Jaja, ich weiß, manche/r hätte gern mehr Fotos aus Shanghai und von unterwegs gesehen ... insgesamt sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren ca. 45.000 Stück entstanden. Aber das hat man eben nur zum Teil meiner Faulheit zu verdanken - zu einem mindestens genau so großen Teil der chinesischen Regierung mit ihrer "great firewall". Hoch lebe das freie Internet!


Wer weiterhin meine Bemerkungen über Gott und die Welt lesen möchte, klickt bitte hier:
Das neue Jahr des Schweins

Wenn ich es schaffe, gibt es hier übrigens auch noch Updates, und zwar aus den bisher unveröffentlichten Reisetagebuchnotizen.

Samstag, 9. Juni 2007

Sommersamstag

Bevor wir den Rest von China unsicher machen, gibt es ja in Shanghai noch das eine oder andere zu sehen. Heute waren wir in Jiading, einem Stadtbezirk im Nordwesten der Stadt. Habe ich eigentlich schon mal erwaehnt, dass die Himmelsrichtungen in China ganz anders sind als in Europa? Ein echter Kulturunterschied! [Aufloesung spaeter.]

Jiading gibt es (als eigene Stadt) laut unserem Reisefuehrer schon lange (mehr als 2000 Jahre), und gerade jetzt scheint das ein aufstrebender Stadtteil (von Shanghai) zu sein. Die Hauptstrasse, auf der wir gekommen sind, wird gerade ueberarbeitet und soll sich offenbar zu einem Prachtboulevard mausern. Rund um das Gelaende des Konfuziustempels (der hier Kongzi Miao heisst und nicht Wen Miao wie in Shanghai City) und des Teichs der sich Treffenden Drachen (Hui Long Tan) gibt es schicke Boutiquen und Geschaefte und Coffeeshops (das ist, glaube ich, etwas anderes als Kaffeehaeuser). Und zu den beiden Sehenswuerdigkeiten der Stadt (ausser dem genannten Areal gibt es noch den Garten der Herbstwolken, den wir allerdings heute zu besuchen nicht geschafft haben) gibt es zweisprachige Wegweiser - was ich hier, ein wenig abseits der Touristenstroeme, durchaus bemerkenswert finde.

Im Konfuziustempel befindet sich nicht genau das, was man nach Lektuere des oben verlinkten Wikipedia-Artikels vermuten wuerde, naemlich ein angestaubtes Stadtbezirksmuseum mit langweiligen Exponaten von meist nicht einmal lokaler Bedeutung oder skurrilen Gegenstaenden diverser Provenienz. Nein, die Raeume beherbergen das "China Imperial Examination System Museum". Und das ist ueberhaupt nicht angestaubt, sondern vom Feinsten. Schoen praesentierte und zweisprachig beschriftete Gegenstaende und Bilder, gut ausgeleuchtet (zum Teil mit Bewegungsmelder) und in verschiedene Themenbereiche gruppiert. Das System zur Auswahl von Beamten hat es immerhin 1300 Jahre lang gegeben, von 605 bis 1905. Und ein bisschen bemerkenswert ist es ja schon, dass im feudalen China auch arme Schlucker etwas werden konnten, wenn sie ein bisschen schlau und vor allem ziemlich fleissig waren. Nett und offenbar bei Eltern mit Kindern wegen des erzieherischen Gehalts besonders beliebt war die Ausstellungshalle zur Durchfuehrung der Imperial Examination. Dort gab es unter anderem eine Auswahl von Spickzetteln und -tuechern zu sehen; die Kroenung war das Bild der von mir so getauften "Weisheitsweste" (siehe Fotoalbum). Auf alten Zeichnungen war aber auch zu sehen, dass auf ertappte Betrueger, zum Beispiel auch auf die, die einen "Ghostwriter" schickten, drastische Strafen warteten. Auf die Ghostwriter selber auch, wenn ich's richtig gesehen habe ... Hinter der Ausstellungshalle waren "Pruefungszellen" zu sehen, in denen die Prueflinge offenbar waehrend der mehrtaegigen Pruefung isoliert voneinander hausten.

Der Tempel bzw. das Museum hatte heute so etwas wie einen Tag der offenen Tuer, niemand wollte uns Eintritt abnehmen. Vielleicht aus Anlass der jetzt irgendwann stattfindenden Abschlusspruefungen an den Schulen? Wer weiss. Bei der Gelegenheit kann man auch verstohlen einen Wunsch bei Meister Kong anbringen. Zwar gibt es offenbar keinen Tempelbetrieb und keine Raeucherstaebchen und dergleichen, aber etwas verschaemt standen rechts und links der Konfuziusstatue in der Haupthalle (siehe Fotoalbum) doch diese Wunschaufhaengegestelle, die auch benutzt werden. Hoffentlich koennen die Wuensche den Meister auch ohne den "Botenrauch" erreichen ...

Nachdem wir uns sattgesehen und ein bisschen im Haupthof herumgesessen hatten (sehr idyllisch!), sind wir in den Park gegangen. Auch sehr idyllisch! Im dreigeschossigen Pavillon auf dem "natuerlich kuenstlichen" Berg im Teich haengt im Obergeschoss eine dieser grossen Bronzeglocken, die Burkhard fuer 10 RMB auch dreimal angeschlagen hat. Dazu kommt die Glockenwaerterin extra die rotlackierten Stufen herauf und entfernt das Vorhaengeschloss, das die Kette sichert, mit der der Glockenbalken fixiert ist.

Zum Abschluss haben wir noch bei "U.B.C. Coffee" einen Kaffee getrunken. Dazu hatten wir Mandeln und trockenes Rindfleisch bestellt, wobei zu unserer Ueberraschung erstere in der Schale serviert wurden. Da hiess es selber Nussknacker spielen ... Aber das Fleisch kam schon ohne Fell.

Donnerstag, 7. Juni 2007

Fahr'n, fahr'n, fahr'n mit der Schwebebahn

Ui, heute Morgen mussten wir aber frueh aufstehen, damit Ding Shifu unsere Gaeste um sieben Uhr morgens zum Longyang-Bahnhof bringen konnte. Wir sind mitgefahren, ich bis zum Bahnhof, Burkhard bis zum Flughafen (der wollte ja bloss mal Maglev fahren ... ;-)) ). Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde fleissig Taijiquan geuebt, obwohl doch laengst sieben Uhr vorbei war, als wir dort ankamen, und ich verstanden habe, dass man das am besten um sechs Uhr morgens praktiziert ... Auf der Century Avenue waren andere Gruppen dann noch um kurz vor Acht beim Training.

Zum Flughafen ging es mit 301 km/h, zurueck mit 430 km/h, habe ich mir sagen lassen. Da war es dann offenbar schon neun Uhr durch. Nach gruendlichem Kofferfilzen hoffen wir dann also mal, dass die Heimreise gut geklappt hat. So langsam duerfte sie sich jetzt ihrem Ende entgegenneigen, dann haben die beiden auch sicher genug davon.

Ich war auf diese Weise schon um kurz nach acht Uhr im Buero und damit auf 'meiner' Seite definitiv die Erste. Am Abend hatten wir wieder Chinesisch, und es war wie immer ganz lustig. Da habe ich auch gelernt, dass der Maglev eine "U-Bahn" ist, jedenfalls heisst der besagte Bahnhof U-Bahnhof und nicht Eisenbahnhof. Ja dann ...

Mittwoch, 6. Juni 2007

Immer noch kein Kaufkater

Zwar hatte BBC fuer heute "plein soleil" angesagt (in breitem provençalischem Dialekt heisst das "plaeng ssolej", also volle Sonne), aber obschon die BBC sonst eher gut liegt mit ihren Vorhersagen, war es heute eher heiter bis wolkig. Am Vormittag mussten wir erst einmal die Brille fuer meine Mutter abholen - gut! Und richtig sehen kann sie damit auch. Ich habe dann noch mal fuer mich geguckt, aber nach langem Aussuchen eines Gestells sollte das dann schon 540 RMB kosten, "watt is' los?" So konnten wir leider nicht einig werden, egal - ich brauch' ja auch nicht wirklich eine. Waehrend wir auf Ding Shifu warteten, gab es offenbar eine kleine Razzia gegen die Lebensmittelverkaeufer/innen (vor allem Mais) - jetzt weiss ich auch, warum die "fliegende Haendler" heissen. Aber kaum war die Luft wieder rein, kamen alle zurueckgeflogen und nahmen ihre alten Plaetze (oder auch neue) ein, schmunzel!

Danach sind wir zum Antikmarkt in die Dongtai Lu gefahren. Das klingt wie unsere eigene Adresse, aber ein Blick auf die Zeichen zeigt, dass es sich um ganz verschiedene Dongtais handelt. Natuerlich gibt es da viel Troedel, sicher auch eine ganze Menge brandneuen, aber trotzdem ist es nett zum Bummeln und Gucken. Hinter den Buden gibt es auch Geschaefte, die sehen schon eher so aus, als ob es da echte Antiquitaeten gaebe. Unweit von dort befindet sich der Blumen- und Vogelmarkt auf der Tibet-Road, den wir dann auch besichtigten. Wenig Blumen, aber nicht nur Voegel, sondern auch Katzen, Maeuse und andere kleine Pelztiere, verschiedene Raupen, Schildkroeten, Krebse und Fische. Die Aquarienstaende waren mir irgendwie lieber als die mit den Voegeln - die sind zu laut! Laut sind auch die Staende mit den Grillen. Die sind ca. 5 cm lang und einzeln "eingekaefigt", entweder in geflochtenen Vielecken mit mehr oder weniger runden Loechern oder in kleinen Kaefigen aus Holz oder in durchsichtigen Plastikdosen. Ob die Chinesen die fuettern? Seltsam ... Vor dem Gebaeude konnte man einem Kaefigflechter bei der Arbeit zusehen. Vor dem Schliessen des Vielecks wurde durch die letzte akzeptable Oeffnung dann jeweils eine Grille "hineinpraktiziert".

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, haben wir Burkhard zu Hause aufgesammelt und sind in den Jahrhundertpark gefahren, den wir mit dem Vierer-Tretauto unsicher gemacht haben, kreuz und quer durch den Park und um den See. Es ging dort heute eher beschaulich zu. Im Bonsaigarten gab es heute ausser den Bonsais (die zum Teil wirklich sehr schoen sind und/oder die Phantasie anregen, wie zum Beispiel der, der aus einer Richtung wie eine sitzende Gazelle und aus der anderen wie ein Seeloewe aussieht - leider hat Burkhard keine Bilder davon gemacht) ein mit einem spektakulaeren Spinnenseidenseil befestigtes Netz am Dach des Pavillons zu bestaunen. Nach zwei Stunden haben wir den Garten wieder verlassen und sind auf dem Fussgaenger-Boulevard, der geradewegs auf den Eingang zufuehrt, wieder bis zum Oriental Arts Center zurueck"gelustwandelt". Mit den Drachen vor der Silhouette von Lujiazui ergibt das auch schoene Ansichten.

Zu Hause wurden dann die gesammelten "Schaetze des Orients" auf dem Tisch ausgebreitet, zum Zwecke eines Dokumentationsfotos. Gut, dass der Tisch eine dicke Glasplatte hat, sonst haette er sich womoeglich unter den vielen Schaetzen biegen muessen! Jetzt werden noch die Koffer gepackt, und morgen um sieben geht es dann zur Maglev-Station.

Dienstag, 5. Juni 2007

Kaufrausch³

Das Sonntagsprogramm laesst sich mit dem Wort "Kaufrausch" kurz zusammenfassen: Zum Stoffmarkt fahren, das neue zweiteilige Seidenkleid anprobieren. Rock gut, Oberteil braucht noch eine Retusche. Und eigentlich moechte meine Mutter ja doch noch Seidentops zum Drunterziehen. Wir geben ein roetliches und ein gruenliches in Auftrag, passend zu den Toenen des Kleides - jeweils fuer 150 Yuan. Alle zucken ein bisschen, weil ich sie fuer Montag bestelle, stimmen aber zu. Der schon abzuholende Leinenrock passt auch, prima. Wir kaufen ausserdem noch Tuecher und lassen uns dann zum Konfuziustempel (Wen Miao) fahren. Schade, der Haupthof vor der Dacheng Hall ist gerade aufgerissen, so dass die Kalligraphiepavillons zu seinen Seiten nicht zugaenglich sind. Aber die Teekannensammlung, die Bibliothek und vor allem die Gelehrtensteinsammlung sind zugaenglich. Die Dacheng Hall selbst auch. Vor allem ist es wieder ziemlich leer und ruhig - das ist mit das Beste am Konfuziustempel. Als wir uns sattgesehen haben, nehmen wir nochmal ein Taxi, auch nur in die Fangbang Zhonglu am Jadegarten. Ketten, Kalligraphien, Tempel- und andere Schweine, Faecher, Drachen, Armbaender und was weiss ich noch wurden fuer vermeintlich oder tatsaechlich wenig Geld erstanden ... wie das eben so ist, im Rausch. Nur Wangdalong-Schaelmesser konnten wir nicht kaufen - die gibt es nicht. Selbst das kleinste Messer schien noch zu gross. Zwischendurch haben wir uns im Teehaus im Herzen des Sees mit Tee und den dazu gereichten Leckerli aller Arten gestaerkt. Und dann mussten wir uns auch schon ein bisschen beeilen: ohne gross rechts und links zu gucken zur Faehre, ueber den Huangpu und nach Hause. Dort rasch umziehen, dann ins Taxi zum Hotpot Shanghai. Das ist in Hongqiao, aber da die Strassen frei waren, kamen wir problemlos puenktlich an und wurden in dasselbe Séparé gefuehrt, in dem wir schon unsere Heiligabendmahlzeit eingenommen hatten. Mit "double choice"-Suppe, diversen Sorten Fleisch, Surimi, Aal, Pilzen, Gemuesen und Tofu war das sehr lecker. Und unsere Bedienung ja sooo suess, habe ich mir sagen lassen. Ein junger Mann, der auch ein bisschen Englisch radebrechte. Oder heisst das vielleicht radebroch? Passte jedenfalls zu meinem Chinesisch.

Das Montagsprogramm kenne ich mehr vom Hoerensagen, denn ich hatte keinen Urlaub. Am Vormittag ging es ins Stadtentwicklungszentrum auf dem Volksplatz, um das beeindruckende Modell von Shanghai und die Fotos von Pudong von vor 15 Jahren zu bestaunen. Ca. 1000 m² Flaeche bedeckt das Modell, mir ist voellig schleierhaft, wie ich es im letzten Jahr geschafft habe, das zu uebersehen. Jedenfalls habe ich es nicht gesehen, sowas aber auch! Am Nachmittag wurde in der Fangbang Zhonglu der Kaufrausch fortgesetzt, und dann mussten ja noch die Tops und das retuschierte Kleideroberteil im Stoffmarkt abgeholt werden. Und dann musste es heimwaerts gehen, denn wir hatten ja wieder Chinesischunterricht. Dafuer konnten sich meine Mutter und Renate dann mal in Ruhe erholen, diesmal wurde auch nur das Wasser gebracht, aber diesbezueglich hatte Burkhard sie schon vorgewarnt.

Das Dienstagsprogramm darf ich wohl auch als gelungen bezeichnen. Nach einem durchwachsenen Morgen incl. Regen und einem kurzen Abstecher zum Konsulat zwecks Beglaubigung einer Unterschrift sind wir zum Longhua-Tempel gefahren. An den Buden vor dem Eingang wurde schon wieder dem Kaufrausch gefroent. Ich sage nur Klangschale, Teetasse, Hornkamm ... Kaum dass wir den Tempel betreten haben, fing das Wetter an, deutlich besser zu werden, und der Himmel blaute sogar ein bisschen, super! Der Tempel ist ja auch schoen und war heute, an einem Werktag, sogar relativ beschaulich. So beschaulich offenbar, dass sich sogar die weisse, schwarz-ocker gefleckte Tempelkatze und ihre Artgenossen hervorgetraut haben. Hunger hatten wir nicht, so dass wir auf den Besuch des schoenen Buffetrestaurants verzichtet haben. Aber Tempelschweine mussten noch gekauft werden! Als es dann ganz sonnig war, sind wir zum Oriental Pearl TV Tower gefahren und haben sogar fuer die "Space Cabin" auf 350 m Hoehe (10 m hoeher als das JinMao Observation Deck) gebucht, und ich muss sagen, dass es sich gelohnt hat. Die Sicht war heute ziemlich gut, man konnte den Yangzi fliessen sehen, die beiden Bruecken waren superklar zu sehen (sind ja nicht weit weg, aber trotzdem oft gar nicht zu erkennen), und mit dem Licht, das Flecken auf das Haeusermeer warf, sah das alles toll aus. Vermutlich war dafuer das am Vortag besichtigte Stadtmodell die richtige Vorbereitung ... Danach gab es draussen an der Super Brand Mall einen kleinen Imbiss, und dann mussten wir uns schon wieder auf den Heimweg machen, uns umziehen und uns von Ding Shifu zur Shanghai Circus World bringen lassen, denn fuer heute hatten wir Karten fuer ERA - Intersection of time (zwei verschiedene Links). Wirklich sehr gelungen.



Mehr Fotos gibt's auf der eigenen Website http://www.era-shanghai.com/.

Die Erkenntnis dieses Morgens

Buersten mit Schweineborsten buersten besser als Buersten 'mit keine' Borsten.

Sonntag, 3. Juni 2007

Heilige Hoehen

Gestern waren wir am She Shan. Mit der Seilbahn sind wir heraufgegondelt, haben das alte Observatorium und die Kirche angesehen und sind dann zum Teegarten gegangen. Leider lag das Schau-Teehaus oed und leer, so ein Pech - zumal der Wind relativ frisch blies und mir das mitgebrachte Trinkwasser zu kalt war. So musste meine Mutter sich mit der Ent-Taeuschung begnuegen (sie hatte sich einen Teegarten ganz anders vorgestellt, ohne genau zu wissen, wie) und wir anderen damit, die Schmetterlinge zu beobachten und die Abstufungen der Gruentoene und -formen zu geniessen, von den runden Teestraeuchern ueber den fiedrigen Bambus zu den verschieden geformten Baeumen. Dann ging es zurueck ueber den Bambuspfad zum Seilbahneingang und mit der Seilbahn auf den oestlichen She Shan. Frecherweise musste man da Seilbahn und Eintritt getrennt bezahlen. Alles Nepp! Ich wollte ja vor allem den Schmetterlingspark sehen. Nun war aber die Enttaeuschung zunaechst bei mir: im ersten Raum aufgespiesste lokale Schmetterlinge an den Waenden, im zweiten aufgespiesste lokale und andere Schmetterlinge in Kisten und unter Mikroskopen, die meistenteils ihre guten Zeiten schon lange hinter sich gelassen hatten, im dritten eine Verkaufsausstellung mit Schmetterlingswaren, der Schwerpunkt lag auf chinesischen Zeichnungen von Leuten in traditionellen Gewaendern, wobei die Gewaender aus Schmetterlingsfluegeln collagiert waren. Als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, haben wir aber doch noch eine Voliere mit lebendigen Exemplaren gefunden. Das war dann schon besser, vor allem handelte es sich um eine Freiluftvoliere, also offenbar um lokale Schmetterlinge - oder jedenfalls um solche, die sich in diesen Breiten bzw. in diesem Klima wohlfuehlen. Und da waren schon sehr schoene Exemplare dabei! Nachdem wir unser Interesse durch hinreichend langes Verweilen belegt hatten, holte die "Aufpasserin" auch noch die "Brutkaesten" mit Raupen und Puppen hervor. Nett.

Danach waren alle ganz erschoepft, und wir haben die Heimreise angetreten. Leider war oder hatte (?) das Wetter waehrend des ganzen Tages nicht richtig aufgeklart, und auf der Rueckfahrt begann es sogar ein bisschen zu regnen. Die Spitzen des JinMao und des SWFC waren wieder nicht zu sehen, aber da wir kein besonderes Abendprogramm vorgesehen hatten, war das nicht weiter schlimm. Ich bin mit meiner Mutter zur Fussmassage gegangen, mit Rosenoel, ui! Ganz angenehm, und dabei konnte ich dann gleich noch ein bisschen Chinesisch ueben, denn der Masseur plauderte offenbar gern ein bisschen. Na ja, haette schlechter sein koennen ...

Freitag, 1. Juni 2007

Mir naehmet immer no' nix!

Gestern morgen bin ich erst noch ein bisschen ins Buero gegangen, trotz Urlaub, um eine kleine Einfuehrung fuer eine Schulung zu machen ... das Thema liegt mir schliesslich ein bisschen am Herzen. Auf der "Noch Fragen?"-Folie hatte ich diesen Satz auf chinesisch (schliesslich war es eine rein chinesische Audienz), mit einem kleinen Fehler, was ein grosses Hallo gab. :-))

Nach einem kleinen japanischen "Loentsch" (in echter Loriot-Aussprache) sind wir dann zum Stoffmarkt gefahren, haben unsere Sommer-Morgenmaentelchen abgeholt (nett!) (und wirklich seiden, wie der Feuerzeugtest - natuerlich nicht am fertigen Maentelchen, sondern beim Bestellen am Ballenrand - gezeigt hatte) und dann fuer meine Mutter gesucht. Schwierige Geburt, aber am Ende haben wir etwas gefunden, was jetzt auch hoffentlich schoen wird. Danach waren die Fuesse platt, und wir sind zum Volksplatz gefahren, um in der schicken (und ziemlich kalten) Lobby des Marriott einen Kaffee zu trinken. Nicht, dass ich eine Anhaengerin des Herumhaengens in schicken Hotellobbies waere, aber die besagte befindet sich in "The Rocket" (warum das Gebaeude wohl so heisst ...) im 38sten Stock (das duerfte so ungefaehr in dem Bereich sein, in dem die obere Haelfte gegen die untere Haelfte "verdreht" wird, auf dem Bild kann man hoffentlich halbwegs nachvollziehen, wie das gemeint ist) und bietet einen schoenen Ausblick auf den Volksplatz. Zwar war es schon ziemlich zugezogen, aber das hat trotzdem was. Bei Geschaeftsleuten scheint diese Lokation auch sehr beliebt zu sein, es wimmelte von Laptops und Mobtels. Den Kaffee (und Beinah-Essen, aber das war nur fuer die anderen Leute) gibt es da zu Wessiepreisen, klar.

Dann war es schon Zeit, sich auf den Heimweg zu machen, denn wir hatten ja Chinesischunterricht, den ich nicht gern ausfallen lassen wollte. Ausserdem waren die beiden Damen einer kleinen Ruhepause auch gar nicht so abgeneigt. Nachdem wir sie mit Schluessel und Telefon ausgeruestet und auf dem Sofa drapiert hatten, sozusagen, konnten wir beruhigt gehen. Mitten im Unterricht klingelte Burkhards Telefon - da wolle jemand was bringen, und wie, und was ... Hinterher hoerten wir dann, dass die erste Bewegung eine Abwehrgeste war, wie man sie nach 1000 Malen Anquatschen schon im Schlaf macht ... mir naehmet nix! Aber bei einigem Kombinieren stellte sich dann heraus, dass das nur die verspaetet gelieferten Sachen aus der Reinigung waren. "Ja, was haben wir da gelacht!"

Heute war es leider ziemlich grau und regnerisch, so dass ich meinen urspruenglichen Plan ueber den Haufen werfen musste. Wir haben ausfuehrlich gefruehstueckt und dann noch gequatscht und ueberlegt ... und sind dann nach Xintiandi gefahren, die Gruendungsstaette der KPC besichtigen. (Geheimtipp: Besonders zu empfehlen ist dort der Souvenirladen. Warum? Das ist das Geheime am Tipp.) Danach gab es einen Tee mit Knabberzeug (Walnuesse, Ginseng kandiert und knusprig, getrocknete Aprikosen und getrocknete Rot- oder Weissdornfruechte), und dann sind wir zum Blumenmarkt gefahren. Die ganzen Garagenlaeden gegenueber sind weg, und die Kalligraphiebedarflaeden auch - so ein Mist, darauf war ich doch ganz gespannt gewesen, denn die habe ich noch nicht gesehen! Danach haben wir von unseren Gaesten noch einen wunderschoenen Blumentopf mit einer hoechst dekorativen Pflanze bekommen, sieht ganz toll aus. Danke! (Man kann also nicht sagen, dass man mit den beiden keinen Blumentopf gewinnen kann, Gruss aus Kalau.) Ding Shifu musste sich schon wieder am Kopf kratzen, dabei passte sie diesmal wirklich problemlos in den Kofferraum.

Wir haben uns dann zurueck nach Xintiandi bringen lassen, um uns das 'Open Shikumen' anzusehen, ein museal hergerichtetes Shikumen, in dem zusaetzlich ueber das Projekt Xintiandi berichtet wird. Danach war es schon Zeit fuers Abendessen. Wir haben thailaendisch gespeist, jede/r eine der leckeren Suppen, ausserdem thailaendische Fruehlingsrollen, gruenes Curry mit Huhn und knusprigen Fisch mit suess-scharfer Sauce. Dazu Thai-Duftreis und zum Nachtisch im Teigblatt fritierte Banane. Lecker. Der Abend war zum Ausruhen und Sich-Pflegen, und nun sind schon alle im Bett. Dann geh' ich wohl besser auch.