Jaja, ich weiß, manche/r hätte gern mehr Fotos aus Shanghai und von unterwegs gesehen ... insgesamt sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren ca. 45.000 Stück entstanden. Aber das hat man eben nur zum Teil meiner Faulheit zu verdanken - zu einem mindestens genau so großen Teil der chinesischen Regierung mit ihrer "great firewall". Hoch lebe das freie Internet!


Wer weiterhin meine Bemerkungen über Gott und die Welt lesen möchte, klickt bitte hier:
Das neue Jahr des Schweins

Wenn ich es schaffe, gibt es hier übrigens auch noch Updates, und zwar aus den bisher unveröffentlichten Reisetagebuchnotizen.

Dienstag, 23. März 2010

Hamlet auf Chinesisch

Es wird immer besser mit der Pekingoper (s.a. den Artikel namens Jingju)! Nach dem denkbar schlechten Start in Beijing und der schon guten Vorstellung neulich hier in Shanghai war es kuerzlich am Montag (hmm ... ist jetzt schon drei Wochen her) richtig gut! Ich fuehlte mich schon wie zu Zeiten des guten alten Montagsabos … zeitig los aus dem Buero Richtung Theater (nur eben diesmal nicht Richtung Schauspielhaus Duesseldorf, sondern Richtung grosses Theater auf dem Volksplatz) und dann abendfuellend Kultur auf sich niederprasseln lassen. (Ob man das alternativ Kulturduschen nennen kann?  ;-)) ) Jedenfalls gab es eine ganz innovative Pekingoper mit dem Titel "Die Rache des Prinzen Zi Dan", und das ist nichts anderes als Hamlet auf Chinesisch. Das Innovative daran ist die Kombination des klassischen westlichen Stoffes (offenbar ist das kein klassischer chinesischer) mit der klassischen chinesischen Form.


Natuerlich haben alle Personen chinesische Namen, und die Geschichte spielt nicht etwa in Daenemark, sondern in einem mythischen (oder so) Reich. Aber sonst: schlag nach bei Shakespeare. Das war schon mal eine grosse Hilfe fuer unser Verstaendnis, zumal ich uns vorher extra noch einmal die Handlung zu Gemuete gefuehrt hatte. Zusaetzlich gab es diesmal nicht nur chinesische, sondern auch englische Untertitel (oder eigentlich Seitentitel), so dass wir gar keine Verstaendnisschwierigkeiten hatten. Die Auffuehrung fand in einem kleinen Saal des grossen Theaters statt; das Buehnenbild war, wie es sich fuer Pekingoper gehoert, ziemlich schlicht, aber professionell und wirkungsvoll; die Kostueme waren richtig gut - und wir waren am Ende vollauf zufrieden. Sicher auch, weil die Eintrittskarten mit 95 RMB pro Nase wirklich am unteren Ende der Preisskala lagen, und das fuer einen guten Platz in einer der vorderen Reihen in der Mitte! Ok, ok, die Frau neben mir hat in den ersten zwei Dritteln ununterbrochen irgendwelche Snacks gegessen, darunter Erdnuesse, und sich nach solcher Labsal im letzten Drittel zwischendurch mal mit einem Mininickerchen erquickt - aber so ist das hier eben. (Uebrigens duerfte das gar nicht so abwegig sein - traditionelle Pekingopern dauern ja schon mal gern einen ganzen Tag, und da muessen die Zuschauer natuerlich zwischendurch essen und trinken. Abwegig ist es wahrscheinlich eher, so ein Stueck in einem Theater ganz ohne Verpflegung aufzufuehren ...)


Einen ganz winzigkleinen Auszug aus dem Stueck kann man sich uebrigens hier angucken. Ausser der halben Portion von Premierminister (eine sehr unbequeme Rolle, stelle ich mir vor - man beachte die letzte Szene) sieht man hier den auf Rache sinnenden Prinzen Zi Dan alias Hamlet im Gespraech mit ihm.


Gluecklicherweise war bei dem innovativen Mix von Ost und West die Auffuehrungsdauer mehr an westliche Gepflogenheiten angelehnt. Denn Pekingoper ist immer noch Pekingoper, mit (fuer Langnasenohren) gewoehnungsbeduerftigen Geraeuschen. Es soll auch Musik dabei sein.  ;-))  Nach gut zwei Stunden waren also alle tot und wir recht dankbar dafuer. Der Rest ist Schweigen.

Sonntag, 21. März 2010

So viele Gaeste!

Zur Zeit muss Han Shifu richtig viel arbeiten: Gaeste im Buero, Gaeste zu Hause, und alle wollen dauernd von A nach B und C und wieder zurueck! Und permanente Mahlzeit ist auch angesagt. Am Donnerstagabend sollte es "Geschaeftsessen" geben, in der Einladung stand KaGen Teppanyaki - da habe ich mich schon gefreut. Sicher eine der besseren Essensoptionen. Aber der "Stargast" ist (oder hier auch: isst) bei asiatischem Essen etwas vorsichtig. Zwar meine ich, dass Teppanyaki keine Herausforderung darstellt und stets gut verdaulich ist, aber wie auch immer: kurzfristig wurde das Abendessen ins Paulaner verlegt. Logistisch ist das natuerlich sehr bequem, denn man hatte die Filiale gleich neben dem Citigroup Tower gewaehlt: einmal ueber die Strasse, und schon ist man da. Und ich muss sagen, die Geschaefte gingen offenbar gut an diesem Tag. Reichlich Leute, alles recht renao und damit voll nach chinesischem Geschmack. Fernseher, auf denen man Fussball gucken kann, Live-Musik, bei der man sich anschreien muss. Aber das Essen ... ich hatte Tschiiieees Schpatzle (dies die Lautschrift) bestellt. Das gab einen grossen Teller voll mit nicht besonders erwaehnenswerten Spaetzle, chinesischem Kaese, der die Konsistenz von geschmolzenem Emmentaler (oder was genau gehoert in Kaesespaetzle?) perfekt nachahmt, aber voellig ohne Geschmack ist, und einer laut Speisekarte Geschmack verleihenden Dekoration aus Fertigprodukt-Roestzwiebeln. O wie koestlich. Dazu ein phantasieloser gemischter Salat - och noe, lass ma'. Wahrscheinlich muss ich demnaechst mal selbst welche machen ...

Am Freitagabend gab es dann die kleine "Runde": zwei Personen. Der Gast hatte sich Steak gewuenscht, also fiel mir mal wieder Monty's ein. Das Fleisch war gut, das Essen insgesamt in Ordnung - aber auch nicht gerade herausragend. Die Live-Musik dort funktioniert dafuer aber ohne viel Verstaerkung, so dass man sich bei Gesang, Gitarre und Kónnn-trabasssss weitgehend schreifrei unterhalten kann. Schon eine Verbesserung! ---

Zu Hause lassen sich Lea (eine von Burkhards Nichten) und Lukas bereitwillig von den Shanghaier Eindruecken erschlagen. Sie sind am Donnerstag in aller Fruehe angekommen und bleiben noch bis naechsten Sonntag - da kann man schon eine ganze Menge Programmpunkte "abarbeiten". (Sie sind jetzt fleissig dabei, ich habe hingegen gleich Kalligrafiestunde.) Gestern Abend gab es die Extra-Herausforderung: zweieinviertel Stunden echte (und gute) Pekingoper - aber darueber berichte ich separat.

P.S. Ich bin zur Zeit wild entschlossen, keine weiteren Minusrekorde hinsichtlich der Anzahl neuer Blogeintraege pro Monat zu erreichen. Leider ist immer noch alles gesperrt (alles ausser Mail-in), aber dann wird eben ohne Label und Korrekturen gebloggt. Wahrscheinlich interessiert sich ausser mir sowieso niemand fuer die Labels.  ;-))  Und ein bisschen (mehr) Fehlertoleranz muss ich dann von jedem Leser und jeder Leserin erwarten!

Samstag, 20. März 2010

Donnerstag, 11. Maerz 2010: Xiamen - fast ein Sommertor

Um halb neun hat Han Shifu uns abgeholt (viel zu frueh, wie er fand), um viertel nach neun waren wir am Flughafen Hongqiao und um halb zehn einsteigebereit - nur unser Flug noch nicht. Das hat uns Gelegenheit gegeben, die beiden offenbar letzten Dosen mit Pina-Colada-Drops zu erwerben, die noch auf dem Shanghaier Markt aufzutreiben waren. Wir sind dann zwar puenktlich eingestiegen, aber
leider erst eine Stunde verspaetet abgeflogen, angeblich "wegen des Flugverkehrs". Der Verkehr in Hongqiao kann es aber nicht gewesen sein, da war gar nicht so viel los. Wie auch immer … um kurz nach halb zwei sind wir in Xiamen gelandet, zu deutsch (beinahe) Sommertor: so heisst die Stadt an der suedchinesischen Kueste "gegenueber von Taiwan" in der Provinz Fujian.

Der Flughafen von Xiamen faellt auf: ein Terminalgebaeude mit hochkant-achteckigen Fenstern auf jedem Fassadensegment. Die Segmente gehoeren zu drei Etagen, die jeweils gegenueber der darunterliegenden zurueckspringen und die auch unterschiedlich hoch sind. Die Gebaeudespitzen scheinen an einem darueber platzierten Balken geradezu aufgehaengt zu sein - sehr seltsam. Unsere
Fremdenfuehrerin "Jane" erklaert uns auch gleich, dass das preisgekroente Architektur eines "jianadaren", eines Kanadiers, sei. Aus den 1980er Jahren, wenn ich mich recht erinnere.

Vorher habe ich aber noch die Flughafentoiletten besucht: wow! Mit Folienschlauch-Sitzbezuegen und einem Miniaquarium auf dem Waschtisch! So nobel sind die "Etablissements" in den Shanghaier Flughaefen aber nicht!

Wir fahren gleich in die Stadt zum einzigen offiziellen Programmpunkt fuer heute: dem Nanputuo Si, der mit seinem Namen andeuten will, es handele sich hier quasi um die suedliche Ausgabe des Putuoshan. Er liegt "mit dem Ruecken" an einem Berg, an dessen Haengen ueberall dicke Granitwollsaecke (so sprechen die Geologen ueber die typischen rundlich verwitterten Granitbrocken) aus dem Wald herausgucken.. Der Tempel ist - typisch chinesisch - axial aufgebaut. Die erste Halle, eine eher offene Struktur, schuetzt die vier Himmelskoenige vor den Einfluessen des Himmels. In einer Doppelvitrine blickt ein Maitreya gut gelaunt in die Zukunft, und auf seiner Rueckseite desillusioniert Weituo, Sakyamunis "bodyguard" (so die Worte unserer Fuehrerin), mit schraeggestelltem Stab die
wandernden Bettelmoenche: nein, hier gibt es weder Kost noch Logis, der Tempel ist klein und arm und kann die Mitbrueder nicht verkoestigen. In der naechsten Halle halten drei grosse goldene Buddhas Hof. Wie in alle Hallen in diesem Tempel koennen gewoehnliche Besucher nur von draussen hineinsehen. Im naechsten Hof spenden grosse Baeume Schatten fuer die Treppe zur Halle der Barmherzigkeit. Rechts haengt ein besonders schoenes, bunt bemaltes Exemplar von "Drachenfisch". Bemerkenswert sind auch die Erlaeuterungstafeln, auf denen man nicht etwa mit
Namen, Zahlen, Fakten ueber den Tempel konfrontiert wird, sondern erklaert bekommt, wie man Buddha anbetet oder Raeucherstaebchenopfer darbringt. Na sowas?!

Die "Halle" der Barmherzigkeit ist eher ein kleiner achteckiger Pavillon, die vier Statuen von GuanYin mitsamt 1000 Haenden beherbergt. Es seien nur 40, erklaert unsere Fuehrerin, aber die haetten 25 Funktionen, so dass wir leicht auf fuenfundzwanzig mal vierzig gleich tausend kommen. - Danach fuehren weitere Stufen zum Sutra-Pavillon. Das ist ein zweigeschossiges Gebaeude mit der Dharma-Halle (das Wort passt hier besser) im Erdgeschoss. Hier lernen die Moenche aus den Schriften. Im Obergeschoss werden heilige Schriften aufbewahrt, darunter ein mit Blut geschriebenes Lotussutra, aber man kann nicht mal einen Blick hineinwerfen.

Hinter dem Sutra-Pavillon geht das Tempelgelaende in die Natur ueber. Grosse Granitbloecke bilden einen malerischen Steingarten; viele unter ihnen sind mit rot ausgepinselten Kalligraphien versehen.  Besonders bemerkenswert ist aber der groesste Charakter von Fujian: es handelt sich um ein "fo", also Buddha, und es ist mehr als 4,60 m hoch und mehr als 3,30 m breit, wurde vor ca. 400 Jahren in
den Fels geschlagen und ist nicht rot, sondern golden: ich halte das fuer eine echte Vergoldung und glaube nicht, dass man mit Goldfarbe diesen Glanz erzeugen kann. Wenn doch: super Farbe! - Oberhalb befindet sich ein "Regallager" mit dargebrachten Heiligenfiguren aller Arten und Formen, unterhalb ein sehr malerischer Teich. Ein Mini-Pavillon in der Groesse (und Form) einer Steinlaterne spendet einer Buddha-Figur Schutz und spiegelt sich im ruhigen Wasser wie der bewachsene Stein mit zwei rot ausgemalten Zeichen, von denen eins "xin", Herz, heisst. Jane hat uns im Eildurchlauf alles erklaert, dann haben wir eine Stunde Zeit, uns an allem sattzusehen. Sie hatte uns schon gleich auf der Fahrt in die Stadt befragt, ob wir denn wohl beide Buddhisten seien? Nein, wieso? Wir haetten so viele Tempel auf unserem Besichtigungsprogramm! - Na ja, typischerweise zaehlen Sakralbauten ja auch schon mal zu den Sehenswuerdigkeiten … und selbstverstaendlich gucken wir uns ja auch DIE Besonderheit der Gegend an, die runden Hakka-Haeuser. Aber davon spaeter mehr.
 
Hier fallen in der sehr schoenen Tempelanlage viele schoene Gebinde aus frischen Blumen auf. Es waere toll, wenn wir in Shanghai in angemessener Naehe einen Floristen haetten, der so etwas liefern koennte! Insgesamt wirkt alles sehr freundlich, friedlich und farbenfroh. Und anders als alle anderen Tempel, von wegen kennze-einen-kennze-alle. Vor dem Tempel herrscht reges Treiben - man muss nicht hineingehen, um Raeucherstaebchen zu opfern, das kann man gleich hier erledigen. Die Elefanten mit Ohren, die so aussehen, als haette sich der Bildhauer an einer Mischung aus Kehrblech und Entenfuss inspiriert, und die ebenfalls Wache haltenden Loewen sehen dem Gewusel unbewegt zu. Eine Etage tiefer schwimmen Goldfische und Schildkroeten im fangshengchi, dem Freilass-Becken, in dem etwas freizulassen mittlerweile verboten ist, und noch eine Etage tiefer befindet sich ein grosser Lotusteich. Gross, aber nicht tief: dem Mann in Gummihosen, der hier offenbar gaertnerische Pflegearbeiten durchfuehrt, geht das Wasser nur gerade bis zur Huefte. Rechts und links sorgen je eine Pagode fuer gutes Feng Shui. Schwaermeweise fliegen immer wieder Tauben herum, die auch gern in der Pagodenfassade landen - bestimmt ein Beweis, wie gut das Feng Shui hier ist.

In der Zwischenzeit macht Burkhard Fotos von den spektakulaeren, kraeftig lachsroten Blueten eines ansonsten noch kahlen Baumes, der mir namentlich nicht bekannt ist. Dann fahren wir ueber die kuehn geschwungene "Stadtautobahn", die aus nicht ganz nachvollziehbaren Gruenden vor der Kueste verlaeuft. Weiss gestrichene Saeulen spriessen aus dem schmalen gelben Sandstreifen und dem blaugruenen Wasser und tragen die Fahrbahn, die in weiten Boegen das Universitaetsviertel ("die schoenste Universitaet von China", hatte mir eine Kollegin gesagt) mit dem zentralen Bereich verbindet, in dem die hoechsten Hochhaeuser der Stadt stehen. Hier befindet sich auch der Faehranleger, von dem aus wir jetzt auf die Insel Gulangyu (sprich: gulang-ü) uebersetzen. Die ollen Kronleuchter auf der Warteplattform sind mit Stoffhuellen ueberzogen, ansonsten unterscheidet sich diese Faehre kaum von "unserer" Faehre ueber den Huangpu. Viel weiter ist die Fahrt auch nicht, und nach etwa fuenf Minuten "Schiffsreise" erreichen wir das nur ca. 1,9 Quadratkilometer grosse "Trommelwelleninselchen". Die Insel ist fast ganz genau wie Juist - jedenfalls autofrei. Wir sind fuer die naechsten zwei Tage im ehemaligen englischen Konsulat einquartiert, das wir nach kurzem Fuss"marsch" erreichen. Das Einchecken ist etwas langwierig, aber ansonsten ist das Haus recht liebevoll restauriert und eingerichtet. Mit huebschen Fenstern (sogar doppelverglast), die mit aquamarinfarbenen Facettenglasornamenten geschmueckt sind.

In unserem Zimmer stehen ein paar Moebel im Antiquitaetenstil, darunter ein sehr hochbeiniges Bett mit Betthimmel. Das sieht zwar nett aus, ist nur ein bisschen schmal. (Ich frage Burkhard ja deshalb auch schon gleich, wo er denn wohl schlafen wird ...  ;-)) ) Die Schraenke sind chinesisch, und in den Faechern liegen ein paar Kleiderbuegel - das ist auch chinesisch. Soll keiner sagen, dass es keine Buegel gaebe - nur gibt es eben nichts, wo man sie hinhaengen koennte. Ein modernes Schlafsofa, ein Regal mit Minibar (sogar gefuellt und nicht einmal abgeschlossen) und ein Flachbildfernseher komplettieren die Ausstattung. Das Badezimmer ist klein, aber es gibt eine Duschtrennwand aus Glas und ein Waschbecken aus einem Findling. Leider gibt es nur fliessend kaltes Wasser aus dem Wasserhahn; die Dusche ist allerdings mit einem Warmwasserbereiter versehen. Ouf!

Nachdem wir unsere Sachen verstaut haben, gehen wir gleich wieder aus. Jetzt unbetreut, was Jane ganz nervoes machen wuerde, wenn sie es wuesste. Wir koennten ja verloren gehen auf diesem Mini-Fleckchen Erde ... Wir gehen zum Strand auf der Xiamen-City zugewandten Seite, von wo aus man jetzt einen wirklich schoenen Blick auf die Skyline hat, der die Spaetnachmittagssonne warme Farbtoene und buchstaeblich Glanzlichter aufsetzt. Weiter gehen wir auch zum HaoYue-Park, der von der meterhohen Statue des Zheng Chenggong beherrscht wird. Dieser Piratensohn (der selber auch nicht viel besser war) hat im 17. Jahrhundert Taiwan fuer China erobert, weshalb man ihn heute fuer einen Helden held, aeh, haelt. Die chinesische Haelfte eines chinesisch-langnasigen Paerchens erklaert ihrem Freund, dass er bestimmt total traurig waere, dass heute Taiwan eigentlich schon wieder zurueckerobert werden muesste. Ja dann ...

Bald ist es dann schon Zeit zum Abendessen. Fisch und Meeresfruechte seien hier angesagt, aber wir koennen kein ansprechendes Restaurant finden. Alles, was ein bisschen nett aussieht, ist 'ne Kaffeebud' (scheint da total in zu sein, es gibt auch bergeweise "coffee hotels", was auch immer das genau sein mag), und alles, wo es frisches "Seefutter" gibt, sieht seeehr chinesisch aus. Aus lauter Verzweiflung wollen wir dann doch im Restaurant unseres Hotels essen (hatten sie uns beim Einchecken auch explizit angeboten), aber da es nun schon sieben Uhr ist und kein anderer Gast zu bekoestigen ist, ist die Mannschaft schon nach Hause gegangen. O je, da muessen wir ja noch mehr laufen und wieder zurueck in die Restaurantgegend! Wir entscheiden uns schliesslich fuer einen ungemuetlichen Speisesaal, in dem zumindest schon einige Tische belegt und dessen Waende mit eher guten Kalligrafien und chinesischen Malereien geschmueckt sind. Das Essen ist ganz in Ordnung, vor allem der in leichter Sojasauce gedaempfte Seefisch schmeckt wirklich gut. Und dann muss ich auch dringend ins Bett, bin ja sooo muede. Ich habe geschlafen wie ein Stein, scheint mir. 

Sonntag, 28. Februar 2010

Neuer Minusrekord

O je, jetzt ist Vollmond, d.h. es ist bereits Laternenfest und es hat schon erneuter Dauerbeschuss eingesetzt. Nicht ganz so stark wie am Neujahrsfest, aber doch signifikant. Dann wird wohl morgen im Foyer des Citigroup Tower auch die mittlerweile schon ziemlich angestaubte Styropor-Rentier-Deko verschwunden sein. (Wahrscheinlich vom Tiger gerissen ...)

Und es ist ja nicht einmal so, dass es nun so gar nichts zu berichten gegeben haette! Anfang Februar waren wir im Botanischen Garten zur Paeonienausstellung. Irgendwer fing neulich an zu erzaehlen, Paeonien und Pfingstrosen seien nicht dasselbe, sondern nur aehnlich - das glaube ich aber doch ins Reich der Sagen und Maerchen verweisen zu koennen. Allerdings umfasst die Gattung der Pfingstrosengewaechse mehrere Arten, wovon einige in Asien beheimatet sind und daher hier mehr verwendet werden. Im Botanischen Garten standen die Exponate jedenfalls im Konservatorium, wie das grosse klimatisierte Pflanzenhaus genannt wird. In einem kleinen Nebenraum wurden sehr schoene Gestecke mit Pfingstrosen ausgestellt. Recht sehenswert, aber sicher nicht besonders haltbar! Irgendwie haben Pfingstrosen sowas Laszives, finde ich, die Blueten so schwer und immer wie leicht zerzaust - so dass sie fast gemalt noch schoener sind als in natura. In der Zeitung stand zu lesen, dass diese Ausstellung eine "Uebung" fuer die Expo sei - die dann zu zeigenden Exemplare werden alldiweil im Glauben gehalten, es sei noch tiefster Winter. An dem Tag war das Wetter grau und nass, so dass es sich nicht gerade anbot, noch viel im Botanischen Garten herumzugehen. Wir begegneten noch einer "Kiefernmaus" (guck mal, ein Eichhoernchen!) und liessen uns dann lieber in die Moganshan Lu fahren (normalerweise wuerde ich das jetzt zu einem frueheren Artikel verlinken, geht aber nicht ... mangels Zugang  :-((( ). Irgendwie sollte man da viel oefter hingehen, das ist immer wieder gut!

Ja, und dann waren wir ja in Deutschland, was soweit alles geklappt hat wie geplant. Wenn nur nicht meine bloeden Verspannungen so schlimm gewesen waeren ... da hatte ich nicht mal im Bloggerparadies Lust zu bloggen, sondern war meist nur auf der (vergeblichen) Suche nach einer schmerzlosen Position. Trotzdem hat mich das natuerlich nicht von einem Besuch im Café Grotemeyer abgehalten - da habe ich schliesslich schon in der Oberstufe meine Freistunden verbracht!! Auch ein Besuch auf dem Markt am Paulusdom durfte nicht fehlen, bei strahlend-blauem Himmel ein Tipp fuer jeden Muenster-Besucher. Die astronomische Uhr im Dom schlaegt immer noch treu und brav die Stunden und andere Zeiteinheiten und ist fuer Laien immer noch unentzifferbar. - Am Samstag war die grosse Familienfeier (der 80ste Geburtstag meiner Schwiegermutter), und am Sonntag ging es dann - gerade rechtzeitig vor dem Pilotenstreik der Lufthansa, ouf! - schon wieder zurueck. Wir mussten arg lang in Muenchen herumhaengen, aber der lange Flug war dann viel kuerzer als auf dem Hinweg (fast 12 vs. 9:40 Stunden), und wir sind fast eine ganze Stunde zu frueh gelandet. Das war auch gut so, denn mit verspanntem Ruecken Economy fliegen ist kein Vergnuegen. Immerhin gab es auf dem Rueckflug sogar in der "Holzklasse" einen individuellen Bildschirm, nur leider nicht gerade ein tolles Programm. Habe mir das Remake von "Fame" angesehen - das ist wirklich zu gar nichts gut ausser bestenfalls zum Zeitvertreib bei allzu langen Fluegen. (Die Zuschauerbewertung mit 4.4/10 auf der verlinkten Seite scheint mir fast noch ein bisschen gut ...). Weil dann noch zuviel Zeit uebrig war, hab' ich mir auch noch "Maennerherzen" reingezogen, oder wie soll ich sagen? Unter den gegebenen Umstaenden immerhin teilweise zum Schmunzeln reizend, aber auch nicht wirklich der Hit.

Ja, und jetzt bin ich seit einer Woche wieder normal im Buero, und mittlerweile sind auch die Verspannungen wieder weg. Mit viel Waerme in Form von Thermopflastern, Waermflaschen, heissen Kirschsteinkissen und Bett. Dann kann der Maerz ja jetzt kommen!

Montag, 15. Februar 2010

Bloggerparadies

Geheimtipp fuer alle Reisenden: Am chinesischen Neujahrstag selbst fliegen. Keine Schlange am Check-in-Schalter, keine Schlange an der Passkontrolle, keine Schlange an der Sicherheitskontrolle, und nicht mal eine Schlange beim Einsteigen, das schon vor der Zeit angefangen hatte. So gut wie puenktlicher Abflug in Pudong und ueberpuenktliche Ankunft in Frankfurt - nach meinen letzten Deutschlandreiseerlebnissen eine echte Erholung. Der Verbindungsflug nach Muenster war dann aber doch verspaetet, weil der Flieger schon nicht puenktlich angeflogen gekommen war. Dann musste noch enteist werden (das erste Mal, an das ich mich erinnern kann, wenn ich jetzt so drueber nachdenke), so dass wir am Ende 40 Minuten zu spaet landeten. Aber gerade noch rechtzeitig, um das Auto innerhalb der Oeffnungszeiten in Empfang zu nehmen, denn die Abwicklung war superschnell. Das Auto: Einen Punto, bei dem die Winterbereifung fast so viel kostet wie das halbe Auto selbst - Geldschneiderei, wuerde ich mal sagen! Dank mobilem Navigationsgeraet haben wir damit auch in der finsteren Heimat den Weg gefunden, und jetzt bin ich also fuer eine Woche im Bloggerparadies, wo man einfach den Browser anwirft, sich anmeldet und schon gleich losschreiben kann. Aaaah!

Donnerstag, 11. Februar 2010

Aus dem Sozialressort

Und bei dem besagten Minusrekord habe ich dann wohl auch gar nicht ueber unsere vielen "sozialen Abendveranstaltungen" berichtet. Ein "house warming" jwd (bei freier Strasse ca. eine Dreiviertelstunde Fahrt - so schoen es da auch sein mag, ich moechte nicht so weit draussen wohnen - aber zum Glueck ist ja "jede Jeck" anders) und zwei Videoabende bei uns. Das "Format" klingt etwas abstrus, war aber gar nicht so schlecht: zwei der selbstgemachten Shanghai-DVDs gucken (jede ca. 50 Minuten) und dazwischen am Tisch serviertes Buffet-Essen verzehren, inclusive selbst gemachtem Eis. (Einmal Currybirne [nicht uninteressant] und einmal Pina Colada.) Gar nicht uebel, das Format: ich denke, es hat allen gefallen. Interessanterweise reagieren Expats alle ein wenig verwundert ueber die tollen Stadtansichten. Burkhard verwendet natuerlich vorwiegend Schoenwetter-Aufnahmen - und alle staunen darueber, dass es doch nicht immer so grau und truebe ist, wie man nach mehreren trueben Tagen zu denken geneigt ist. Ausserdem gibt es jede Menge Anerkennung fuer die wirklich guten Fotoshows, das ist auch recht so! Ich habe ja immer schon diverse Korrekturversionen gesehen und gehoert, was dem Enthusiasmus leider einen gewissen Abbruch tut - dabei sind die Shows wirklich klasse!

Apropos truebe Tage: Anfang der Woche hatten wir hier fast 20 Grad Celsius (mittags in der Sonne, aber trotzdem ...) und seit gestern ist es wieder nass und grau und - brrrr! - mit nur noch 4 Grad Celsius ungemuetlich kalt. Keine Erleichterung fuer meine schlimmen Hals-Nacken-Schulterverspannungen. Alles tut weh und ich weiss nicht, wie mich setzen oder legen oder bewegen, um den Schmerz zu lindern ... heul ... jammer ...

Sonntag, 7. Februar 2010

Minusrekord :-(

Nein, nicht bei der Temperatur ... scheint, dass es in Deutschland solche gibt in diesem Winter. Hier nicht: hier ist es nur "usselig" und z. B. gestern und heute wieder grau und nass, aber nicht seeehr kalt. Eben usselig. Ungemuetlich. Zu-Hause-sitz-und-Blog-schreib-Wetter vielleicht, aber ich stelle fest, dass mit weiterhin keinem Zugriff mir ein wenig die Lust dazu fehlt. So dass ich im Januar 2010 jetzt also wohl, wenn ich das aus den Mails richtig sehe, mit nur fuenf Artikeln einen Negativrekord aufgestellt habe. Schade eigentlich. So habe ich noch nicht einmal ueber die Neujahrsparty von Mandarin House, unserer Sprachschule, berichtet. Mit typisch chinesischem Programm (natuerlich leicht albern) und auch sonst typisch: Grosse runde Tische in einem gemieteten Saal (in diesem Fall im Sofitel Hyland an der Nanjing Lu), reichlich zu essen, koestliche Getraenke (Cola, Sprite, was Quietschorangefarbenes) und viele schmalzige Worte. Und natuerlich Verlosung und Karaoke und ein paar lustige Spielchen. Wir haben auch gelernt, dass Schneewittchen auf Chinesisch báixuěgōngzhǔ heisst, Weiss-Schnee-Prinzessin. Wir verballhornen das immer zu Weiss-Schnee-Arbeitsschwein (mit dem Arbeitsschwein merk' ich mir naemlich das Wort "Prinzessin", weil das gōngzhū heissen wuerde, bloss mit einem anderen Ton fuer das zhu und mit ganz anderen Zeichen - die fuer "Prinzessin" bedeuten woertlich so etwas wie "fuerstliche Herrin" und haben, wenig ueberraschend, mit Schwein nichts zu tun) und haben diesen Ehrentitel jetzt unserem Kalenderblattschwein Bettina (Link zu Bettinas Bild) verliehen, die offensichtlich auch kurz vor der Aufnahme im Schnee gearbeitet, sprich: gegraben hat.  :O))

Untypisch war wohl nur, dass am Ende (oder sagen wir mal: als wir gegangen sind, fuer so manch Andere/n mag das erst der eigentliche Anfang gewesen sein?!!) getanzt wurde, na sowas! Aber da hatten wir schon unser Investment wieder herausgeholt (Eintrittskarte pro Person 200 RMB, wir haben einen Gutschein ueber 500 RMB zum Essen im "Simply Thai" gewonnen und ausserdem noch ein Erste-Hilfe-Taeschchen - und das nur mit dem richtigen Beantworten von einfachen Multiple-Choice-Fragen, die allerdings auf Chinesisch gestellt wurden - schliesslich ist das eine Sprachschulenveranstaltung gewesen) ... und konnten also beruhigt heim. Da waren ja auch schon fast drei Stunden um.

Dann musste ich noch im Nachhinein fuer den schoenen Abend arbeiten: Yang XiaoLi bat im Namen von Mandarin House um ein schoenes Feedback zu dieser Party. O je! Und dann auch noch zitierbar, denn das sollte in der Hauszeitung erscheinen! Ich habe, passend zur Veranstaltung und typisch chinesisch, auch ein wenig in den Schmalztopf gegriffen ... Bin mal gespannt, ob Yang XiaoLi uns demnaechst ein Exemplar dieses rein chinesischen Blaettchens mitbringt. ---

Ueber die typischen Tiger, die sich jetzt ueberall ausbreiten, habe ich mich also auch noch nicht ausgelassen ... Die sehen zum Beispiel so aus oder so oder so oder so oder oder oder. Muss einem zum Teil gesagt werden, dass das Tiger sind - die Rinder mit den Hoernern oder die Schweine mit der Steckdosennase sind da irgendwie einfacher zu erkennen.  ;-))  Aber jetzt ist es bald so weit: in weniger als einer Woche wird das Jahr des Rindes Vergangenheit sein und der Tiger (chinesisch: laohu, alter Tiger: ein Ehrentitel) wird das Regiment uebernommen haben.