... ist das ja nun wirklich nicht lustig. So geschehen mit einem meiner Mitarbeiter - er und sein Firmenlaptop sind unauffindbar. Also gibt es zwei Moeglichkeiten: entweder es ist ihm etwas zugestossen, oder er ist durchgebrannt - untergetaucht - verschwunden, wie auch immer man das formulieren will. Ich weiss nicht, was schlimmer ist. Jedenfalls hat er nicht vorher bei mir um Genehmigung gebeten. Das ist eine hoechst seltsame Geschichte. Schlimmer ist aber die allgemeine Ratlosigkeit bei den zustaendigen Abteilungen. Wie soll ich denn wissen, wie man dergleichen in China behandelt?? In Deutschland waere ich laengst zur Polizei gegangen und haette eine Vermisstenmeldung aufgegeben. Und ich haette dafuer gesorgt, die Wohnung oeffnen zu lassen. Aber hier? Unsere Personalabteilung sollte so etwas handhaben koennen. Aber statt dessen fragen sie mich, was zu tun sei. Und nachdem ich ein Mail geschickt hatte, dass wir den Arbeitsvertrag loesen muessten, haben sie mich wirklich und wahrhaftig aufgefordert, doch besser noch einmal mit dem Mitarbeiter zu reden. Hallo??!! Prima Idee, da konnte ich ganz anders arbeiten.
Und der Gipfel: jetzt fragt auch noch das Finanz- und Rechnungswesen. Schickt mir ein Inquisitionsmail. Ich moege bitte Stellung nehmen zu diesem Verschwinden. Und was ich denn nun zu tun vorschlagen wuerde. Und wie ich gedaechte, den Laptop wiederzubekommen ... Mit dem Unterton "wie kann die erlauben, dass der verschwindet". Es ist zum Maeusemelken!
Jaja, ich weiß, manche/r hätte gern mehr Fotos aus Shanghai und von unterwegs gesehen ... insgesamt sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren ca. 45.000 Stück entstanden. Aber das hat man eben nur zum Teil meiner Faulheit zu verdanken - zu einem mindestens genau so großen Teil der chinesischen Regierung mit ihrer "great firewall". Hoch lebe das freie Internet!
Wer weiterhin meine Bemerkungen über Gott und die Welt lesen möchte, klickt bitte hier:
Das neue Jahr des Schweins
Wenn ich es schaffe, gibt es hier übrigens auch noch Updates, und zwar aus den bisher unveröffentlichten Reisetagebuchnotizen.
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Dienstag, 25. März 2008
Montag, 24. März 2008
Errungenschaften
Jawohl, wir haben eine neue Errungenschaft: einen Reiskocher. Weil ich so ein Geraet unbedingt ausprobieren wollte, nachdem "Hinz und Kunz" gesagt haben, dass das ja sooo praktisch sei. Vorsichtshalber haben wir aber nicht ein teures Modell (ueber 500 RMB) gewaehlt, sondern ein guenstiges (89 RMB), zumal das mit seinem Edelstahl-und-schwarzer-Kunststoff-Design ohnehin viel besser in unsere Kueche passt als die anderen: die sind fast alle aus weissem Kunststoff mit rosa Bluemchen, Ranken, Muesterchen. Irgendeiner denkt wohl, fuer Reis sei das kanonisch. Den weissen Kunststoff verstehe ich ja noch, aber woher das Rosa??
Gestern habe ich den Kocher jedenfalls ausprobiert, und siehe da, es hat prima funktioniert. Der Reis wird wirklich sehr schoen, wohl auch ein bisschen schoener als zuletzt beim Kochen im Topf. Ich kann das also empfehlen.
Die zweite Errungenschaft ist ein Mauspad mit Gelkissen fuers Handgelenk. Gar nicht so verkehrt, aber leider stellen wir fest, dass unser Computertisch zu klein ist - das Mauspad passt nicht richtig neben die Tastatur. So ein Mist aber auch: kauft man einen Gegenstand fuer 2,49 Euro und hat potentielle Folgekosten von mindestens 249 Euro, fuer einen neuen Computertisch eben ...
Gestern habe ich den Kocher jedenfalls ausprobiert, und siehe da, es hat prima funktioniert. Der Reis wird wirklich sehr schoen, wohl auch ein bisschen schoener als zuletzt beim Kochen im Topf. Ich kann das also empfehlen.
Die zweite Errungenschaft ist ein Mauspad mit Gelkissen fuers Handgelenk. Gar nicht so verkehrt, aber leider stellen wir fest, dass unser Computertisch zu klein ist - das Mauspad passt nicht richtig neben die Tastatur. So ein Mist aber auch: kauft man einen Gegenstand fuer 2,49 Euro und hat potentielle Folgekosten von mindestens 249 Euro, fuer einen neuen Computertisch eben ...
Sonntag, 23. März 2008
Wackelbauchbuddha
Ich hab' eine Geschaeftsidee fuer den asiatischen Markt: der Wackeldackel oder Weckelteckel ist nun wirklich zu teutonisch. Dachshund! Bestimmt gibt's hier gar keine Dachse ... Alternativ schlage ich vor, einen lachenden dicken Gluecks-Buddha nicht mit wackelndem Haupt, sondern mit Wackelbauch zu produzieren.Angeblich stellt die dicke Figur uebrigens gar nicht Buddha dar, sondern den buddhistischen Moench Pu-Tai (zu deutsch: Hanfsack, auch kein sehr respektvoller Name, finde ich ... - der soll aber nicht auf den dicken Bauch zurueckzufuehren sein, sondern darauf, dass er einen Bettelsack aus Hanf auf dem Ruecken zu tragen pflegte). Aber Buddha hin oder her - das waer' doch was: ein froehlicher lachender Dicker, dem der Bauch vor Lachen wackelt! Ich waere die erste Kundin.
Samstag, 22. März 2008
Kahlfleitag
Uff, die Woche war ein bisschen anstrengend - die zwei Seminartage, die jeweils um halb neun anfingen, am Montag danach Chinesisch, am Dienstag danach Buero bis spaet, am Mittwoch ein Tag voller Termine, und Donnerstag und Freitag ein Workshop in den Raeumlichkeiten unseres Lieferanten, am Donnerstag mit Abendprogramm, am Freitag bis halb acht. Die besagten Raeumlichkeiten befinden sich im 13. (man hoere und staune!) Stock des Boah Ey-Gebaeudes (in Wirklichkeit heisst es Bo Ai). Oh je ... die waren ja nun wirklich nicht so toll. Die Stockwerke sind ziemlich niedrig, der Besprechungsraum hatte keine Klimaanlage. Das fuehrt bei 9 Personen, heissen Diskussionen, mindestens 7 Laptops und einem Beamer dazu, dass man bedauert, sich keine eigene Sauerstoffflasche mitgebracht zu haben. Puuhhh! Und dann der Fussboden in diesen Raeumen - vermutlich roher Betonboden, auf den Teppichfliesen geklebt waren. Das waere ja nichts Schlimmes, wenn der Betonboden richtig glatt gewesen waere. War er aber nicht, sondern ganz huckelig und loecherig - und das ueberdeckt der Teppich zwar optisch, aber darueber hinwegtragen tut er nicht. Also immer schoen vorsichtig gehen ... Ich versteh' gar nicht, dass unser Lieferant so ein mickriges Buero hat - bei den Lizenzpreisen, die wir da zahlen ...!
Am Donnerstag hatte ich ein kleines Besichtigungsprogramm organisiert. Das war auch eine schwere Geburt, unsere Sekretaerinnen stellen sich an, als haetten sie so etwas noch nie gemacht. Schlagen mir vor, den Jadebuddhatempel oder den Yu-Garten zu besichtigen. Nach fuenf? Wohl kaum. Ich schlage also vor, auf den JinMao zu fahren und einen Spaziergang am Bund zu machen. Daraufhin hat man den Griffel fallen lassen - als ich nach den Modalitaeten frage, wie der Transport organisiert sei etc., schlaegt mir das blanke Erstaunen entgegen: "Ich dachte, Du haettest schon alles organisiert." Na prima. Also in zwei Tagen was hingehuddelt. Man mag denken, dass zwei Tage dicke reichen, aber in China ist ja alles nicht so einfach. Statt Bundspaziergang schlaegt mir die Sekretaerin eine Bootsrundfahrt vor, nachdem sie vorher festgestellt hat, dass die Zeit zu knapp sei - die Logik verstehe einer, ich nicht. Egal, ich hab' mich dazu breitschlagen lassen. War auch gut so, sie hatte uns Fahrkarten fuer das schicke neue Ausflugsboot gebucht, das erst vor kurzem seinen Dienst aufgenommen hat. Wir haben in der VIP-Lounge gesessen. Da muss man fuer mindestens 30 Yuan konsumieren - das hat den Vorteil, dass sie relativ leer ist. ;-)) - Ich habe unsere Sekretaerin auch mitgenommen. Sie hat ihr Englisch an den Besuchern geuebt und sich riesig gefreut, wie schoen. Wir kamen zwar sowohl zum Schiff zu spaet (und mussten dann eine ganze Weile auf die naechste Fahrt warten) als auch zum Essen, aber der Wettergott war gnaedig, es regnete nicht - und die koreanischen Besucher waren sehr begeistert. Ende gut, alles gut!
Ansonsten gibt's im Westen nichts Neues, im Osten kein Ostern. Wenigstens ist hier dann auch hasenfreie Zone!
Am Donnerstag hatte ich ein kleines Besichtigungsprogramm organisiert. Das war auch eine schwere Geburt, unsere Sekretaerinnen stellen sich an, als haetten sie so etwas noch nie gemacht. Schlagen mir vor, den Jadebuddhatempel oder den Yu-Garten zu besichtigen. Nach fuenf? Wohl kaum. Ich schlage also vor, auf den JinMao zu fahren und einen Spaziergang am Bund zu machen. Daraufhin hat man den Griffel fallen lassen - als ich nach den Modalitaeten frage, wie der Transport organisiert sei etc., schlaegt mir das blanke Erstaunen entgegen: "Ich dachte, Du haettest schon alles organisiert." Na prima. Also in zwei Tagen was hingehuddelt. Man mag denken, dass zwei Tage dicke reichen, aber in China ist ja alles nicht so einfach. Statt Bundspaziergang schlaegt mir die Sekretaerin eine Bootsrundfahrt vor, nachdem sie vorher festgestellt hat, dass die Zeit zu knapp sei - die Logik verstehe einer, ich nicht. Egal, ich hab' mich dazu breitschlagen lassen. War auch gut so, sie hatte uns Fahrkarten fuer das schicke neue Ausflugsboot gebucht, das erst vor kurzem seinen Dienst aufgenommen hat. Wir haben in der VIP-Lounge gesessen. Da muss man fuer mindestens 30 Yuan konsumieren - das hat den Vorteil, dass sie relativ leer ist. ;-)) - Ich habe unsere Sekretaerin auch mitgenommen. Sie hat ihr Englisch an den Besuchern geuebt und sich riesig gefreut, wie schoen. Wir kamen zwar sowohl zum Schiff zu spaet (und mussten dann eine ganze Weile auf die naechste Fahrt warten) als auch zum Essen, aber der Wettergott war gnaedig, es regnete nicht - und die koreanischen Besucher waren sehr begeistert. Ende gut, alles gut!
Ansonsten gibt's im Westen nichts Neues, im Osten kein Ostern. Wenigstens ist hier dann auch hasenfreie Zone!
Dienstag, 18. März 2008
Ting 听
... ist chinesisch (ach!) und bedeutet hoeren. Ich habe mal gehoert, dass das vereinfachte chinesische Zeichen einen Mund (kou 口) an einem stilisierten Ohr darstellt. Nicht voellig unplausibel.
Ich war gestern und heute "auf einem Seminar", sozusagen, oben drauf, gewisssermassen. (Mir scheint, es ist durchaus gebraeuchlich, das so zu sagen ... wahrscheinlich so, wie mein Vater zu sagen pflegte, dass diese oder jener auf dem Bus gewesen sei, obwohl, so weit ich das beurteilen kann, auch das Begleitpersonal immer in den Bus eingestiegen und nie auf dessen Dach geklettert ist.) Es war ein Seminar namens Effective Coaching, die Teilnehmer waren etwa zur Haelfte Chinesen, zur Haelfte Deutsche. Trotzdem war es kein interkulturelles Seminar, aber der Trainer, ein Hong Kong-Chinese, hatte die (wenigen) Schluesselwoerter in seinem Skript zusaetzlich auf Chinesisch eingefuegt.
Eine der stets bewaehrten Methoden ist das Zuhoeren, was - auch nichts Neues - weniger einfach ist, als man denken moechte. Und in diesem Kapitel war ein Zeichen ganz gross abgedruckt - das traditionelle Zeichen fuer ting, das man zum Beispiel in Hong Kong und Taiwan verwendet. Und die Erklaerung des Zeichens vermittelte gleichzeitig die Quintessenz des Lernstoffes, genial! Fuer so Wortfixierte wie mich ist das auf jeden Fall ein Highlight, wenn nicht ein Glanzlicht. Und weil Begeisterung sich (hoffentlich) verhaelt wie Freude, will ich hier alle meine Leser an der Erkenntnis teilhaben lassen.
Auch wenn die Erklaerung aus Linguistensicht vielleicht nicht ganz richtig ist, ist sie doch sehr gut zum Merken des Zeichens geeignet. Das Zeichen ist aus 6 Zeichen zusammengesetzt (siehe Bild, und fuer diejenigen, deren Rechner chinesische Zeichen anzeigen kann, habe ich sie hier dazugeschrieben): Ohr (耳) ueber Koenig (王) auf der linken Haelfte, zehn (十) ueber Auge (目, quergelegt) ueber eins (一) ueber Herz (心) auf der rechten. Das interpretierte unser Trainer dann wie folgt: Das Ohr ist Koenig beim Zuhoeren, und man tue es mit Blickkontakt und ungeteiltem Herzen. Toll, oder?
Ich war gestern und heute "auf einem Seminar", sozusagen, oben drauf, gewisssermassen. (Mir scheint, es ist durchaus gebraeuchlich, das so zu sagen ... wahrscheinlich so, wie mein Vater zu sagen pflegte, dass diese oder jener auf dem Bus gewesen sei, obwohl, so weit ich das beurteilen kann, auch das Begleitpersonal immer in den Bus eingestiegen und nie auf dessen Dach geklettert ist.) Es war ein Seminar namens Effective Coaching, die Teilnehmer waren etwa zur Haelfte Chinesen, zur Haelfte Deutsche. Trotzdem war es kein interkulturelles Seminar, aber der Trainer, ein Hong Kong-Chinese, hatte die (wenigen) Schluesselwoerter in seinem Skript zusaetzlich auf Chinesisch eingefuegt.
Eine der stets bewaehrten Methoden ist das Zuhoeren, was - auch nichts Neues - weniger einfach ist, als man denken moechte. Und in diesem Kapitel war ein Zeichen ganz gross abgedruckt - das traditionelle Zeichen fuer ting, das man zum Beispiel in Hong Kong und Taiwan verwendet. Und die Erklaerung des Zeichens vermittelte gleichzeitig die Quintessenz des Lernstoffes, genial! Fuer so Wortfixierte wie mich ist das auf jeden Fall ein Highlight, wenn nicht ein Glanzlicht. Und weil Begeisterung sich (hoffentlich) verhaelt wie Freude, will ich hier alle meine Leser an der Erkenntnis teilhaben lassen.Auch wenn die Erklaerung aus Linguistensicht vielleicht nicht ganz richtig ist, ist sie doch sehr gut zum Merken des Zeichens geeignet. Das Zeichen ist aus 6 Zeichen zusammengesetzt (siehe Bild, und fuer diejenigen, deren Rechner chinesische Zeichen anzeigen kann, habe ich sie hier dazugeschrieben): Ohr (耳) ueber Koenig (王) auf der linken Haelfte, zehn (十) ueber Auge (目, quergelegt) ueber eins (一) ueber Herz (心) auf der rechten. Das interpretierte unser Trainer dann wie folgt: Das Ohr ist Koenig beim Zuhoeren, und man tue es mit Blickkontakt und ungeteiltem Herzen. Toll, oder?
Sonntag, 16. März 2008
Suzhou
Ah, endlich mal wieder ein Ausflug! Nachdem das Wetter gestern sonnig und blau und fruehlingshaft war, war es heute leider trueb und grau - schade, irgendwie ist das hier oft so, dass nur einer der beiden Wochenendtage schoen ist. Um die Mittagszeit und am fruehen Nachmittag hat immerhin mal die Sonne hervorgelugt, aus dem nach wie vor grauweissen Himmel (sehr unguenstig zum Fotografieren). Aber das war nur eine Episode. Aber ich will ja nicht meckern: da wir einen Schirm eingepackt hatten, blieb es trocken.
Um halb neun (!!) hat uns Ding Shifu also seine Freundin vorgestellt, denn er hatte gefragt, ob er sie mitnehmen koenne. Klar, warum nicht, kann uns ja nur recht sein. Nach etwa eineinhalb Stunden waren wir da. Leider war sie im Kartenlesen nicht so geuebt, so dass die beiden uns nicht an der Nordtempel-Pagode (Bei Si Ta, sprich be-i ße ta, mit unbetontem e) abgesetzt haben, sondern am Garten des bescheidenen Verwalters (Zhuozheng Yuan), der je nach Reisefuehrer auch schon mal Garten der Politik des einfachen Mannes heisst. Es ist aber immer derselbe. Und auf dem Stadtplan sieht es so aus, als laege die Pagode ganz in der Naehe. So nah ist das dann aber nicht, bestimmt war es ein knapper Kilometer zu laufen. Die Stadt ist recht gross, mit mehr als zwei Millionen Einwohnern - ich hatte sie mir irgendwie etwas kleiner und doerflicher vorgestellt. Da wir nicht sofort einen Referenzpunkt auf dem Plan hatten, habe ich uebrigens auf Chinesisch nach dem Weg gefragt und die Antwort sogar verstanden, ich bin stolz!
Die Pagode hat sieben Stockwerke und sieht recht solide aus - das ist auch gut so. Insgesamt sind es 218 Stufen bis nach oben. Man hatte einen schoenen Ueberblick ueber das Tempelgelaende (alles neu) und ueber die grauen Daecher auf den weissen Haeusern der Stadt - jedenfalls stehen solche traditionellen Haeuser auf dem Gebiet zwischen dem Garten und der Pagode. In der Ferne war eigentlich gar nichts zu sehen, ausser ein paar Schemen vielleicht, denn es war schon sehr truebe. Ich muss sagen, ich hatte auch mehr Kanaele und mehr Gaerten erwartet - Fehlanzeige.
Nachdem wir alles ausgiebig besichtigt hatten, sind wir zurueckgegangen zum Garten des bescheidenen Verwalters. Das ist einer der Gaerten Suzhous, der zum Weltkulturerbe zaehlt. Leider natuerlich dementsprechend auch in der Nebensaison sehr voll. (Immerhin kostet's da auch nur 50 RMB pro Nase statt 70 in der Hauptsaison.) Wir haben erst einmal einen Tee getrunken. Im Teeraum (einer lichten Halle) wurde uns auch ein Gesang angeboten fuer 60 RMB - ein Duett waere ihr Preis gewesen, von kostuemierten Saengern vorgetragen. Aber der junge Herr im roten Gewand mit ueberlangen Aermeln hatte uns ein schoenes Mittherbstlied vorgeschlagen, wer will das denn um diese Jahreszeit hoeren?? Ich hab' was von chun = Fruehling gemurmelt, aber er wollte nichts hoeren. Dann wurde eben auch kein Lied bestellt.
Der Garten selbst wirkt unerwartet offen, und er war natuerlich noch recht kahl. Vielleicht ist er im Sommer "zugewachsener", wer weiss - irgendwie wollte nicht so viel Stimmung aufkommen. Natuerlich ist der Garten trotzdem sehr schoen, mit Pavillons und moeblierten und geschmueckten Hallen, Bruecken und Stegen und Durchgaengen ... eine grosse Bonsaisammlung gibt es auch, mit preisgekroenten Exemplaren.
Nachdem wir vom Protz des bescheidenen Verwalters genug gesehen hatten (so bescheiden war das ja nun alles nicht), sind wir zum Loewenwald-Garten gegangen (Shizi Lin, sprich sche dse lin, mit unbetonten e-s). Da gibt es weder Loewen noch Wald, sondern vor allem Steine. Bizarre Steine, die zu kuenstlichen Gebirgen aufgetuermt wurden. Angeblich sollen einige der Steine wie Loewen aussehen ... na ja. Es fuehrt ein labyrinthischer Weg durch die Anlage, wobei labyrinthisch im engeren Sinne gemeint ist. Ein Labyrinth unterscheidet sich von einem Irrgarten dadurch, dass es nur einen Weg gibt (mehr darueber zum Beispiel hier) - so dass ich nur darauf zu achten brauchte, nicht zu straucheln und mir nicht den Schaedel einzuschlagen. Beides kann man hier leicht ... die zahlreichen Steinstufen sind oft von unzaehligen Benutzern spiegelglatt poliert, und die Hoehlengaenge im kuenstlichen Gebirge sind oft recht niedrig. Die kleine Pflaumenbluetenausstellung ist schon verblueht hier - aber in diesem Garten wie auch ueberall sonst beginnen die Magnolien zu bluehen.
Als wir uns auch hier sattgesehen haben, schlagen wir noch den Weg zum daoistischen Tempel des Mysteriums ein (Xuanmiao, sprich schü-en miao mit einem Zischlaut am Anfang, den ich "kleines sch" nenne und der in anderen Romanisierungen mit "chs" wiedergegeben wird, wobei dann das ch wie in "ich" zu sprechen waere). Unterwegs kaufen wir uns ein gedaempftes Broetchen mit Fleischfuellung aus dem grossen Dampfkorb, fuer 1 Yuan das Stueck. - Als wir in die Guanqian Jie einbiegen, an der der Tempel liegen soll, trifft uns fast der Schlag: eine Fussgaengerzone ist das, ganz nach westlichem Muster, dementsprechend mit so wunderbaren Etablissements wie KFC und McDonald's, dazu Boutiquen und grosse Geschaefte mit allem Moeglichen. Und Minitrain, der die Strasse 'rauf und 'runter faehrt. Hier tobt der Baer, und wenn nicht die Passanten fast alle asiatisch aussaehen und es zwischendurch ein paar Versatzstuecke chinesischer Architektur zu sehen gaebe, wuerde man gar nicht merken, dass man in China ist. - Der besagte Tempel hat laengst geschlossen, es ist ja jetzt schon fuenf Uhr durch. Wir muessen uns also mit ein paar Aussenansichten zufriedengeben und machen uns dann auf den Rueckweg. Wir wollen Ding Shifu um 18 Uhr am Ausgangspunkt wieder treffen, wo er samt Freundin auch schon um 10 vor 6 auf uns wartet.
Wenn ich nicht dauernd so gefroestelt haette (nur an der Pagode war es mir ein bisschen warm, als die ersten Sonnenstrahlen durchkamen, die stark genug waren, schwache Schatten zu werfen), waere es ein richtig schoener Tag gewesen - so nur ein schoener. Um 19:30 Uhr waren wir wohlbehalten wieder daheim.
Um halb neun (!!) hat uns Ding Shifu also seine Freundin vorgestellt, denn er hatte gefragt, ob er sie mitnehmen koenne. Klar, warum nicht, kann uns ja nur recht sein. Nach etwa eineinhalb Stunden waren wir da. Leider war sie im Kartenlesen nicht so geuebt, so dass die beiden uns nicht an der Nordtempel-Pagode (Bei Si Ta, sprich be-i ße ta, mit unbetontem e) abgesetzt haben, sondern am Garten des bescheidenen Verwalters (Zhuozheng Yuan), der je nach Reisefuehrer auch schon mal Garten der Politik des einfachen Mannes heisst. Es ist aber immer derselbe. Und auf dem Stadtplan sieht es so aus, als laege die Pagode ganz in der Naehe. So nah ist das dann aber nicht, bestimmt war es ein knapper Kilometer zu laufen. Die Stadt ist recht gross, mit mehr als zwei Millionen Einwohnern - ich hatte sie mir irgendwie etwas kleiner und doerflicher vorgestellt. Da wir nicht sofort einen Referenzpunkt auf dem Plan hatten, habe ich uebrigens auf Chinesisch nach dem Weg gefragt und die Antwort sogar verstanden, ich bin stolz!
Die Pagode hat sieben Stockwerke und sieht recht solide aus - das ist auch gut so. Insgesamt sind es 218 Stufen bis nach oben. Man hatte einen schoenen Ueberblick ueber das Tempelgelaende (alles neu) und ueber die grauen Daecher auf den weissen Haeusern der Stadt - jedenfalls stehen solche traditionellen Haeuser auf dem Gebiet zwischen dem Garten und der Pagode. In der Ferne war eigentlich gar nichts zu sehen, ausser ein paar Schemen vielleicht, denn es war schon sehr truebe. Ich muss sagen, ich hatte auch mehr Kanaele und mehr Gaerten erwartet - Fehlanzeige.
Nachdem wir alles ausgiebig besichtigt hatten, sind wir zurueckgegangen zum Garten des bescheidenen Verwalters. Das ist einer der Gaerten Suzhous, der zum Weltkulturerbe zaehlt. Leider natuerlich dementsprechend auch in der Nebensaison sehr voll. (Immerhin kostet's da auch nur 50 RMB pro Nase statt 70 in der Hauptsaison.) Wir haben erst einmal einen Tee getrunken. Im Teeraum (einer lichten Halle) wurde uns auch ein Gesang angeboten fuer 60 RMB - ein Duett waere ihr Preis gewesen, von kostuemierten Saengern vorgetragen. Aber der junge Herr im roten Gewand mit ueberlangen Aermeln hatte uns ein schoenes Mittherbstlied vorgeschlagen, wer will das denn um diese Jahreszeit hoeren?? Ich hab' was von chun = Fruehling gemurmelt, aber er wollte nichts hoeren. Dann wurde eben auch kein Lied bestellt.
Der Garten selbst wirkt unerwartet offen, und er war natuerlich noch recht kahl. Vielleicht ist er im Sommer "zugewachsener", wer weiss - irgendwie wollte nicht so viel Stimmung aufkommen. Natuerlich ist der Garten trotzdem sehr schoen, mit Pavillons und moeblierten und geschmueckten Hallen, Bruecken und Stegen und Durchgaengen ... eine grosse Bonsaisammlung gibt es auch, mit preisgekroenten Exemplaren.
Nachdem wir vom Protz des bescheidenen Verwalters genug gesehen hatten (so bescheiden war das ja nun alles nicht), sind wir zum Loewenwald-Garten gegangen (Shizi Lin, sprich sche dse lin, mit unbetonten e-s). Da gibt es weder Loewen noch Wald, sondern vor allem Steine. Bizarre Steine, die zu kuenstlichen Gebirgen aufgetuermt wurden. Angeblich sollen einige der Steine wie Loewen aussehen ... na ja. Es fuehrt ein labyrinthischer Weg durch die Anlage, wobei labyrinthisch im engeren Sinne gemeint ist. Ein Labyrinth unterscheidet sich von einem Irrgarten dadurch, dass es nur einen Weg gibt (mehr darueber zum Beispiel hier) - so dass ich nur darauf zu achten brauchte, nicht zu straucheln und mir nicht den Schaedel einzuschlagen. Beides kann man hier leicht ... die zahlreichen Steinstufen sind oft von unzaehligen Benutzern spiegelglatt poliert, und die Hoehlengaenge im kuenstlichen Gebirge sind oft recht niedrig. Die kleine Pflaumenbluetenausstellung ist schon verblueht hier - aber in diesem Garten wie auch ueberall sonst beginnen die Magnolien zu bluehen.
Als wir uns auch hier sattgesehen haben, schlagen wir noch den Weg zum daoistischen Tempel des Mysteriums ein (Xuanmiao, sprich schü-en miao mit einem Zischlaut am Anfang, den ich "kleines sch" nenne und der in anderen Romanisierungen mit "chs" wiedergegeben wird, wobei dann das ch wie in "ich" zu sprechen waere). Unterwegs kaufen wir uns ein gedaempftes Broetchen mit Fleischfuellung aus dem grossen Dampfkorb, fuer 1 Yuan das Stueck. - Als wir in die Guanqian Jie einbiegen, an der der Tempel liegen soll, trifft uns fast der Schlag: eine Fussgaengerzone ist das, ganz nach westlichem Muster, dementsprechend mit so wunderbaren Etablissements wie KFC und McDonald's, dazu Boutiquen und grosse Geschaefte mit allem Moeglichen. Und Minitrain, der die Strasse 'rauf und 'runter faehrt. Hier tobt der Baer, und wenn nicht die Passanten fast alle asiatisch aussaehen und es zwischendurch ein paar Versatzstuecke chinesischer Architektur zu sehen gaebe, wuerde man gar nicht merken, dass man in China ist. - Der besagte Tempel hat laengst geschlossen, es ist ja jetzt schon fuenf Uhr durch. Wir muessen uns also mit ein paar Aussenansichten zufriedengeben und machen uns dann auf den Rueckweg. Wir wollen Ding Shifu um 18 Uhr am Ausgangspunkt wieder treffen, wo er samt Freundin auch schon um 10 vor 6 auf uns wartet.
Wenn ich nicht dauernd so gefroestelt haette (nur an der Pagode war es mir ein bisschen warm, als die ersten Sonnenstrahlen durchkamen, die stark genug waren, schwache Schatten zu werfen), waere es ein richtig schoener Tag gewesen - so nur ein schoener. Um 19:30 Uhr waren wir wohlbehalten wieder daheim.
Freitag, 14. März 2008
Alle Jahr wieder: Annual department dinner
Dafuer ist Ding Shifu jetzt schon zur Belegschaft avanciert und war auch eingeladen. Das Essen war gar nicht so uebel, uebrigens - andererseits auch nicht der Wahnsinn. Das Gute an dieser Art von Party: um kurz nach halb zehn war der "Spuk" vorbei!
P.S. Ein Telefonteufel ist das, weil die Kollegen mich belehrt haben, dass man in das Loch oben in der Mitte sein Mobtel stellen kann. Ich hatte es ja urspruenglich fuer einen Babyflaschen- oder Schmaltassenwaermer gehalten ...
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