Hier sind nun auch die Bilder vom Shanghai Grand Prix. Ohren zu und durch! (Nach meiner persoenlichen Erfahrung ist Augen zu und durch! fuer das Betrachten von Fotos naemlich wenig zweckmaessig. Gruss aus Kalau!)

Montag, 20. Juli 2009

Paarweise, oder: Singapur-Futter

Ich kann mich nicht genau erinnern, was die Lieblingsbeschaeftigung der Einheimischen ist - in jedem Fall ist es dem Konsum Froenen, aber was hat Vorrang? Essen oder Einkaufen? Schlemmen oder Shoppen? Kaloriensuende oder Kaufrausch? Da ich persoenlich Einkaufen ja eher als laestige Pflicht betrachte (Ausnahmen wie Buecher und Bueromaterial bestaetigen die Regel), kann ich mich jedenfalls besser mit der Variante Essen anfreunden.

Der gerade Weg vom Buero zum Hotel geht an einer breiten Strasse entlang, der nette fuehrt ueber den am Boat Quay, an dem sich ein Restaurant an das andere reiht - natuerlich habe ich den gewaehlt. Dem hat aber mein urspruenglicher Entschluss, das Abendessen mit einem leckeren Fruchtsaftcocktail und einem Milchkaffee zu bestreiten, irgendwie nicht standgehalten. Obwohl hier Meeresfruechte und Fisch die Nase vorn haben (falls sie ueberhaupt eine besitzen, Gruss aus Kalau), ueberkam mich ein grosser Appetit auf so ein indisches Linsengericht - so dass ich mich nur rasch umgezogen und dann nach dem naechsten indischen Restaurant umgesehen habe. Gleich gegenueber vom Hotel, auf der anderen Seite des Singapore River, bin ich fuendig geworden. Es gab ein nettes Tischchen direkt am Fluss, und ich habe nun soeben den Masala Chai (indischer Gewuerztee mit Milch) ausgetrunken, mit dem ich hier stilecht den Espresso ersetzt habe. Vorher habe ich mein Linsengericht vertilgt, dazu Raita mit Gurke (als frisches Pendant zu den cremigen Linsen) und Brot mit Pfefferminzblaettern, die aber leider nicht so minzig waren, wie ich gehofft hatte - geschmeckt hat's trotzdem. - Zum Mittagessen gab es uebrigens vietnamesische Nudelsuppe mit Rindfleisch. Schau'n mer mal, welche Gelueste mich im Verlauf der Woche noch ueberkommen …
 
P.S. Essen gewinnt! Auf dem Weg zurueck ins Hotel habe ich erst bemerkt, dass hier gerade das grosse Singapore Food Festival stattfindet, vom 17. - 29. Juli. Und eben nicht das Einkaufsfestival!

Wie am Schnuerchen

So, jetzt bin ich also mal wieder in Singapur. Zwar haben die Shanghaier den Flieger von Singapore Airlines auf einer Aussenposition platziert, was mit ein Grund dafuer war, dass wir merklich verspaetet abgeflogen sind, aber der Pilot hat etwas aufholen koennen - bei geplanter Landung um 21:50 Uhr finde ich Parkposition erreicht und Tueren geoeffnet um 22:09 Uhr doch sehr akzeptabel. Und in der Abwicklung haben die hier gegenueber meinen letzten Begeisterungsstuermen nochmal zugelegt, denn um 22:29 Uhr habe ich schon das Terminal verlassen koennen, und das ist schon inklusive Bargeld-aus-dem-Geldautomaten-Holen! Ich krieg' mich gar nicht darueber ein … koennen die vielleicht mal ein paar Berater nach Frankfurt schicken? Dass die Passkontrollenschalter voellig schlangenfrei waren, liegt wohl auch daran, dass es jetzt automatisierte Eingaenge gibt mit Drehkreuzen, die aussehen wie typische U-Bahn-Eingaenge. Vermutlich fuer die hier "Wohnsitzenden", die sich fuer dieses Verfahren angemeldet haben … Alternativ koennen diese sich aber auch am Schalter "Welcome home" anstellen - das klingt doch viel netter als "Singapore residents", oder? Und trotzdem ist es unmissverstaendlich. Aber die Singapurianer sind ja sowohl fuer ihre Serviceorientierung als auch fuer ihr hartes Durchgreifen gegen Kaugummikauer und Drogenhaendler beruehmt und beruechtigt. Ersteres konnte man auch wieder beim Flug im Vergleich gegen die Lufthansa deutlich feststellen. Hier war jetzt alles irgendwie mindestens eine Nummer netter, freundlicher, stilvoller, zuvorkommender - das Einzige, was deutlich schlechter war, war die Qualitaet der Schokolade, die als Leckerli zum Kaffee bzw. Tee gereicht wurde.
 
Die Taxischlange war auch so gut wie nicht vorhanden, so dass ich um 23:01 Uhr schon in meinem Hotelzimmer war - echt klasse. Jetzt versuche ich nur noch, meinen Rechner zu vernetzen, um die Mails, die ich unterwegs geschrieben habe, noch rasch zu versenden - na, das hat jetzt irgendwie gedauert, aber Ende gut, alles gut!

Samstag, 18. Juli 2009

Shanghaier Intermezzo

So ein Mist! Nach dem paradisischen Zustand in Deutschland, dass ich einfach auf Blogger meinen Blog schreiben konnte, ohne Heckmeck, bin ich hier wieder hereingefallen, habe mein Artikelchen geschrieben, auf den "Veroeffentlichen"-Knopf gedrueckt, und plumps! war alles im bodenlosen Biteimer. Grrrr ... ich aergere mich ueber mich, dass ich die Vorsichtsmassnahme mit dem Blogschreibzettel ganz vergessen hatte. Wie gesagt: So ein Mist!

Aus Deutschland bin ich also wohlbehalten zurueck. Die Rueckreise hat auch viel besser geklappt als die Hinreise, der Zug nach Frankfurt war puenktlich, der Abflug war puenktlich, der Flug selbst war ohne besondere Vorkommnisse, die Ankunft war puenktlich, weder bei der Gesundheits- noch bei der Passkontrolle gab es lange Schlangen, mein Gepaeck war sogar ein bisschen vor mir am Band, und Han Shifu erwartete mich und hat mir mit dem schweren Gepaeck geholfen. 27 plus 14 Kilo ... allerhand Vorraete (Duschoel! das gibt's hier nirgends und das brauch' ich dringend!) sind jetzt wieder aufgestockt. Im Flugzeug hiess es, dass die chinesischen Gesundheitsbehoerden von ihrer kuerzlich eingefuehrten Neuerung schon wieder Abstand genommen haetten, dass naemlich eine Mannschaft von Fiebermessern in Schutzanzuegen an Bord frisch gelandeter Maschinen gekommen sei, um bei jedem einzelnen Passagier die Temperatur zu messen. Stimmt, diese Nachricht hatte man uns auch schon zukommen lassen ... Ob das aber auch die beste Methode war? Erstens hat es wohl ziemlich lange gedauert, und zweitens war das bestimmt dazu angetan, Panik zu verbreiten, denn wenn eine Gruppe von Leuten in voller Montur die Kabine entert, denkt man spontan an hoch radioaktiven, bakteriell verseuchten Chemiegiftmuell. ABC-Alarm, und das Objekt des Alarms ist man selbst! Jetzt wird wohl irgendwie einfach automatisch im Vorbeigehen gemessen. Geht doch!

Auf der Fahrt nach Hause wurde ich schon wieder von der beruechtigten Shanghaier Grausuppe empfangen. Suppig warm war es auch: 34 °C. Da habe ich mich gleich frisch geduscht, mich eine Dreiviertelstunde aufs Ohr gelegt und aus Gruenden der Bequemlichkeit und Zeitersparnis den Nachmittag ueber von zu Hause gearbeitet. Gestern habe ich dann ein Gastspiel im Buero gegeben, denn morgen geht es gleich weiter nach Singapur.

Erstaunlicherweise ist die Grausuppe zurueckgewichen - heute Morgen gab es um fuenf Uhr einen tollen Sonnenaufgang (sagt Burkhard, was er auch mit Fotos belegen konnte - ich hab' natuerlich davon nichts mitbekommen), und vorhin einen noch tolleren Sonnenuntergang. Es fing an mit einem blau-rosa-zartvioletten Himmel, der sich innerhalb von Minuten in einen orangerotgelben Feuerofen verwandelte. Und das bei relativ klarer Luft! Prima, denn heute haben wir Photomatix erworben, die einschlaegige HDR-Software. Die Abkuerzung steht fuer High Dynamic Range, und kurz und laienhaft zusammengefasst ist das ein Verfahren, bei dem man aus mehreren unterschiedlich belichteten Bildern vom selben Objekt (von unter- bis ueberbelichtet) ein neues Bild macht, das sozusagen nach der Rosinen-Pick-Methode aus jedem Bild die gut belichteten Bereiche zusammenklaubt. Dieses Verfahren erlaubt, bei Situationen mit starkem Kontrast ein Bildergebnis zu erzielen, das ungefaehr dem entspricht, was das menschliche Auge sieht bzw. was das Gehirn aus den Impulsen des Auges macht. Der Eiweisscomputer ist naemlich jeder Kamera himmelhoch ueberlegen. Besonders gut ist das zum Beispiel bei Wolkenereignissen ueber Gebaeuden oder auch bei Aufnahmen aus dem Fenster hinaus, wenn man Innenraum und Ausblick gleichermassen sichtbar machen will. Auf Fotos ist entweder der Innenraum stockschwarz oder der Ausblick voellig ueberbelichtet - das hat mit HDR ein Ende. Und ja, wenn Blogger nicht geblockt waere, wuerde ich jetzt eins der Beispielbilder hier einfuegen, aber so ist mir das echt zu laestig. Wer mag, guckt sich Beispiele auf www.hdrsoft.com an. Burkhard ist begeistert, und es tun sich wirklich neue Moeglichkeiten auf. Zumal die Software wirklich ganz einfach funktioniert.

Montag, 13. Juli 2009

Deutscher Sommer (Reprise)

Fuer gestern Abend gab's Theaterkarten: bei den Siegburger Freilichtspielen, die im Hof der Abtei Michaelsberg fast den ganzen Juli ueber abgehalten werden, wird in diesem Jahr Cyrano de Bergerac gegeben. Um 20:30 Uhr ging es los. Fuer meinen Geschmack waren einige Stuhlreihen zuviel aufgestellt, so dass fuer die Buehne ein bisschen zu wenig Platz uebrig blieb. Aber egal. Die Schauspieler des Theater Haus Birkenried e.V. hatten Kostueme à la Mantel und Degen, und der Hauptdarsteller eine allerdings etwas zu graeulich-dunkle falsche Nase. Gegen Gérard Depardieu in der tollen Verfilmung von Jean-Paul Rappeneau von 1990 konnte er natuerlich nicht ankommen, aber trotzdem haben er und die ganze Truppe ganz nett gespielt. Und das trotz nennenswerter Erschwernis: Vor Beginn des Spiels bat eine Stimme aus dem Off um Entschuldigung, dass die Fechtszenen es ein bisschen an Tempo fehlen lassen wuerden; der Hauptdarsteller habe sich bei den Proben eine Verletzung zugezogen, aber er wuerde - heldenhaft wie seine Figur - immerhin trotzdem spielen.

Ein originelleres und moderneres Buehnenbild waere auch schoen gewesen, aber als Sommerabendveranstaltung war es auch so gut. Womit wir beim Thema waeren: deutscher Sommer. Da denkt man, im Juli koenne man ruhig Freilichtspiele veranstalten, aber anders als in China bekommt man an einem Abend, an dem leider doch Niederschlaege drohen, nicht etwa automatisch einen Einmalregenmantel ausgehaendigt - man konnte allerdings kaeuflich welche erwerben. In der Pause konnte man Sekt und Bier und dglm. trinken; mir waere ein heisser Tee lieber gewesen ... Und nach der Pause fing irgendwann im vierten Aufzug dann so ein feiner Landregen an, mit einem etwas furioseren Auftakt allerdings. Und dann ging das Geraschel los, wie nervig! Vor lauter Regencapeauspackerei und -ueberstuelperei konnte man kaum etwas verstehen. Als es nach einiger Zeit ein trockenes Intermezzo gab, haben die ersten Naseweisen die Capes mit erneutem Geraschel ausgezogen, och noe! Denn bald ging es ja wieder los. Am Ende war ich zwar mit Stueck und Spiel zufrieden, aber auch ein bisschen durchgefroren. Und das in einer Hochsommernacht!

Donnerstag, 9. Juli 2009

Doener-Doenekes

'reingelegt! Jetzt kommt gar nichts mit Doener, aber das passt halt so schoen! Es geht um Restaurantgeschichten. Gestern Abend war ich mit Kollegen suedafrikanisch essen. Was es nicht alles gibt! Damit man Koelner wie Duesseldoerfer gleichermassen, aber getrennt, mit Kap-Kuechendueften und den entsprechenden Gaumenfreuden begluecken kann, gibt es gleich zwei Filialen des nach einem lokalen Hackfleischgericht benannten Restaurants Bobotie, in jeder Stadt eine. Ich war natuerlich in Koeln, probierte Biltong und einige der anderen Vorspeisen. Als Hauptgericht hatte ich den warmen Suesskartoffelsalat mit Springbockstreifen (Gruss aus Kalau: ich wusste ja gar nicht, dass die gestreift sind!) - irgendwie hatte ich mir den anders vorgestellt. Mit Schlagsahne, Pinienkernen, Mangodressing und gemischtem gruenem Salat wurden warme Suesskartoffeln und die besagten Springbockstuecke serviert - das war ganz o.k., wird aber nicht mein Lieblingsgericht. Springbock halte ich auch nicht fuer ein Muss.

Die eigentlichen Doenekes stammen aber nicht aus dem Suedafrikanischen. Am Sonntagnachmittag am CentrO haben wir eine Ingwerlimonade bestellt. Klang naemlich lecker: mit Limette, frischer Minze und eben frischem Ingwer. Die Bedienung schaute uns kopfschuettelnd an. Ob es keine mehr gebe? Doch, doch ... aber die koenne sie uns nicht empfehlen. Ja, warum denn nicht? Die schmecke ganz bitter, nach Ingwer. Ja eben! Drum! Das war der Serviererin offensichtlich so unbegreiflich, dass sie die Bestellung beim Schichtwechsel und der Uebergabe an ihre Kollegin nicht weitergeben konnte. Die Kollegin kam dann bei uns fragen, was fuer ein Getraenk wir denn bestellt haetten - zum Glueck hatte diese keine Abneigung gegen Ingwer, und wir bekamen doch noch, was wir wollten. Richtig lecker uebrigens!

Die Kroenung ist aber folgende Bistro-Geschichte. Ich hatte Gnocchi mediterran bestellt, mit Pilzen, Artischocken, Paprika, Oliven und Tomaten. Nach langer Wartezeit kam dann ein Teller mit Gnocchi, Pilzen und Paprika in Tomatensauce. Als der Kellner beim Abraeumen fragte, ob es denn geschmeckt habe (wenigstens hat er mir nicht ins Essen gequatscht!), gab ich zu Protokoll, dass dieses Gericht weder Artischocken noch Oliven enthalten habe. Seine Antwort: Das habe ich aber nicht gemacht! Ja und?! Ich halte es fuer den Normalfall, dass der Kellner das Essen nicht zubereitet, selbst in einem Bistro. So einen daemlichen Spruch hab' ich ja noch nie gehoert!

Dienstag, 7. Juli 2009

Mehr Oberhausen

Es faengt an mit mehr Gasometer: nachdem wir genug Mond geguckt hatten, haben wir den Panoramaaufzug mit dem leicht irrefuehrenden Namen bestiegen - man sieht eben nicht das Panorama draussen, sondern drinnen: am Mond vorbei fahren wir auf ca. 110 m Hoehe, die letzten beiden Etagen muss man per Treppe erklimmen. Auf dem Gasometerdach gibt es einen Umgang und drei Aussichtsplattformen, von denen aus man einen weiten Blick hat. Viel Gruen gibt es da zu sehen, aber natuerlich auch Spuren alter und heutiger Industrie. Ein Ding mit einer komischen Zeltform wird da als "Kohle-/Koks-Vergleichsanstalt" (oder so aehnlich) erklaert, was das wohl ist? Am Horizont ragen die Tuerme des Kraftwerks Gelsenkirchen-Scholven auf.

Dann fahren wir wieder herunter und machen uns auf Richtung Centro, das gleich nebenan liegt. Wie es sich gehoert, hat das natuerlich geschlossen (es ist ja Sonntag!), bloss die Mampfmeile ist halbwegs bevoelkert. Wir finden ein schoenes Plaetzchen draussen und ruhen uns von den bisherigen Strapazen bei Imbiss und Getraenken aus. Zum Abschluss machen wir noch die grossspurige 'Die ganze Welt an einem Tag'-Reise durch die Sandskulpturenausstellung, die am Centro den Sommer markiert. Wir hatten schon vom Gasometer-Dach gesehen, dass die ziemlich klein ist und insofern eigentlich selbst mit dem reduzierten Eintrittspreis von 4,50 Euro zu teuer ... aber sei's drum, ich hoffe natuerlich noch auf weitere Haibao-Fotomotive. Die Veranstalter (isy-Sandkunst) scheinen mir so rechte Kuenstler zu sein ... die Website ist jedenfalls nicht gerade professionell, und die Sandbildformer werden vorsichtshalber alle nur per Vornamen, Geburtsjahr und Heimatland vorgestellt. Heimatland! Das ist ja alles gar nichts, zum Beispiel gegen die Schneeskulpturen in Harbin. Viel zu klein, sowohl die Ausstellung als auch die Werke. - Damit ist der Tag dann um, und wir fahren jede unserer (Heim-)Wege.

Sonntag, 5. Juli 2009

Oberhausen

Das Wetter war heute recht warm und ein bisschen schwuel, aber tagsueber wenigstens trocken - wenn auch ein bisschen graeulich und insofern nicht 100% fotogeeignet. Mit meiner Mutter hatte ich mich am Gasometer Oberhausen verabredet, wo ich auch fast puenktlich angekommen bin. Zwischendurch gab es so eine komische Polizeiaktion auf der Autobahn: ein Polizeifahrzeug bremste alle Fahrzeuge auf einer dreispurigen Autobahn auf unter 80 km/h herunter. Ich dachte ja schon, das gaebe jetzt eine Vollsperrung, aber nachdem wir eine ganze Weile so weiter gefahren waren und ich beim Durchfahren einer Senke eine wunderbar freie Autobahn voraus bewundern konnte, mit gar keinem Fahrzeug, war der Spuk bald vorbei. War das jetzt eine Trainingsmassnahme fuer die Polizisten oder fuer die Autofahrer oder bloss ein grosses Missverstaendnis? Egal, ich war ja froh, dass es nichts Ernstes war.

Ja, der Gasometer - hat in diesem Jahr seinen 80sten Geburtstag gefeiert und sieht dafuer mit stolzen 117,5 Metern Hoehe ruestig aus. Seit ca. 20 Jahren ist er eine Ausstellungshalle der besonderen Art. Uebrigens ist er nicht rund, sondern vierundzwanzigeckig - das diente zur Stabilisierung der Gasdruckscheibe, die gut 600 t wiegt und bei Bedarf noch mit weiteren ca. 600 t beschwert werden konnte, wenn ganz viel Gas aus der Stahlproduktion zwischengelagert werden musste. Damit es nicht zwischen Seitenwand und Gasdruckscheibe entwich, waren die Innenwaende mit einem Film aus Teeroel bedeckt, der gleichzeitig abdichtete und das stoerungsfreie Gleiten der Druckscheibe ermoeglichte - und den man heute noch riechen kann.

Dieses Jahr gibt es im Gasometer eine Ausstellung namens 'Sternstunden - Wunder des Sonnensystems' mit ca. 60 grossformatigen Fotos (vom Deutschen Zentrum fuer Luft- und Raumfahrt) zum Thema. Die sind zum Teil echt toll, und in dem grossen Format kommen sie prima zur Geltung. Die haengen im Erdgeschoss, unter den besagten 600 t. Grosse Teile der Waende leuchten hier in magischem Blau, so wirkt die Atmosphaere weniger beschwert, als sie ist. Im Obergeschoss, also auf der Gasdruckscheibe, gibt es zahlreiche weitere Ausstellungsstuecke, aber hier ist es auch ganz schoen warm. Die Fuehrerin troestet uns damit, dass es dafuer im Winter hier ganz schoen kalt ist. Ja dann ... Das Gehen ist auch nicht ganz ungefaehrlich, weil ueberall Stahltraeger diagonal kreuz und quer im Weg stehen. Zwar sind sie alle mit einer dicken Schaumstoffschicht gepolstert, aber ganz ungefaehrdet kann man sich hier nicht bewegen. Insofern geniessen wir nur noch den grossen Mond, der da oben haengt - ein Luftballon mit 25 Metern Durchmesser, 250 kg Huellengewicht und dem Bild der Mondoberflaeche auf der Aussenhaut. Der haengt vom Gasometerhimmel herab, der sonst wohl mit einer Lichtinstallation in Szene gesetzt wird; jetzt leider nicht. Schade. Es gibt aber eine andere Lichtinstallation, die in 15 Minuten einen Mondzyklus durchlaufen laesst. Dazu ertoenen dezente Sphaerenklaenge: das hat was.