchmal so. :-)) Wir gehen noch einmal zu unserem Chalet, ich mit der leisen Hoffnung, nochmal den Schweinen zu begegnen. Leider wird diese Hoffnung nur teilerfuellt. Unter einem Baum sitzt eine Horde Affen - und mittendrin ein einzelnes Schweinchen, so ein kleines, gestreiftes. Wie suess! Waehrend die Affen etwas nervoes sind und zwischendurch immer mal im Baum verschwinden oder lautstark ueber das Dach des angrenzenden Gebaeudes toben, wuehlt das Schweinlein in Ruhe alles durch und laesst sich durch die Scharen gutwilliger Beobachter dabei nicht im geringsten stoeren. Ein bisschen Sorgen mache ich mir aber doch: so ein einzelnes Schwein ohne die Rotte? Da ist doch was nicht ganz in Ordnung, Schweine haben doch ein ausgepraegtes Sozialleben ...
Danach gehen wir wieder ins Restaurant und goennen uns ein ausfuehrliches Drei-Gaenge-Abendessen und noch einen Cocktail. Anschliessend suchen wir den Videoraum, und das Reisefuehrerbuch hatte ganz recht: abends um viertel vor neun gibt es noch eine Vorfuehrung, die wir also besuchen, nicht ohne die 10 Minuten Wartezeit vorher mit einer Sichtung der kleinen Sammlung von Informationstafeln ueber Tiere, Pflanzen, Geschichte etc. des Nationalparks zu fuellen. Auf dem Weg dahin gibt es noch naechtliche Insekten zu bestaunen: Burkhard hat fast auf eine Zikade getreten, die offenbar leichtfertig mitten auf dem unbeleuchteten Weg sass und den vermeintlichen Angriff mit einem wuetenden Zirpen quittiert, das Burkhard schon alarmiert beiseite springen laesst. Es klapperten die Klapperschlangen ...?! Der Foto-Jagdinstinkt ist geweckt. Ich fange dann noch einen Nachtfalter, eine kleine Echse und einen dicken Kaefer (mit der Kamera ein, versteht sich), alles auf dem Weg zum Videoraum. Die Vorfuehrung ist nett und zeigt einem natuerlich auch das, was man ohne weiteres nicht zu Gesicht bekommt. Insofern eine gute Ergaenzung. Anschliessend erwerben wir in der Souvenirabteilung des Minimarkts eine Video-CD, man darf gespannt sein.
Auf dem Weg zurueck zu unserem Chalet finden wir dann noch mehr Insekten. Der grosse Nachtfalter laesst Burkhard keine Ruhe mehr: den muss er ja wohl selbst fotografieren, also rasch vorgelaufen und den Apparat geholt! Alldieweil fange ich das braun-weisse Insekt mit den 2 je handgrossen Fluegeln mit meinen Mitteln schon mal ein, bevor die grosse naechtliche Fotosafari beginnt. Hach, ist das aufregend! Wir trauen uns bis an den Rand des Dschungels, wo ich per Taschenlampe einen anderen Nachtfalter finde, weil sein grosses Auge roetlich reflektiert, und eine biolumineszente Raupe. Wirklich aufregend. Zwischendurch faengt es noch an zu regnen, wie laestig, Burkhard meint, wir brauchen einen Schirm, der uns dann hinterher die ganze Zeit im Weg ist - aber egal. Wir koennen uns kaum losreissen und kommen erst relativ spaet ins Bett.
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Samstag, 15. September 2007
Samstag, 8. September 2007: Nationalpark
So, heute muessen wir RICHTIG frueh aufstehen, denn es soll in den Nationalpark Taman Negara (das heisst woertlich einfach nur Nationalpark) gehen. Der beginnt zwar am unteren Ende des Kenyir-Sees, aber da das ein nicht allzu kleines Stueck 130 Millionen Jahre (staunen!) alter Regenwald ist, fuehrt kein Strassennetz durch. Wir muessen statt dessen aussenherum fahren: nach Osten zur Kueste, dann nach Sueden, dann wieder nach Westen ins Landesinnere nach KualaTembeling, wo sich der Schiffsanleger fuer die Langboote befindet, mit denen man dann wieder nach Norden in den Park hinein faehrt (man bleibt natuerlich am Rand). Bis nach Kuala Tembeling sind es wiederum 450 km, und diesmal ist es nicht egal, wann wir ankommen, denn die Schiffe fahren um 13:30 Uhr. Und natuerlich ist da auch keine Autobahn, sondern es handelt sich wieder um eine laengliche Ueberlandfahrt. Also verordnet uns Mr Badrul Abfahrt um 6:30 Uhr. Um diese Uhrzeit gibt es noch kein Fruehstueck. Wir haben schon am Vorabend ausgecheckt und muessen heute in noch naechtlicher Dunkelheit nur den Schluessel abgeben und unsere Fruehstueckspakete abholen. Die bestehen aus je zwei von diesen dreieckigen Schlabbertoastsandwiches, einem Mini-Muffin, einem Mini-Aepfelchen und einer Flasche Wasser. Hm.
Jedenfalls kommen wir puenktlich weg, koennen bald darauf den Sonnenaufgang miterleben (allerdings ohne spektakulaere Bilder) und haben zwischendurch noch Zeit, uns die Methoden der Oelpalmenernte und der Naturlatexgewinnung aus der Naehe anzusehen. Oelpalmen und Gummibaeume waren ja lange Zeit neben dem Zinn DIE Einkunftsquellen Malaysias, wie ich vermutlich schon mal erwaehnte.
Oelpalmen sind recht produktive Pflanzen. Nach dem 3. Jahr beginnen sie, Fruechte zu tragen: in grossen, mehr oder weniger eifoermigen Fruchtstaenden (bestimmt einen halben Meter lang) gebuendelt sitzen mehrere hundert kleine (ca. 5-8 cm lange) ovale Fruechtchen, die, wenn sie reif sind, rotbraun aussehen. Pro Jahr bringt eine Palme bis zu 10 solcher Fruchtstaende hervor, die zwischen den Palmwedeln sitzen. Nach 30 Jahren ist es dann vorbei mit der Fruchtbarkeit, und die Palmen werden "umgebracht", um Raum fuer die schon dazwischen gepflanzten Nachfolger zu schaffen. Dazu werden sie mittels einer nicht naeher erlaeuterten Chemikalie getoetet. Das Holz, keine gute Qualitaet, verbleibt entweder als Duengemittel in der Plantage oder loest sich als Feuerholz in Rauch auf.
Aber nun zur eigentlichen Ernte: Die Baeume sind jung mehr wie Straeucher, denn dann haben sie ja noch keinen Stamm entwickelt. Spaeter werden sie aber mindestens 10 m hoch. Man muss sich also zur Ernte was einfallen lassen. Die Malaysier haben sich einfach eine Sichel am Stiel einfallen lassen, die der Arbeiter, dem wir zusehen, gut handzuhaben weiss. Das stelle ich mir gar nicht einfach vor: ein Teleskopstiel, dessen Laenge man passend zur Hoehe der abzuerntenden Palmen einstellen kann, mit einer vermutlich nicht leichten, langen, sehr scharfen gebogenen Klinge am Ende - mir erscheint das ziemlich sperrig. Man muss also den Fruchtstand orten, der sich, wie gesagt, zwischen den Blaettern verbirgt, dann zuerst die unteren Blaetter dicht am Stamm abschneiden und dann den Fruchtstand. Dabei passt man tunlichst auf, dass einem weder das eine noch das andere auf den Kopf oder sonstwohin faellt. Ausserdem passt man auf, wo man hintritt, denn speziell unter abgeschlagenen Palmwedeln oder auch einfach so leben Wesen, die, wenn sie sich angegriffen fuehlen, giftig reagieren: z.B. Koenigskobras. Aber sie sind nicht aggressiv, sondern schlaengeln sich normalerweise davon, wenn sie jemanden kommen hoeren. Schlangen sind ja durchaus gewuenscht in den Plantagen, halten sie doch die Ratten in Schach, die sich sonst auch gern an der Ernte guetlich tun.
Die abgeschlagenen Fruchtstaende muessen dann noch zum Strassenrand transportiert werden (vermutlich geschleppt - getragen werden koennen die nicht, dazu sind sie zu schwer), wo sie vom Ernteeinsammel-LKW aufgelesen werden. Und fuer die ganze oede Plackerei gibt's 30 bis 40 Ringgit am Tag …
Die Latexernte sieht weniger nach koerperlicher Schwerstarbeit aus, sondern mehr nach praeziser Pflege und Unterhaltung. Wir gehen in eine Plantage hinein. Den Gummibaeumen wird auf ca. 2/3 (3/4?) des Stamms in einem schraegen Schnitt die Rinde entfernt. Und zwar ein moeglichst schmaler Streifen: Praezisionsarbeit. An der unteren Schnittkante laeuft dann der kostbare weisse Saft des Baumes entlang und tropft in ein kleines Auffangtoepfchen. Darin ballt er sich zu einem stinkenden weisslichen Knubbel zusammen. Das ist also Rohkautschuk. Den Geruch kann ich gar nicht beschreiben, aber er ist wirklich scheusslich. Mr Badrul zueckt ein Messerchen und ritzt einen Baum, an dem es gerade nicht tropft, nur ganz leicht an. Nicht zu fassen, wie schnell hier der Saft austritt und sich zu einem Minifluss sammelt!
"Trotz" dieser beiden Halte (die Mr Badrul natuerlich nur eingelegt hat, WEIL wir gut vorangekommen waren) erreichen wir Kuala Tembeling gegen 12 Uhr mittags. Hui, nach den eher ruhigen Tagen zuletzt bildet das bunte Treiben zahlloser Touristen hier schon einen deutlichen Kontrast. Erstmal muss man natuerlich allerhand Papierkram erledigen. Der Eintritt in den Nationalpark kostet einen laecherlichen Ringgit, fuer jede mitgebrachte Kamera muss man aber eine Fotografierlizenz fuer sage und schreibe 5 Ringgit erwerben. Eine Angellizenz kostet nochmal extra, aber wir erwerben keine. Die Wartezeit verbringen wir in Anbetracht unseres gar kleinen Fruehstuecks heute mit Essen. Das Restaurant hat da - wenig ueberraschend - die Qualitaet einer mittelmaessigen Bahnhofsgaststaette (es ist ja eine), aber der Hunger ist erstmal gestillt. Ach herrje, sind hier viele Leute! Dann kommen auch noch zwei Reisebusse voller Hollaender. Aber am Anleger selbst gibt's kein Gedraengel, man wird namentlich aufgerufen in der Reihenfolge des Ankommens. Die Longboats sind aus (Tropen-[ach!])Holz und gerade so breit, dass zwei nebeneinander darin sitzen koennen, und etwa 14 bis 16 Paare hintereinander. Vorn in der Spitze und bei Bedarf auch noch hinten werden die Koffer verstaut; das Gepaeck vorn wird auch mit einer Plane gegen das Spritzwasser abgedeckt. Gegen Passagiersonnenstich haben die Boote ein Blechdach. Gegen Ertrinken muss jede/r eine Schwimmweste anziehen, gegen Verdursten bekommt jede/r eine Flasche Wasser zugeteilt. Die Sitzflaechen sind mit Polstern belegt, aber befinden sich auf dem Bootsboden - und ganz ausstrecken kann man die Beine natuerlich nicht. Der Bootsmann, der den Aussenbordmotor bedient und steuert, hockt (jawohl!) im Heck. Sobald ein Boot fertig mit Passagieren und Gepaeck beladen ist, geht es los. Ich weiss nicht genau, warum die Abfahrten nicht ueber den Tag verteilt werden - aber so ist es eben. Wenn man das Schiff verpasst, gibt es alternativ eine rumpelige Strasse (so hoerte ich), auf der man per Auto das Dorf gegenueber dem Nationalpark-Resort erreichen kann. Aber wer will das schon?
Die Fahrt im Langboot dauert drei Stunden. Es sind etwa 65 km stromaufwaerts zu ueberwinden. Die Bootsleute wissen offenbar recht genau, wo sie zu fahren haben auf dem schnell fliessenden Fluss - es scheint ein paar Untiefen und Stromschnellen zu geben, die wir aber sicher und unmerklich durchfahren. Diese langen schmalen Boote produzieren uebrigens nur ganz kleine Bugwellen. Es sei mal ein "speedboat" eingesetzt worden, das die Strecke in 45 Minuten zuruecklegen konnte, hatte Mr Badrul erzaehlt. Darueber habe es aber zu viele Beschwerden der fuer uns weitgehend unsichtbaren Anrainer gegeben, unter anderem wegen der allzu heftigen Wellen, woraufhin dieses Angebot (oder schreibt man das in diesem speziellen Fall mit Doppel-o?, Gruss aus Kalau) wieder eingestellt worden sei.
Ganz lustig sind die Phasen des Passagierverhaltens: erst grosses Umschauen und Hingucken - dann Doesen oder gar richtig Schlafen - dann Essen und Trinken und weniger intensives Gucken. Das ist ja auch verstaendlich: anfangs ist der intensiv gruene, dichte tropische Wald an den Ufern des schlammgelben Flusses fuer Langnasen (und die meisten Besucher sehen halt europaeisch aus) exotisch und interessant: verschiedenartiges Blattwerk, mehr oder weniger von Ranken ueberwucherte Baeume, einzelne Baumriesen, die ihre Umgebung ueberragen, und der Gesamteindruck einer quasi undurchdringlichen, bestimmt 20 bis 30 Meter aufragenden gruenen "Wand". Ich finde auch, dass es recht abweisend aussieht - der Wald braucht uns nicht (hat er ja lange genug bewiesen) und laedt uns auch nicht ein. Aber ganz am Rand muss er sich halt doch mit Zaungaesten abfinden. - Nach spaetestens der ersten Stunde merkt dann aber jeder, dass es zwar immer anders, aber trotzdem immer gleich aussieht, so dass die schlaefrige Phase beginnt. Da es aber ja nicht sooo bequem ist, schlaeft man nicht lange, und dann kommt wieder das gute alte Prinzip aus Loriots Bettenverkaufssketch zur Anwendung: "Nach dem Aufwachen nimmt meine Frau gern etwas Tee mit Gebaeck." Und zum "Tee" guckt man dann ein bisschen gelangweilt in der Gegend herum, die man ja nun schon kennt.
Dann kommt der Moment, wo jemand mal muss. Ich zum Glueck nicht!! Das wird naemlich ein (ganz kleines, aber immerhin) Abenteuer. Der Bootsmann steuert eine Sandbank an, und als das Boot da halb anlandet, kippelt es bedenklich - man sitzt darin ohnehin auf Hoehe des Wasserspiegels, und so wahnsinnig hoch sind die Seitenwaende ja nun nicht. Alle lehnen sich in einer unwillkuerlichen Ausgleichsbewegung zur Landseite. Zwei Frauen klettern aus dem Boot, muessen ein Stueckchen durchs Wasser waten und verschwinden im Schilfgras oder was fuer ein Zeug auch immer das sein mag, das an dieser Stelle waechst. So eine Panikpatientin wie ich wuerde ja nicht mal darin verschwinden wollen … wer weiss, was sich im Dickicht verbirgt … Dann wird es beim Wiedereinsteigen nochmal etwas kippelig, und der Bootsmann muss sein Gefaehrt erst einmal wieder ins Fahrwasser bugsieren, aber dann koennen wir die Fahrt ohne Probleme fortsetzen.
Nach den erwaehnten 3 Stunden kommen wir an der Stelle des Tembeling-Flusses an, an der auf der rechten Seite (flussaufwaerts guckend) das Dorf Kuala Tahan liegt, das sich nicht auf Nationalparkgelaende befindet, und gleich gegenueber auf der linken Seite das Mutiara Taman Negara, das Nationalpark-Resort. Wir legen an, klettern aus dem Boot und steigen wieder eine ganze Reihe Stufen hoch, um oben das Empfangskomitee vorzufinden: bekopftuchte Frauen reichen jedem Ankoemmling ein leuchtend rotes, waessrig-suesses Getraenk, waehrend einige Maenner, sich mit bambusbasierenden Schlaginstrumenten rhythmisch begleitend, ein Willkommenslied singen, jedenfalls verstehe ich zwischendurch immer mal "selamat datang". Ach so, deshalb gibt es nur eine Abfahrtszeit: schliesslich wollen die nicht den ganzen Tag singen!
An der Rezeption melden wir uns an und bekommen das Chalet Nr. 88 angewiesen. Na, wenn das kein Glueck bringt! Eine Doppel-Acht! Wir freuen uns, bitten jemanden, das Gepaeck dahinzukarren (es ist naemlich ein laengerer Fussweg) und machen uns auf den Weg. Das Chalet ist wieder ziemlich dunkel, die Waende, aussen aus Holz, sind innen mit geflochtenen Matten bedeckt. Der Waschraum mit Dusche ist etwas altertuemlich, aber in Ordnung. Eine Terrasse geht hinten zum Urwald hinaus. Es gibt auch eine Klimaanlage, aber die aufgestelzte Huette hat allerhand Ritzen. Ob das also was bringt? Es ist auch gar nicht sooo heiss darin, der Deckenventilator reicht aus, um ein angenehmes Klima zu schaffen.
Waehrend sich Burkhard noch an unserer Ausruestung zu schaffen macht, sitze ich auf den Eingangsstufen und blogge, als ich ploetzlich ein Grunzen hoere. Nach der Mangrovenerfahrung lasse ich meinen Blick auf der Suche nach Affen schweifen, als zwischen den Nachbarhaeusern eine graue Sau mit langer schwarzer Maehne auftaucht. Ein leibhaftiges Wildschwein! Ich springe auf, rufe "ein Schwein!" in die Huette und wende mich wieder nach draussen. Da kommen ja noch mehr, noch ein oder zwei groessere und scharenweise Frischlinge, nicht mehr ganz winzig, aber noch deutlich gestreift. Die spazieren in aller Ruhe zwischen und unter den Chalets herum, graben zwischendurch an der einen oder anderen Ecke nach Leckerli, und verschwinden dann aus unserem Blickfeld (und dem anderer Gaeste, die hier gerade unterwegs waren). Toll! Fuer mich natuerlich das Beste an diesem Tag! Schweine vor Chalet 88, mehr Glueck kann man ja gar nicht haben!
Aber dann faengt es an zu regnen, und zwar nicht zu knapp. Wir hatten ja schon im FRIM erfahren, warum es REGENwald heisst. Zum Glueck sind wir zu diesem Zeitpunkt mit Schirm Richtung Restaurant unterwegs, wir hatten den Regen ja kommen sehen. Das Restaurant ist recht gut - keine besonders "ziselierten" Kochkuenste, aber die Gerichte sind lecker und appetitlich angerichtet, und Tee kochen koennen sie auch. Es besteht also kein Bedarf, sich fuer 1 Ringgit uebersetzen zu lassen, um dort irgendwo zu essen, wo natuerlich reihenweise einfache Restaurants (wir haben ja nur die schwimmenden auf dem Fluss gesehen, bestimmt gibt's noch mehr) auf Kundschaft warten, die bestimmt auch nicht schlecht sind.
Nach dem Essen, der Regen hat immer noch nicht aufgehoert, gehen wir zurueck zu unserem Haeuschen und bereiten uns auf die Nachtwanderung im Dschungel vor, die fuer heute abend gebucht ist. Da muessen jetzt doch wohl die Regencapes her … Wir treffen unseren privaten Fuehrer um halb neun an der Rezeption und beschliessen natuerlich, trotz des Regens loszugehen. Gluehwuermchen wird es also wohl nicht zu sehen geben und vermutlich auch weniger Insekten als sonst - egal. Ich habe ja Glueck und bekomme alles geboten, sagte doch mein Tempelorakel. Und wir sehen auch einiges; unserer Fuehrer, ein gewisser Ismail, sagt auch irgendwann, dass es fuer das Wetter ueberraschend viele Insekten seien. Na bitte! Und hier ist die Liste: ein gruener Grashuepfer mit ganz langen Antennen, sicher laenger als der restliche Koerper, verschiedene andere Grashuepfer in unterschiedlichen Farben und Formen, mehrere winzig kleine Froesche, die allerdings nicht farbenfroh sind wie die suedamerikanischen Pfeilgiftfroesche, sondern eher blassgraubraun, dafuer aber auch ungiftig. Einer von ihnen faellt durch seine komischen Proportionen auf - ungefaehr zur Haelfte scheint er aus Kopf zu bestehen, und den groessten Teil des restlichen Koerpers machen die Hinterbeine aus, wie sich das fuer einen Frosch mit ordentlichen Schenkeln gehoert. Zwei junge Stabinsekten, eins gruen, eins braun, eine Gottesanbeterin, eine dicke behaarte Spinne an einem Baumstamm waren die naechsten Entdeckungen. Die Spinne war sicher mindestens handtellergross und von der Art, die bissig und giftig sind. Menschen wuerde der Biss nicht toeten, man waere nur ein paar Tage ausser Gefecht, beruhigt uns Ismail. Aber sie sitzt ja in sicherer Entfernung und macht auch keine Anstalten, sich zu bewegen. Weiterhin entdecken wir noch zwei Voegel und biolumineszente Pilze. Na ja, "wir entdecken" heisst meistens "Ismail entdeckt und wir sehen auch, nachdem er uns laenglich erklaert hat, wo genau diese bestens getarnten Tierchen sitzen". Immerhin finde ich einen Grashuepfer und Burkhard ein Stabinsekt.
Ueberhaupt ist es irgendwie faszinierend, wenn auch fuer Panikpatienten wie mich ein bisschen bedrohlich nachts im Urwald. Die ganzen Geraeusche, und ueberall bewegt sich was. Im Zweifelsfall versetzt zwar nur ein fallender Regentropfen ein Blatt in Bewegung, aber trotzdem … Und die Lichtkegel der Taschenlampen erleuchten natuerlich immer nur einen ganz kleinen Bereich. Unsere Ausruestung ist ganz gut: Burkhard hat eine sehr starke Lampe, die relativ weitraeumig leuchtet. Ein bisschen zu stark vielleicht, damit weckt er sogar eins der schlafenden Voegelchen, das missmutig aufflattert und sich einen anderen Ast suchen muss. Man sieht foermlich eine Denkblase ueber seinem Koepfchen: "Was ist denn das hier fuer ein Mist!!" Meine Taschenlampe gibt weniger helles, eher punktfoermiges Licht und ist daher sehr gut zum Zeigen gefundener "Beute" geeignet. Ich weiss gar nicht, wie lange die Wanderung insgesamt gedauert hat - ich glaube, nach einer guten Stunde sind wir ziemlich feucht, aber begeistert wieder an unserem Chalet und fallen zufrieden in die Betten.
Jedenfalls kommen wir puenktlich weg, koennen bald darauf den Sonnenaufgang miterleben (allerdings ohne spektakulaere Bilder) und haben zwischendurch noch Zeit, uns die Methoden der Oelpalmenernte und der Naturlatexgewinnung aus der Naehe anzusehen. Oelpalmen und Gummibaeume waren ja lange Zeit neben dem Zinn DIE Einkunftsquellen Malaysias, wie ich vermutlich schon mal erwaehnte.
Oelpalmen sind recht produktive Pflanzen. Nach dem 3. Jahr beginnen sie, Fruechte zu tragen: in grossen, mehr oder weniger eifoermigen Fruchtstaenden (bestimmt einen halben Meter lang) gebuendelt sitzen mehrere hundert kleine (ca. 5-8 cm lange) ovale Fruechtchen, die, wenn sie reif sind, rotbraun aussehen. Pro Jahr bringt eine Palme bis zu 10 solcher Fruchtstaende hervor, die zwischen den Palmwedeln sitzen. Nach 30 Jahren ist es dann vorbei mit der Fruchtbarkeit, und die Palmen werden "umgebracht", um Raum fuer die schon dazwischen gepflanzten Nachfolger zu schaffen. Dazu werden sie mittels einer nicht naeher erlaeuterten Chemikalie getoetet. Das Holz, keine gute Qualitaet, verbleibt entweder als Duengemittel in der Plantage oder loest sich als Feuerholz in Rauch auf.
Aber nun zur eigentlichen Ernte: Die Baeume sind jung mehr wie Straeucher, denn dann haben sie ja noch keinen Stamm entwickelt. Spaeter werden sie aber mindestens 10 m hoch. Man muss sich also zur Ernte was einfallen lassen. Die Malaysier haben sich einfach eine Sichel am Stiel einfallen lassen, die der Arbeiter, dem wir zusehen, gut handzuhaben weiss. Das stelle ich mir gar nicht einfach vor: ein Teleskopstiel, dessen Laenge man passend zur Hoehe der abzuerntenden Palmen einstellen kann, mit einer vermutlich nicht leichten, langen, sehr scharfen gebogenen Klinge am Ende - mir erscheint das ziemlich sperrig. Man muss also den Fruchtstand orten, der sich, wie gesagt, zwischen den Blaettern verbirgt, dann zuerst die unteren Blaetter dicht am Stamm abschneiden und dann den Fruchtstand. Dabei passt man tunlichst auf, dass einem weder das eine noch das andere auf den Kopf oder sonstwohin faellt. Ausserdem passt man auf, wo man hintritt, denn speziell unter abgeschlagenen Palmwedeln oder auch einfach so leben Wesen, die, wenn sie sich angegriffen fuehlen, giftig reagieren: z.B. Koenigskobras. Aber sie sind nicht aggressiv, sondern schlaengeln sich normalerweise davon, wenn sie jemanden kommen hoeren. Schlangen sind ja durchaus gewuenscht in den Plantagen, halten sie doch die Ratten in Schach, die sich sonst auch gern an der Ernte guetlich tun.
Die abgeschlagenen Fruchtstaende muessen dann noch zum Strassenrand transportiert werden (vermutlich geschleppt - getragen werden koennen die nicht, dazu sind sie zu schwer), wo sie vom Ernteeinsammel-LKW aufgelesen werden. Und fuer die ganze oede Plackerei gibt's 30 bis 40 Ringgit am Tag …
Die Latexernte sieht weniger nach koerperlicher Schwerstarbeit aus, sondern mehr nach praeziser Pflege und Unterhaltung. Wir gehen in eine Plantage hinein. Den Gummibaeumen wird auf ca. 2/3 (3/4?) des Stamms in einem schraegen Schnitt die Rinde entfernt. Und zwar ein moeglichst schmaler Streifen: Praezisionsarbeit. An der unteren Schnittkante laeuft dann der kostbare weisse Saft des Baumes entlang und tropft in ein kleines Auffangtoepfchen. Darin ballt er sich zu einem stinkenden weisslichen Knubbel zusammen. Das ist also Rohkautschuk. Den Geruch kann ich gar nicht beschreiben, aber er ist wirklich scheusslich. Mr Badrul zueckt ein Messerchen und ritzt einen Baum, an dem es gerade nicht tropft, nur ganz leicht an. Nicht zu fassen, wie schnell hier der Saft austritt und sich zu einem Minifluss sammelt!
"Trotz" dieser beiden Halte (die Mr Badrul natuerlich nur eingelegt hat, WEIL wir gut vorangekommen waren) erreichen wir Kuala Tembeling gegen 12 Uhr mittags. Hui, nach den eher ruhigen Tagen zuletzt bildet das bunte Treiben zahlloser Touristen hier schon einen deutlichen Kontrast. Erstmal muss man natuerlich allerhand Papierkram erledigen. Der Eintritt in den Nationalpark kostet einen laecherlichen Ringgit, fuer jede mitgebrachte Kamera muss man aber eine Fotografierlizenz fuer sage und schreibe 5 Ringgit erwerben. Eine Angellizenz kostet nochmal extra, aber wir erwerben keine. Die Wartezeit verbringen wir in Anbetracht unseres gar kleinen Fruehstuecks heute mit Essen. Das Restaurant hat da - wenig ueberraschend - die Qualitaet einer mittelmaessigen Bahnhofsgaststaette (es ist ja eine), aber der Hunger ist erstmal gestillt. Ach herrje, sind hier viele Leute! Dann kommen auch noch zwei Reisebusse voller Hollaender. Aber am Anleger selbst gibt's kein Gedraengel, man wird namentlich aufgerufen in der Reihenfolge des Ankommens. Die Longboats sind aus (Tropen-[ach!])Holz und gerade so breit, dass zwei nebeneinander darin sitzen koennen, und etwa 14 bis 16 Paare hintereinander. Vorn in der Spitze und bei Bedarf auch noch hinten werden die Koffer verstaut; das Gepaeck vorn wird auch mit einer Plane gegen das Spritzwasser abgedeckt. Gegen Passagiersonnenstich haben die Boote ein Blechdach. Gegen Ertrinken muss jede/r eine Schwimmweste anziehen, gegen Verdursten bekommt jede/r eine Flasche Wasser zugeteilt. Die Sitzflaechen sind mit Polstern belegt, aber befinden sich auf dem Bootsboden - und ganz ausstrecken kann man die Beine natuerlich nicht. Der Bootsmann, der den Aussenbordmotor bedient und steuert, hockt (jawohl!) im Heck. Sobald ein Boot fertig mit Passagieren und Gepaeck beladen ist, geht es los. Ich weiss nicht genau, warum die Abfahrten nicht ueber den Tag verteilt werden - aber so ist es eben. Wenn man das Schiff verpasst, gibt es alternativ eine rumpelige Strasse (so hoerte ich), auf der man per Auto das Dorf gegenueber dem Nationalpark-Resort erreichen kann. Aber wer will das schon?
Die Fahrt im Langboot dauert drei Stunden. Es sind etwa 65 km stromaufwaerts zu ueberwinden. Die Bootsleute wissen offenbar recht genau, wo sie zu fahren haben auf dem schnell fliessenden Fluss - es scheint ein paar Untiefen und Stromschnellen zu geben, die wir aber sicher und unmerklich durchfahren. Diese langen schmalen Boote produzieren uebrigens nur ganz kleine Bugwellen. Es sei mal ein "speedboat" eingesetzt worden, das die Strecke in 45 Minuten zuruecklegen konnte, hatte Mr Badrul erzaehlt. Darueber habe es aber zu viele Beschwerden der fuer uns weitgehend unsichtbaren Anrainer gegeben, unter anderem wegen der allzu heftigen Wellen, woraufhin dieses Angebot (oder schreibt man das in diesem speziellen Fall mit Doppel-o?, Gruss aus Kalau) wieder eingestellt worden sei.
Ganz lustig sind die Phasen des Passagierverhaltens: erst grosses Umschauen und Hingucken - dann Doesen oder gar richtig Schlafen - dann Essen und Trinken und weniger intensives Gucken. Das ist ja auch verstaendlich: anfangs ist der intensiv gruene, dichte tropische Wald an den Ufern des schlammgelben Flusses fuer Langnasen (und die meisten Besucher sehen halt europaeisch aus) exotisch und interessant: verschiedenartiges Blattwerk, mehr oder weniger von Ranken ueberwucherte Baeume, einzelne Baumriesen, die ihre Umgebung ueberragen, und der Gesamteindruck einer quasi undurchdringlichen, bestimmt 20 bis 30 Meter aufragenden gruenen "Wand". Ich finde auch, dass es recht abweisend aussieht - der Wald braucht uns nicht (hat er ja lange genug bewiesen) und laedt uns auch nicht ein. Aber ganz am Rand muss er sich halt doch mit Zaungaesten abfinden. - Nach spaetestens der ersten Stunde merkt dann aber jeder, dass es zwar immer anders, aber trotzdem immer gleich aussieht, so dass die schlaefrige Phase beginnt. Da es aber ja nicht sooo bequem ist, schlaeft man nicht lange, und dann kommt wieder das gute alte Prinzip aus Loriots Bettenverkaufssketch zur Anwendung: "Nach dem Aufwachen nimmt meine Frau gern etwas Tee mit Gebaeck." Und zum "Tee" guckt man dann ein bisschen gelangweilt in der Gegend herum, die man ja nun schon kennt.
Dann kommt der Moment, wo jemand mal muss. Ich zum Glueck nicht!! Das wird naemlich ein (ganz kleines, aber immerhin) Abenteuer. Der Bootsmann steuert eine Sandbank an, und als das Boot da halb anlandet, kippelt es bedenklich - man sitzt darin ohnehin auf Hoehe des Wasserspiegels, und so wahnsinnig hoch sind die Seitenwaende ja nun nicht. Alle lehnen sich in einer unwillkuerlichen Ausgleichsbewegung zur Landseite. Zwei Frauen klettern aus dem Boot, muessen ein Stueckchen durchs Wasser waten und verschwinden im Schilfgras oder was fuer ein Zeug auch immer das sein mag, das an dieser Stelle waechst. So eine Panikpatientin wie ich wuerde ja nicht mal darin verschwinden wollen … wer weiss, was sich im Dickicht verbirgt … Dann wird es beim Wiedereinsteigen nochmal etwas kippelig, und der Bootsmann muss sein Gefaehrt erst einmal wieder ins Fahrwasser bugsieren, aber dann koennen wir die Fahrt ohne Probleme fortsetzen.
Nach den erwaehnten 3 Stunden kommen wir an der Stelle des Tembeling-Flusses an, an der auf der rechten Seite (flussaufwaerts guckend) das Dorf Kuala Tahan liegt, das sich nicht auf Nationalparkgelaende befindet, und gleich gegenueber auf der linken Seite das Mutiara Taman Negara, das Nationalpark-Resort. Wir legen an, klettern aus dem Boot und steigen wieder eine ganze Reihe Stufen hoch, um oben das Empfangskomitee vorzufinden: bekopftuchte Frauen reichen jedem Ankoemmling ein leuchtend rotes, waessrig-suesses Getraenk, waehrend einige Maenner, sich mit bambusbasierenden Schlaginstrumenten rhythmisch begleitend, ein Willkommenslied singen, jedenfalls verstehe ich zwischendurch immer mal "selamat datang". Ach so, deshalb gibt es nur eine Abfahrtszeit: schliesslich wollen die nicht den ganzen Tag singen!
An der Rezeption melden wir uns an und bekommen das Chalet Nr. 88 angewiesen. Na, wenn das kein Glueck bringt! Eine Doppel-Acht! Wir freuen uns, bitten jemanden, das Gepaeck dahinzukarren (es ist naemlich ein laengerer Fussweg) und machen uns auf den Weg. Das Chalet ist wieder ziemlich dunkel, die Waende, aussen aus Holz, sind innen mit geflochtenen Matten bedeckt. Der Waschraum mit Dusche ist etwas altertuemlich, aber in Ordnung. Eine Terrasse geht hinten zum Urwald hinaus. Es gibt auch eine Klimaanlage, aber die aufgestelzte Huette hat allerhand Ritzen. Ob das also was bringt? Es ist auch gar nicht sooo heiss darin, der Deckenventilator reicht aus, um ein angenehmes Klima zu schaffen.
Waehrend sich Burkhard noch an unserer Ausruestung zu schaffen macht, sitze ich auf den Eingangsstufen und blogge, als ich ploetzlich ein Grunzen hoere. Nach der Mangrovenerfahrung lasse ich meinen Blick auf der Suche nach Affen schweifen, als zwischen den Nachbarhaeusern eine graue Sau mit langer schwarzer Maehne auftaucht. Ein leibhaftiges Wildschwein! Ich springe auf, rufe "ein Schwein!" in die Huette und wende mich wieder nach draussen. Da kommen ja noch mehr, noch ein oder zwei groessere und scharenweise Frischlinge, nicht mehr ganz winzig, aber noch deutlich gestreift. Die spazieren in aller Ruhe zwischen und unter den Chalets herum, graben zwischendurch an der einen oder anderen Ecke nach Leckerli, und verschwinden dann aus unserem Blickfeld (und dem anderer Gaeste, die hier gerade unterwegs waren). Toll! Fuer mich natuerlich das Beste an diesem Tag! Schweine vor Chalet 88, mehr Glueck kann man ja gar nicht haben!
Aber dann faengt es an zu regnen, und zwar nicht zu knapp. Wir hatten ja schon im FRIM erfahren, warum es REGENwald heisst. Zum Glueck sind wir zu diesem Zeitpunkt mit Schirm Richtung Restaurant unterwegs, wir hatten den Regen ja kommen sehen. Das Restaurant ist recht gut - keine besonders "ziselierten" Kochkuenste, aber die Gerichte sind lecker und appetitlich angerichtet, und Tee kochen koennen sie auch. Es besteht also kein Bedarf, sich fuer 1 Ringgit uebersetzen zu lassen, um dort irgendwo zu essen, wo natuerlich reihenweise einfache Restaurants (wir haben ja nur die schwimmenden auf dem Fluss gesehen, bestimmt gibt's noch mehr) auf Kundschaft warten, die bestimmt auch nicht schlecht sind.
Nach dem Essen, der Regen hat immer noch nicht aufgehoert, gehen wir zurueck zu unserem Haeuschen und bereiten uns auf die Nachtwanderung im Dschungel vor, die fuer heute abend gebucht ist. Da muessen jetzt doch wohl die Regencapes her … Wir treffen unseren privaten Fuehrer um halb neun an der Rezeption und beschliessen natuerlich, trotz des Regens loszugehen. Gluehwuermchen wird es also wohl nicht zu sehen geben und vermutlich auch weniger Insekten als sonst - egal. Ich habe ja Glueck und bekomme alles geboten, sagte doch mein Tempelorakel. Und wir sehen auch einiges; unserer Fuehrer, ein gewisser Ismail, sagt auch irgendwann, dass es fuer das Wetter ueberraschend viele Insekten seien. Na bitte! Und hier ist die Liste: ein gruener Grashuepfer mit ganz langen Antennen, sicher laenger als der restliche Koerper, verschiedene andere Grashuepfer in unterschiedlichen Farben und Formen, mehrere winzig kleine Froesche, die allerdings nicht farbenfroh sind wie die suedamerikanischen Pfeilgiftfroesche, sondern eher blassgraubraun, dafuer aber auch ungiftig. Einer von ihnen faellt durch seine komischen Proportionen auf - ungefaehr zur Haelfte scheint er aus Kopf zu bestehen, und den groessten Teil des restlichen Koerpers machen die Hinterbeine aus, wie sich das fuer einen Frosch mit ordentlichen Schenkeln gehoert. Zwei junge Stabinsekten, eins gruen, eins braun, eine Gottesanbeterin, eine dicke behaarte Spinne an einem Baumstamm waren die naechsten Entdeckungen. Die Spinne war sicher mindestens handtellergross und von der Art, die bissig und giftig sind. Menschen wuerde der Biss nicht toeten, man waere nur ein paar Tage ausser Gefecht, beruhigt uns Ismail. Aber sie sitzt ja in sicherer Entfernung und macht auch keine Anstalten, sich zu bewegen. Weiterhin entdecken wir noch zwei Voegel und biolumineszente Pilze. Na ja, "wir entdecken" heisst meistens "Ismail entdeckt und wir sehen auch, nachdem er uns laenglich erklaert hat, wo genau diese bestens getarnten Tierchen sitzen". Immerhin finde ich einen Grashuepfer und Burkhard ein Stabinsekt.
Ueberhaupt ist es irgendwie faszinierend, wenn auch fuer Panikpatienten wie mich ein bisschen bedrohlich nachts im Urwald. Die ganzen Geraeusche, und ueberall bewegt sich was. Im Zweifelsfall versetzt zwar nur ein fallender Regentropfen ein Blatt in Bewegung, aber trotzdem … Und die Lichtkegel der Taschenlampen erleuchten natuerlich immer nur einen ganz kleinen Bereich. Unsere Ausruestung ist ganz gut: Burkhard hat eine sehr starke Lampe, die relativ weitraeumig leuchtet. Ein bisschen zu stark vielleicht, damit weckt er sogar eins der schlafenden Voegelchen, das missmutig aufflattert und sich einen anderen Ast suchen muss. Man sieht foermlich eine Denkblase ueber seinem Koepfchen: "Was ist denn das hier fuer ein Mist!!" Meine Taschenlampe gibt weniger helles, eher punktfoermiges Licht und ist daher sehr gut zum Zeigen gefundener "Beute" geeignet. Ich weiss gar nicht, wie lange die Wanderung insgesamt gedauert hat - ich glaube, nach einer guten Stunde sind wir ziemlich feucht, aber begeistert wieder an unserem Chalet und fallen zufrieden in die Betten.
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